Kauf dir ein halbes Brot, geh nach Hause und wieg es – es endet völlig schief

11. September 2026

| Lukas Steinberger

Im Breitner-Bäckerladen in Pfaffenhofen an der Ilm, einer Stadt in Bayern, Deutschland, gilt seit mehr als einem halben Jahrhundert dieselbe Praxis: Ein Kunde bestellt ein halbes Laib Brot, der Verkäufer teilt einen ganzen Laib in zwei Hälften und verkauft diese zum halben Preis. Das hat über 66 Jahre hinweg so funktioniert. Und so läuft es auch in einigen italienischen Backwarenläden – eine Art Gewohnheit. Bis ein Kunde seine Hälfte zu Hause abwog und damit ein offizielles Verfahren auslöste, das dem Bäcker schließlich 15.000 Euro kostete.

Die zehn Gramm leichter

Wie die deutsche Tageszeitung Bild berichtete, stellte der Kunde eine Abweichung von rund zehn Gramm gegenüber dem erwarteten Gewicht fest. „Seine halbe Laib Brot war vermutlich zehn Gramm leichter, als es vorgesehen war“, erklärte der 65-jährige Bäckermeister und Konditor Matthias Breitner der Zeitung. Zehn Gramm entsprechen laut seiner Einschätzung weniger als einer halben Brotscheibe. Der Kunde fühlte sich jedoch betrogen und sandte eine anonyme Protestmail.

Die Anzeige des Kunden und die Entscheidung des Bäckers

„Manchmal gewinnt man, manchmal verliert man. Das nächste Mal werden es sicherlich zehn Gramm mehr sein“, war die Antwort des Bäckers. Eine Antwort, die jedoch nicht half, das Problem zu lösen. Der Kunde wandte sich daraufhin an die zuständigen Behörden, die sich mit solchen Konflikten befassen. Das deutsche Eichamt verhängte daraufhin ein Verbot für das Weiterverkaufen von Halbmöglis, die einfach vom ganzen Laib abgeschnitten werden, ohne gewogen zu werden. Zukünftig muss beim Angebot eines Laibs zum Kilopreis die gewünschte Hälfte gewogen und der Preis entsprechend dem tatsächlichen Gewicht berechnet werden. Die Referenznorm ist die Verordnung über vorverpackte Erzeugnisse, die seit 2020 in Kraft ist und zwischen Brot, das bereits geteilt und etikettiert ist, und Brot, das am Verkaufstisch geschnitten wird, unterscheidet.

Der Bäcker hätte die Laibe vorab zerteilen und die Halben entsprechend dem Gewicht verkaufen müssen, doch er lehnte dies ab. „Er möchte nicht dutzende halber Laibe ins Regal stellen, die im Laufe des Tages austrocknen würden“, erklärte er gegenüber Bild. Stattdessen hat er neue Messgeräte für alle Filialen angeschafft, die Gesamtkosten beliefen sich auf 15.000 Euro.

Nun fordern einige Kundinnen und Kunden die Möglichkeit, eine halbe Laibe zu kaufen und darauf schriftlich auf das Recht zu verzichten, sie wiegen zu lassen. Andere Bäcker in der Region, so Breitner, bevorzugen es, nur ganze Laibe zu verkaufen, um Probleme mit dem Eichamt in Bayern zu vermeiden.

 
 
 
 
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Lukas Steinberger

Lukas Steinberger

Ich bin Lukas Steinberger, Redakteur bei AUSTRIA24 TV mit Fokus auf Politik und Gesellschaft. Nach meinem Journalismusstudium in Wien habe ich für verschiedene Medien gearbeitet und mich auf analytische Berichterstattung spezialisiert. Mein Ziel ist es, komplexe Themen verständlich zu machen und die Perspektiven der Menschen sichtbar zu machen.