Der neue Film von Nanni Moretti wird nur eine bestimmte Sorte Romantiker ansprechen
Der Film heißt „Succederà questa notte“ und Jasmine Trinca sowie Louis Garrel übernehmen die Rollen einer Frau und eines Mannes, die sich auf den ersten Blick ineinander verlieben. Doch Vorsicht: Der neue Film von Nanni Moretti, der ab dem 3. Dezember in Italienischen Kinos mit 01 Distribution läuft, wird nicht jedem gefallen. Er wird vor allem das Herz der Fans des Regisseurs höherschlagen lassen – genauer gesagt eine bestimmte Art von Romantikerinnen und Romantikern.
Moretti befindet sich mit seinem neuesten Werk, das er selbst als „anders als alle anderen“ bezeichnet, im Wettbewerb von Venezia 83. Er erzählt von Liebe, aber nicht nur davon. Im Mittelpunkt stehen Beziehungsgefüge im weiteren Sinn: jene zwischen Eltern und Kindern, jene in Freundschaften, jene zwischen Liebenden und jene zwischen Ehemann und Ehefrau. Der Film ist schließlich inspiriert von der Erzählband „Legami“ des israelischen Autors Eshkol Nevo, dem gleichen Autor, von dem auch der Film „Tre piani“ aus dem Jahr 2021 stammt.
Com’è Ink, il film che ha aperto Venezia 83
Das Treffen auf dem Tennisplatz, die Liebe auf den ersten Blick – und dann…
Alles beginnt mit einer zufälligen Begegnung auf einem Tennisplatz. Sie trägt am Tag ihrer Hochzeit ein Brautkleid und er trainiert gemeinsam mit seinem Bruder. Sie schauen sich an, tauschen ein paar Bälle aus – und es entsteht Liebe auf den ersten Blick. Sie aber heiratet bald einen anderen Mann und er findet nicht den Mut, die Trauung zu verhindern.
Neben den Jahren treffen sie sich wieder, ebenfalls zufällig. Die angestachelte Spannung, die nie wirklich explodierte, führt zu einer heimlichen Affäre. Jetzt ist auch er verheiratet. Doch kann diese so leidenschaftliche und starke Bindung eines Tages auch öffentlich Bestand haben?
I film più attesi di Venezia 83
Ein wenig „La La Land“, ein wenig Rom-Com der 90er Jahre, ein wenig italienische Komödie. Doch es gelingt nicht.
In diesem Film rückt neben der Liebe auch die Musik in den Mittelpunkt der Erzählung. Einige Szenen wurden tatsächlich während eines Bruce-Springsteen-Konzerts gedreht – eine bislang ungeahnte Erfahrung, die der Regisseur, so erzählte er selbst, mit einem beachtlichen finanziellen Aufwand realisierte. Und es gibt Choreografien, die an Filme wie „La La Land“ erinnern, doch sie erreichen nicht die Kraft des Films von Damien Chazelle.
Doch diese musikalische Geschichte von der Liebe auf den ersten Blick, die stärker wird als eine im Alltag gewachsene familiäre Bindung, wirkt glaubwürdig nur für jene, die Beziehungen als reinen Leidenschaftsausbruch begreifen und nichts weiter.
Hier teilt der Film die Geister. Denn „Succederà questa notte“ wirkt fast wie eine Hymne auf den Betrug, und aus dieser Perspektive vermittelt er keine besonders schöne Botschaft.
Es ist kein Ensemblefilm, wirkt aber so. Es besitzt keine einzige durchgehende Handlung, sondern vereint mehrere Geschichten durch verschiedene Zeitsprünge, die das Seherlebnis fragmentieren. Am Ende ist es eine Summe von Themen, Impulsen, Figuren und Erzählungen, die nicht ausreichend vertieft, sondern nur berührt und dann ziehen gelassen werden.
Und es ist bedauerlich, denn die Vorzeichen waren vorhanden.
Erwartet kein Meisterwerk aus dem neuen Film von Nanni Moretti, besonders wenn Sie davon überzeugt sind, dass Liebe in kleinen, tiefgründigen und auch etwas langatmigen Alltagsgesten liegt und nicht in einem Blickwechsel oder in einer heimlichen Affäre.
Vorgeschlagen: Bewertung 5
Com’è “La città dei vivi”, der Film über den Fall Luca Varani, der Venedig bewegt hat
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