Die Europäische Union soll finanziell Organisationen des Umwelt- und Naturschutzes unterstützt haben, um Einfluss auf die europäische und nationale Gesetzgebung auszuüben. Dabei sollen Lobbyaktivitäten im Interesse des Green Deals gefördert worden sein. Es wird behauptet, dass diese Unterstützungen in Geheimabkommen zwischen dem ehemaligen Vizepräsidenten der Kommission, dem niederländischen Politiker Frans Timmermans, und den betroffenen Organisationen vereinbart wurden. Timmermans weist diese Anschuldigungen entschieden zurück und betont, niemals in irgendeinen Missbrauch verwickelt gewesen zu sein.
Nur in Italien sorgt der Skandal für Aufregung
Die Vorwürfe, die in Italien für erhebliche Empörung sorgen, scheinen in anderen europäischen Ländern kaum Beachtung zu finden. Die Diskussion ist bislang vor allem durch einen Bericht des niederländischen Blattes De Telegraaf in die Öffentlichkeit geraten. Dieser veröffentlicht geheime Verträge, darunter eine Abmachung mit einem Umfang von 700.000 Euro, die angeblich dazu dienten, die öffentliche Debatte über die Landwirtschaft in die gewünschte Richtung zu lenken. De Telegraaf wirft vor, dass die EU-Kommission über Jahre hinweg Lobbygruppen finanziert hat, um Druck im Sinne des Green Deal auszuüben. Dabei sollen den Organisationen konkrete Zielvorgaben für Lobbying-Arbeit bei Europaabgeordneten und Mitgliedsstaaten gemacht worden sein.
Laut dem Bericht habe Brüssel „Gelder aus einem milliardenschweren Fonds für Klima- und Umweltsubventionen verwendet“, um eine sogenannte „Schattenlobby“ zu finanzieren. Ziel sei gewesen, die grünen Politiken ganz oben auf die Agenda Europas zu setzen. Als Beispielfall wird eine Kampagne zugunsten des Nature Restoration Law erwähnt, das stark von Timmermans unterstützt wird, jedoch innerhalb des Europäischen Parlaments und bei den konservativ-rechten Parteien auf Widerstand stößt. Diese Kampagne soll von einer Koalition aus 185 Umweltorganisationen getragen worden sein.
Die Behauptungen zur Deforestation-Gesetzesänderung und die Grenzen der Fraktionen
Vor allem die rechte Politik in Italien und die niederländische Opposition sorgten für heftige Reaktionen, wobei die Europäische Kommission die Vorwürfe zurückweist. In den anderen Mitgliedsstaaten scheint die Angelegenheit bislang kaum Aufmerksamkeit zu erregen.
Timmermans verteidigt sich
Der niederländische Ex-Vizepräsident hat betont, keinerlei Kenntnis von geheimen Verträgen mit den beschuldigten Umweltgruppen zu haben. „Ich habe niemals solche Verträge persönlich abgeschlossen und war während meiner Amtszeit als EU-Kommissar auch nicht in deren Umsetzung direkt involviert“, so Timmermans. Er unterstrich, dass im Fall solcher Vorwürfe volle Transparenz erforderlich sei, und wies darauf hin, dass die aktuelle Europäische Kommission hierzu die Verantwortung trage, alle Fakten aufzuklären.
Timmermans sieht die finanzielle Unterstützung der Interessensgruppen durch die EU-Kommission grundsätzlich positiv. Er argumentiert, dass eine demokratische Entscheidungsfindung auf einem ausgewogenen Meinungsbild basiert, bei dem verschiedene Interessen Berücksichtigung finden müssen. Dabei spiele es eine Rolle, dass große Unternehmen große finanzielle Ressourcen haben, während soziale Organisationen häufig weniger möglich seien, ihre Anliegen vor den politischen Gremien zu vertreten.
Die EU-Kommission weist die Vorwürfe entschieden zurück
Die Behauptungen wurden auch seitens der Europäischen Kommission selbst vehement bestritten. Ein Sprecher betonte: „Es gibt keine Probleme bei der Zuweisung von EU-Fördermitteln an geeignete Nichtregierungsorganisationen. Das ist seit langem gängige Praxis und soll auch so bleiben.“ Der Vertreter, Balazs Ujvari, erklärte zudem, dass die Kommission die Verwendung der Gelder noch genauer analysieren werde, um sicherzustellen, dass EU-Mittel nicht gezielt genutzt werden, um Druck auf einzelne EU-Politikerinnen und -Politiker oder auf das Europäische Parlament auszuüben. Ziel sei, Transparenz und Fairness bei der Mittelvergabe zu gewährleisten und Missbrauch zu verhindern.
Diese Entwicklungen werfen ein neues Licht auf die Verbindungen zwischen Lobbygruppen und der EU-Politik – eine Thematik, die derzeit in mehreren europäischen Ländern für erheblichen Diskurs sorgt, wobei der Fokus bisher vor allem auf Italien liegt. Die genaue Rolle und der Einfluss von finanzierten Organisationen bleiben Gegenstand intensiver Debatte.