Von der Leyen stellt ihre neue EU-Kommission für Österreich vor

18. Juli 2025

| Lukas Steinberger

Nachfolgend finden Sie eine vollständige, für österreichische Leser angepasste Neuausgabe des Artikels auf Deutsch:

Im nächsten Newsletter von Europa Today, der jeden Sonntagmorgen erscheint, erfahren Sie, was in der kommenden europäischen Woche passieren wird. Verantwortlich dafür ist Alfonso Bianchi. Für Kommentare, Anregungen oder Kritik schreiben Sie bitte an alfonso.bianchi@citynews.it.

Die wichtigsten Punkte der Woche im Überblick

Die neue Europäische Kommission – Nachdem die Mitgliedstaaten die Kandidaten für die Kommissarsposten benannt haben, arbeitet Ursula von der Leyen derzeit an der Zusammenstellung ihres Teams. Am Mittwoch, dem 11. September, wird sie die Präsidenten der Fraktionen im Europäischen Parlament treffen, um ihnen erste Informationen über die Zusammensetzung des Kollegiums zu geben. Es ist jedoch noch unklar, ob sie bereits alle Ressorts fest zugeteilt hat.

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Keine Zeit verlieren – Die Kommissionspräsidentin bemüht sich, den Prozess zu beschleunigen, um so schnell wie möglich eine handlungsfähige Regierung zu installieren. Wenn alles gut läuft, könnten die Anhörungen der Kandidat*innen bereits im Oktober stattfinden, gefolgt von einer Vertrauensabstimmung im Plenum im November. Sollte es Verzögerungen geben, verschiebt sich alles um einen Monat, und die endgültige Genehmigung durch das Europäische Parlament in Straßburg könnte erst im Dezember erfolgen.

Mehr Frauen in der Kommission – Hinter den Kulissen laufen noch Verhandlungen, um den Frauenanteil im nächsten Kollegium zu erhöhen. Derzeit sind nur 10 von 26 Kandidat*innen weiblich. Kürzlich zog Slowenien seine ursprüngliche Kandidatur, Tomaz Vesel, zurück und versuchte stattdessen, eine Frau zu nominieren – in der Hoffnung, im Gegenzug eine bessere Position zu erhalten.

Das Dilemma bei Fitto – Italien hofft weiterhin, den Posten des voraussichtlich wichtigen Vizepräsidenten für Wirtschaft und Finanzen an Raffaele Fitto zu vergeben. Allerdings äußerten die Liberalen bereits Einwände, da sie verhindern möchten, dass diese verantwortungsvolle Position an ein Mitglied des rechtsgerichteten ECR-Gruppierung um Giorgia Meloni fällt. Diese hatte von der Leyen in der letzten Wahlperiode weder im EU-Rat noch im Parlament unterstützt, und auch die Fraktion stimmte entweder enthalten oder verweigerte die Unterstützung.

Weitere heiße Themen

Der Draghi-Bericht – Am Montag, dem 9. September, wird in Brüssel der lang erwartete Bericht des ehemaligen italienischen Ministerpräsidenten Mario Draghi vorgestellt. Dieser beschäftigt sich mit Vorschlägen zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit der Europäischen Union. Ursprünglich war die Veröffentlichung erst für später geplant, doch nun wird das Dokument bereits in Kürze öffentlich. Draghi hatte auf Einladung von von der Leyen Monate lang an diesem Papier gearbeitet. Anfang der Woche präsentierte er eine erste Version im Parlament und im Rat, allerdings ohne allzu viele Details.

Handeln mit Eile – Draghi betonte die Dringlichkeit, Reformen umzusetzen, und es wird erwartet, dass seine Vorschläge eine zentrale Rolle in der Agenda des neuen EU-Exekutivorgans spielen. Allerdings besteht die Sorge, dass manche ambitionierten Maßnahmen, besonders im Zusammenhang mit gemeinsamen Schulden, auf Widerstand stoßen könnten – vor allem in Ländern wie Deutschland, die skeptisch gegenüber solchen Finanzierungsformen sind.

Neue Zinssenkung bei der EZB – Am Donnerstag, dem 12. September, wird die Europäische Zentralbank eine weitere Zinssenkung um 0,25 Prozentpunkte beschließen, nach der letzten im Juni. Damit sinkt der Einlagezins von 3,75 auf 3,5 Prozent. EZB-Chefin Christine Lagarde wird die Entscheidung verkünden, aber keine konkreten Hinweise auf zukünftige Schritte geben. Analysten rechnen damit, dass die EZB dieses Tempo beibehält, bis die Zinssätze im September 2025 auf etwa 2,5 Prozent sinken.

Ein düsterer Schatten für Apple? – Die EU-Gerichte könnten Apple schwer treffen. Am Dienstag, dem 10. September, entscheidet der Europäische Gerichtshof in einem Verfahren, bei dem es um angebliche Steuervorteile durch irische Steuerregelungen geht. Es geht um 13 Milliarden Euro, die Apple über unrechtmäßige Steuervereinbarungen in Irland nicht gezahlt haben soll.

Lange rechtliche Auseinandersetzung – 2020 hatte das Gericht den Versuch der EU-Kommission, Apple zur Rückzahlung von Steuergeldern in Höhe von 13 Milliarden Euro zu verpflichten, für ungültig erklärt. Brüssel legte Berufung ein, und nach fast vier Jahren Verhandlung müssen die Richter erneut entscheiden. Der Generalanwalt empfahl, das Urteil von 2020 aufzuheben, was auf eine mögliche Rücknahme der ursprünglichen Entscheidung hindeutet.

