Ein Ergebnis, das die Erwartungen noch übertrifft und das politische Gleichgewicht in Deutschland zu verändern droht. Die AfD hat die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt klar gewonnen, rund 44 Prozent der Stimmen errungen und damit deutlich mehr als verdoppelt, was sie 2021 mit 20,8 Prozent erreicht hatte.
Ein beispielloses Ergebnis für die Alternative für Deutschland und ein Erdbeben für die CDU von Bundeskanzler Friedrich Merz. Die konservative Partei, die vor fünf Jahren noch 37,1 Prozent erzielt hatte, fällt auf rund 18 Prozent. Auch die SPD kämpft mit dem Taktstock der Niedergeschlagenheit und kommt lediglich auf rund 9 Prozent.
Bemerkenswert macht zudem die hohe Wahlbeteiligung, die sich bei ca. 80 Prozent einpendelt – ein Rekordwert für das Bundesland.
Kann die AfD wirklich regieren?
Dies ist die Frage, die die deutsche Politik seit heute Morgen dominiert. Der Erfolg der AfD ist enorm, doch könnte er nicht ausreichen, Ulrich Siegmund die Führung von Sachsen-Anhalt zu übertragen.
Die Projektionen sehen der Partei nämlich rund 39 Sitze in einem 83 Sitze umfassenden Landtag zu: eine bislang nie dagewesene Stärke, aber noch unterhalb der absoluten Mehrheit.
Es wird also entscheidend, was die anderen Parteien tun. CDU, SPD, Grüne und Die Linke schließen weiterhin Abkommen mit der AfD über die sogenannte Brandmauer, die von der deutschen Politik aufgebaut wurde, um zu verhindern, dass die extreme Rechte an die Regierung kommt.
Die Variable ist die BSW, die von Sahra Wagenknecht gegründete Partei, die exakt um die Fünf-Prozent-Hürde pendelt. Die BSW hat Kooperationen mit der AfD bei einzelnen Maßnahmen nicht ausgeschlossen, ohne bislang eine explizite Bereitschaft zur Bildung einer gemeinsamen Regierung zu signalisieren. Sollte es Siegmund gelingen, die nötigen Zahlen zu finden, würde sich dennoch ein historisches Szenario eröffnen: Die AfD würde erstmals die Führung eines deutschen Bundeslandes übernehmen.
„Wir haben Geschichte geschrieben“, erklärte Siegmund nach der Wahl. Für Alice Weidel bedeutet das Ergebnis jedoch einen klaren Auftrag zu regieren. Das Problem bleibt, mit wem.
Der Absturz der CDU ist ein Problem für Merz
Das politisch schwerwiegendere Ergebnis für Berlin könnte jedoch der der CDU sein. Im Jahr 2021 hatte die Partei 37,1 Prozent erreicht. Jetzt hat sie rund die Hälfte ihrer Zustimmung verloren.
Rückführung, Bürgerwehren und getrennte Klassen für Behinderte: Der Plan der AfD für Deutschland
Das ist eine Niederlage, die unweigerlich Bundeskanzler Friedrich Merz trifft. Die Regionalwahl nimmt tatsächlich eine nationale Dimension an: Die AfD ist nicht mehr nur eine Protestbewegung aus dem ostdeutschen Raum, sondern ein immer direkterer Konkurrent der Christdemokraten.
Salvini feiert, Tajani: „Schlechte Nachricht“
Das deutsche Erdbeben schlägt sofort auch in Italien durch und teilt die Regierung. Matteo Salvini feiert offen: „Glückwünsche an unsere Freundin Alice Weidel und an die gesamte AfD zum Triumph in Sachsen-Anhalt. Ein beachtlicher Erfolg, der den starken Wunsch nach Veränderung, Sicherheit und Arbeit deutlich macht.“ Für den Lega-Führer ist die Botschaft aus den Urnen eindeutig: „Ein anderes Europa ist möglich“.
Auch Roberto Vannacci jubelt. „Europa verändert sich“, schrieb der Führer von Futuro National und kommentierte das Ergebnis der AfD. Dann folgt der Seitenhieb gegen den deutschen Kanzler: „Merz hat ein Geschwür“. Und die Schlusszeile: „Kein Schlaf“.
Eine diametral andere Haltung zeigt der andere Vizepremier, Antonio Tajani. Für den Außenminister ist die Äußerung der AfD „eine schlechte Nachricht“, weil sie eine politische Kraft betrifft, die den liberalen und westlichen Werten widerspricht, zu denen sich Forza Italia bekennt. Tajani ruft daher die europäischen Kräfte auf, politische Initiativen zu ergreifen, damit jene, die er als eine „populistische und fanatische Abdrift“ bezeichnet, sich nicht auf ganz Europa ausbreiten kann.