Wie „Sünde“, die erste unwiderstehliche Fernsehserie von Emanuela Fanelli
Es kommt ihre gesamte Selbstironie in der ersten Fernsehserie von Emanuela Fanelli, „Sünde“, die bald auf HBO Max zu sehen sein wird. Und auch ihre Seele. Und man konnte von ihr nichts anderes erwarten. Man wird älter, man macht sich über sich selbst lustig, sie bringt Lacher und regt zugleich zum Nachdenken über die Licht- und Schattenseiten der Unterhaltungswelt, über Erfolg und Scheitern, über Liebe und Freundschaft und vor allem über das Leben.
Nach Jahren im Film, Fernsehen und bei Figuren, die sofort wiedererkannt werden, präsentiert Emanuela Fanelli in Venedig 83 „Peccato“, ihre erste TV-Serie, unter der Regie von Valerio Vestoso, und sie tut das umgeben von einer wahren Parade bekannter Gesichter der italienischen Unterhaltungswelt. Von Sabrina Ferilli über Paola Cortellesi, von Ferzan Ozpetek bis Fabio Fazio, von Caterina Balivo bis Isabella Rossellini und vielen anderen. Doch diese Cameos sind nicht einfach eine Promi-Staffage; sie gehören zum selbstironischen Spiel der Serie und bereichern damit deren Botschaft.
Das Ergebnis? Eine poppige, unterhaltsame, bewusst überzeichnete Serie, die mit der Welt des Fernsehens, des Ruhms und des öffentlichen Images spielt. Emanuela Fanelli stellt sich in dieses Universum, getragen von einer ihrer markantesten Eigenschaften: der Selbstironie.
Das Interview mit Emanuela Fanelli: “Ich liebe das Scheitern, nicht die Helden. Die Ironie? Die hab‘ ich von meiner Familie gelernt”
Die zerrüttete Freundschaft mit Paola Cortellesi, ein Reality, ein Justizfall: Emanuela Fanelli im Jahr 2049
Die Serie ist ein Mockumentary, angesiedelt in einer imaginären Zukunft. Wir befinden uns im Jahr 2049, und Emanuela ist eine Schauspielerin, die in Ungnade gefallen ist. Sie hat Italien und die Schauspielerei verlassen, nachdem sie in einen Justizfall verwickelt wurde, und lebt nun in einem abgelegenen Dorf der Valle d’Aosta mit ihrem Lebensgefährten. Als ein Fernsehteam sie aufsucht, um einen Dokumentarfilm über sie zu drehen, beginnt eine Erzählung, die ihr ganzes Leben und eine Karriere voller Siege, aber auch verschiedener Niederlagen nachzeichnet.
Die Stärke der Selbstironie
Bestehend aus sechs äußerst flüssigen Episoden ist „Sünde“ eine frische Brise in der italienischen Serienwelt und eine so persönliche, aber zugleich so universelle Erzählung, dass sie jeden erreicht. Es ist eine leichte, mitreißende, komische Serie, aber auch tiefer, als man es sich vorstellen kann. Denn am Ende will Emanuela nicht nur unterhalten, sondern uns Anregungen geben, über verschiedene Themen nachzudenken.
Sie macht sich über das Fernsehen, den Trend der Dokumentationen, das Kino, den Journalismus und die Reality-Shows lustig – und das mit großer Intelligenz. Der Verdienst liegt bei einer Autorin mit einem brillanten Verstand und der Fähigkeit, die Welt um sie herum mit Blicken zu lesen, die über das Oberflächliche hinausgehen und dadurch tiefer gehen. Und das alles geschieht durch Ironie.
Vielleicht hätte die Serie insgesamt ein paar Folgen mehr verdient und eine vertiefendere Ausarbeitung der Geschichte und des Charakters. Wenn man sie am Stück anschaut, wirkt sie zu schnell beendet. Aber vielleicht haben wir dieses Gefühl, weil sie so angenehm zu verfolgen ist, dass man mehr davon möchte.
„Sünde“ ist nicht das Fernseh-Meisterwerk des Jahres, aber eine definitiv gut gelungene Serie, die das Können einer Schauspielerin bestätigt, die vielleicht mehr Anerkennung verdient hätte, als ihr bislang zukommt.
Bewertung: 7
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