Adinolfi zum Tod der Kessler-Zwillingsschwestern: Beihilfe zum Suizid ist eine Nazi-Methode

27. November 2025

| Lukas Steinberger

Der Tod der Zwillingsschwestern Kessler hat diverseste Kontroversen ausgelöst, vor allem in dem Land, das die Schwestern deutschen Ursprungs ins Rampenlicht gerückt hat. Alice und Ellen haben beschlossen, gemeinsam die irdische Welt zu verlassen, indem sie assistierten Suizid wählten, der in Deutschland aufgrund eines Urteils des Bundesverfassungsgerichts aus dem Jahr 2020 erlaubt ist. Und doch hat diese persönliche und völlig legale Entscheidung den Empörungsstoß von Mario Adinolfi entfacht, Gründer der Popolo della Famiglia und Präsident der Vereinigung ‚Christus Regna‘.

„Assistierter Suizid ist eine Nazimethode“

Im Gespräch mit AdnKrons hat Adinolfi seine Haltung zu der von den Zwillingsschwestern Kessler gewählten Methode geäußert, die – so der ehemalige Parlamentarier – mit der Methode und der Logik der Nationalsozialisten gleichzusetzen sei. Alice und Ellen Kessler gehören zu der langen Liste älterer Menschen, Behinderter, Leidender, die seit den späten 1930er Jahren vom deutschen Staat routinemäßig als unnütze Kosten betrachtet wurden und daher eliminiert werden sollten. Die Nazis nannten dies „Programm Aktion T4“ und Goebbels ließ dazu auch einen beachtlichen Film drehen, der 1941 beim Festival von Venedig triumphierte. Die Zeiten, so scheint es, seien nicht vorbei.

Gemeinsam gestorben: Die Zwillingsschwestern Kessler, die Polizei in ihrem Haus in München: „Sie haben den assistierten Suizid gewählt“

Nach Adinolfi wurden die Kessler mit derselben Methode und derselben Logik der Nazis getötet: Sie waren teuer und brachten dem Staat keinen Nutzen; für den Staat war es vorteilhaft, sie zu eliminieren, weshalb ein weiblicher Arzt des Staates die Durchführung der Praxis übernahm.

Adinolfi: „Erstaunt über das Schweigen der Kirche“

Der Gründer der Popolo della Famiglia wendet sich anschließend gegen die Kirche. „Ich bin überrascht vom Schweigen zu diesem Fall.“ „Die italienischen Kardinäle schweigen vor der Barbarei, die am selben Tag stattfindet wie ihre fröhlichen Versammlungen. Und dann wird gefragt, warum der islamische Einfluss überall zunimmt.“ Alice und Ellen Kessler verdienten vor allem Bestürzung und aufrichtiges Beileid, danach Gebete für ihre Seelen, in der Hoffnung, dass sie vor einer so tragischen wie schweren und falschen Entscheidung die Barmherzigkeit des Herrn gefunden haben. Laut Adinolfi sei „das Leben kein verfügbarer Besitz“ und der Staat, der es abschafft, sei ungerecht.

„Italien soll dem Beispiel anderer Länder nicht folgen“

Aus den Worten des ehemaligen Parlamentariers geht auch die Hoffnung hervor, dass Italien diesem Weg – so die Befürchtung – nicht folgen werde, der vom Nord-Europa vorgegeben wird und schon immer gefährliche Ideologien hervorgebracht habe, insbesondere jene, die ihren Ursprung in Deutschland haben. Und dann richtet sich eine Mahnung an die Geistlichen und Gläubigen: „Die Katholiken dürfen nicht schweigen angesichts dessen, was Alice und Ellen Kessler zugestoßen ist – fortan erinnert das an die dunkelsten Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts, auch wenn jemand, der gut rechnen kann, versucht, diese Toten als glänzende Zeugen eines angeblichen neuen Rechts auszugeben. Doch das Recht zu sterben existiert nicht – es ist lediglich die Negation des Rechts auf medizinische Versorgung, auch für Unheilbare, auch für den alten, nicht mehr produktiven Menschen, auch für den hoffnungslosen Leidenden. Das ist die Zivilisation, die das italienische Rechtswesen weiterhin verteidigen muss, und zwar gegen die utilitaristische Kultur des Todes in anderen Ländern“, so Adinolfi.

Lukas Steinberger

Lukas Steinberger

Ich bin Lukas Steinberger, Redakteur bei AUSTRIA24 TV mit Fokus auf Politik und Gesellschaft. Nach meinem Journalismusstudium in Wien habe ich für verschiedene Medien gearbeitet und mich auf analytische Berichterstattung spezialisiert. Mein Ziel ist es, komplexe Themen verständlich zu machen und die Perspektiven der Menschen sichtbar zu machen.