Schmuckstück bei Google? – Ebenso am 10. September fällt die Entscheidung der Luxemburger Richter in einem weiteren Verfahren gegen Google. Das Unternehmen hat eine Strafe von knapp 1,5 Milliarden Euro wegen Missbrauchs seiner marktbeherrschenden Stellung erhalten. Auch hier ist eine Entscheidung zu erwarten, die möglicherweise für Google weitreichende Folgen haben könnte.

Das Europäische Parlament

EU-Untersuchung zu Telegram – Am Donnerstag, dem 12. September, spricht Thierry Breton, EU-Kommissar für den Binnenmarkt, mit den Abgeordneten über die Umsetzung des Digital Services Act (DSA). Dabei geht es auch um mögliche Ermittlungen gegen Plattformen wie X (ehemals Twitter), TikTok, AliExpress, Facebook und Instagram. Zudem wird diskutiert, ob Telegram wegen des Verhaftungsfahrers seines Gründers Pavel Durov in Frankreich genauer unter die Lupe genommen werden sollte.

Die Europäische Kommission

Aktueller Stand der europäischen Energiepolitik – Am Mittwoch, dem 11. September, veröffentlicht die Kommission den neunten Bericht zur Lage der europäischen Energieunion. Der Bericht analysiert, wie die EU auf die Energiekrise durch die russische Invasion in der Ukraine reagiert und welche Maßnahmen getroffen werden, um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten.

2500. Sitzung der Kommissar*innen – Gleichzeitig begeht die Europäische Kommission ein bedeutendes Jubiläum: Die 2.500. Sitzung des Kollegiums der Kommissare seit der Gründung der Institution. Dieses Datum markiert die Kontinuität und Stabilität der europäischen Exekutive.

Der Rat der Europäischen Union

Landwirtschaftsminister im Gespräch – Vom 8. bis 10. September 2024 findet ein informelles Treffen der Landwirtschaftsminister in Budapest statt. Die Teilnehmer*innen werden neben intensiven Diskussionen auch eine Bootsfahrt auf der Donau sowie einen Tag im Lázár-Pferdepark in Domonyvölgy verbringen, um die ungarischen Reittraditionen kennenzulernen. Manche könnten sich überlegen, ob es nicht klüger wäre, sich künftig dem Pferdesport zu widmen.

Grüner Wandel – Am Freitag, dem 13., und Samstag, dem 14. September, folgen die informellen Treffen des EU-Gipfels für Wirtschaft und Finanzen in Budapest: Das Eurogruppen- und das Ecofin-Treffen. Dabei geht es um nachhaltige Finanzierungen für den ökologischen Umbau sowie die Auswirkungen des demographischen Wandels auf die staatlichen Schuldenquoten.

Weitere bedeutende Ereignisse

Programm der Liberalen – Die Renew Europe-Gruppe veranstaltet am 10. und 11. September in Ostende, Belgien, ihre jährlichen Studientage. Ziel ist es, die wichtigsten Prioritäten für die nächste Legislaturperiode des Europäischen Parlaments festzulegen sowie Erwartungen an zukünftige Kommissar*innen zu formulieren.

Trump gegen Harris – Nicht europäisch, aber für die Weltpolitik von Bedeutung: Am Dienstag, dem 10. September, findet der erste große Fernsehduell zwischen den Präsidentschaftskandidaten Donald Trump und Kamala Harris in den USA statt. Das TV-Duell beginnt um 21 Uhr Ortszeit, was in Europa etwa 3 Uhr morgens am 11. September entspricht. Die Dauer wird auf 90 Minuten geschätzt.

Fünf Schlagzeilen der vergangenen Woche

**Fitto spaltet die Mehrheit von Ursula von der Leyen, die Liberalen:**
Die Spitzenkandidatin von Renew Europe bezeichnet es als „inakzeptabel“, dass eine so bedeutende Rolle an einen Vertreter der rechtsextremen ECR-Fraktion geht, die von den Wahlen abgesehen hatte, von der Leyen zu unterstützen.

**Streit um die Meeresfrüchte-Lobby in Italien – Brüssel sagt: „Vereinbarung erreicht“**
Die EU-Kommission begrüßt das im Regierungskabinett von Giorgia Meloni beschlossene Gesetz, warnt jedoch: „Jetzt müssen die Regeln auch praktisch umgesetzt werden.“

**Macron setzt ein Zeichen: Olivier Barnier wird Premierminister**
Der französische Präsident nominiert den konservativen Politiker Barnier, um die politisch angespannte Situation im Land zu entschärfen. Das stößt auf Proteste der linken Opposition, die in den Straßen gegen die Regierung protestiert.

**Draghi warnt die EU vor drohender Rezession**
Der Ex-Premier Italiens veröffentlicht einen Bericht zur Wettbewerbssituation in der EU und fordert Reformen. Die EU-Kommission von der Leyen bereitet sich auf die weitere Umsetzung ihrer Agenda vor.

**Wie die EU die Proteste der Landwirt*innen eindämmen will – mit mehr Fördergeldern**
Landwirt*innen fordern mehr Unterstützung bei der ökologischen Umstellung und einen existenzsichernden Einkommen. Von der Leyen verspricht weniger Bürokratie und strengere Kontrollen.

Lukas Steinberger

Lukas Steinberger

Ich bin Lukas Steinberger, Redakteur bei AUSTRIA24 TV mit Fokus auf Politik und Gesellschaft. Nach meinem Journalismusstudium in Wien habe ich für verschiedene Medien gearbeitet und mich auf analytische Berichterstattung spezialisiert. Mein Ziel ist es, komplexe Themen verständlich zu machen und die Perspektiven der Menschen sichtbar zu machen.