So wird ein europäisches Projekt Museen in Österreich barrierefrei machen – Mit App und Spiel für alle

18. Juli 2025

| Lukas Steinberger

Ein von der EU gefördertes Projekt arbeitet daran, zugängliche Orte der Kultur für alle Menschen zu schaffen. Dabei handelt es sich um das Projekt Tomato, das für „The Original Museum Available To Overall“ steht. Diese innovative Initiative zielt darauf ab, Barrieren abzubauen, die es Menschen aus benachteiligten Verhältnissen erschweren, Museen und Ausstellungen zu erleben. Insgesamt haben sich acht Museen zusammengeschlossen, um eine spannende Idee umzusetzen: Sie fassen die Essenz ihrer Sammlungen in eine spezielle Box sowie eine App, um die Museumsinhalte direkt an die Haustür der Menschen zu schicken, die sonst kaum die Möglichkeit hätten, sie persönlich zu besuchen.

Die Grundidee von Tomato

„Tomato entstand bei Pleiadi, als wir während der Pandemie darüber nachdachten, wie wir ein Museum bereisen können, ohne Kinder wegzuschicken. Die Idee, ein ‚Museum in einer Schachtel‘ zu haben, entwickelte sich durch unsere Zusammenarbeit mit dem Venetian Cluster, HandsOn! und weiteren europäischen Partnern. Gemeinsam wandelten wir das Konzept in ein hybrides Erlebnis um, das sowohl digital als auch analog ist, gefördert durch die Mittel des Kreativen Europas“, erklärt Alessio Scaboro, wissenschaftlicher und kreativer Leiter von Pleiadi, einem Unternehmen aus Padua, das das Tomato-Projekt umsetzt.

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Gefördert im Rahmen des EU-Programms Kreatives Europa entwickelt Tomato ein Paket inklusive physischer Box und einer App, die es ermöglicht, die teilnehmenden Museen virtuell zu entdecken. Das Programm ist speziell für Kinder aus sozial benachteiligten Verhältnissen gedacht, um ihnen den Zugang zur Kultur zu erleichtern und Barrieren abzubauen.

Physische Barrieren können beispielsweise die für Kinder im Rollstuhl unzugänglichen Gebäude ohne Aufzüge sein. Kognitive Barrieren betreffen Kinder, die zum Beispiel auf dem Autismus-Spektrum sind und in überfüllten Räumen Angst entwickeln. Wirtschaftliche Barrieren sind für Familien real, die zu weit entfernt wohnen, um eine Museumstour zu realisieren. Tomato schlägt eine kostenlose virtuelle Alternative vor: ein spielerisches Paket und eine Smartphone-App.

Unterstützung durch das Europäische Parlament

„Kultur sollte ein Recht und kein Privileg sein. Zu oft bleiben Kinder und Familien mit weniger Chancen am Rand der Kulturlandschaft. Projekte wie Tomato zeigen, dass es möglich ist, Museen kreativ, interaktiv und nachhaltig für alle zugänglich zu machen. Doch dafür bedarf es einer systematischen Herangehensweise: Barrierefreiheit – physisch, digital und finanziell – muss zentraler Bestandteil europäischer Kulturpolitik werden“, fordern die Europaabgeordneten Carolina Morace und Mario Furore von der Fünf-Sterne-Bewegung, Mitglieder des Kulturausschusses des EU-Parlaments.

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„Dass die EU ein Projekt wie Tomato unterstützt, ist doppelt bedeutsam: Einerseits bietet es Kindern mit Behinderungen ein Werkzeug, um Zugang zu einem so lebenswichtigen Bereich wie der Kultur zu erhalten; andererseits zeigt es, wie Europa wirklich mit seinen Bürgerinnen und Bürgern in Kontakt treten kann“, ergänzt die Europaabgeordnete Benedetta Scuderi von den Grünen, ebenfalls Mitglied im Kulturausschuss.

spielerisch Lernen

Das Paket ist im Grunde ein Spielbrett, das das Erlebnis im Museum interaktiv gestaltet. Das ist insbesondere im Kontext von „Hand On“, das eine zentrale Rolle in der modernen Pädagogik spielt, bedeutend. Diese Methode hebt hervor, dass Kinder am besten lernen, indem sie aktiv handeln und Material berühren, statt nur zuzuhören oder Bilder anzuschauen. Gerade bei kleinen Kindern ist diese Art der Interaktion besonders wichtig.

Die Gruppe Pleiadi hat acht spezielle Kits entworfen, jedes angepasst an die Ausstellungen der teilnehmenden Museen: das Esapolis-Museum in Padua, das Museum für Orientale Kunst in Venedig, die Sladovna-Galerie in Písek (Tschechische Republik), das kroatische Istrian Eco-Museum Dignan, sowie die slowenischen Museen Abakkum, Skrateljc und das Museum Casa Tartini, außerdem das Frida & Fred Museum in Graz, Österreich.

Erweiterte Realität

Doch das Kit ist nur der Anfang. Zur Vertiefung der Erfahrung ergänzt eine Smartphone-App – verfügbar auf Android und iOS – immersive Funktionen wie Augmented Reality und virtuelle Rundgänge. Damit wird die Erkundung für Kinder noch spannender. Auch die App ist für jedes Museum individuell gestaltet und bietet Führungen sowie Spiele, die die Ausstellungen in den jeweiligen Landessprachen erklären.

„Mit Tomato bringen wir die Kultur nach Hause: Ein physisches Set, das per Post geliefert wird, und eine App, die das Online-Erlebnis ergänzt. Das Museum wird für die Kleinen kleiner, aber das Erlebnis bleibt groß: Spiele, Herausforderungen und Geschichten, die Kinder dazu einladen, die Identität jedes Museums spielerisch zu entdecken“, so Scaboro.

Gemeinsam mit Pädagoginnen, Spielentwicklern und Kulturvermittlern wurden die ersten tausend Kits entwickelt, verteilt und mit Kindern sowie Schulen getestet. Die Tests waren essenziell, um zu verstehen, wie schnell Kinder die Spiele erfassen, wie viel sie lernen und wo Verbesserungen notwendig sind – etwa bei klareren Anleitungen, widerstandsfähigem Material oder besserer Übersetzung.

Eine Vision für die Zukunft

Während sich das Projekt Tomato dem Ende zuneigt, haben alle Partner den Wunsch geäußert, die Erfahrungen weiter zu pflegen und auszubauen – auch ohne EU-Fördermittel. Es werden neue Partner sowie öffentliche und private Investoren gesucht. Ziel ist es, das Erreichte zu bewahren und auf dieser Grundlage weitere Entwicklungen zu starten.

Für Scaboro sind die nächsten Schritte, „die Museen zu vernetzen, neue, noch bessere Kits zu co-entwickeln – ohne den Spielspaß zu verlieren – und das Feedback unserer kleinen Tester weiterhin ernst zu nehmen, denn sie wissen am besten, wie Tomato wachsen kann“.

Lukas Steinberger

Lukas Steinberger

Ich bin Lukas Steinberger, Redakteur bei AUSTRIA24 TV mit Fokus auf Politik und Gesellschaft. Nach meinem Journalismusstudium in Wien habe ich für verschiedene Medien gearbeitet und mich auf analytische Berichterstattung spezialisiert. Mein Ziel ist es, komplexe Themen verständlich zu machen und die Perspektiven der Menschen sichtbar zu machen.