Mit einem Lächeln von 32 Zähnen, einer Social-Media-Maschine mit über 600.000 Followern, einem legeren Image, das zwischen einem Bierchen und einer Motorradtour pendelt, pendelt er zwischen zwei Spitznamen: „der gefährlichste Mann Deutschlands“ und „der rechte Robin Hood“. Ulrich Siegmund ist zweifellos das zentrale Gesicht des AfD-Triumphs bei den Wahlen in Sachsen-Anhalt, wo die neuesten Projektionen die Partei bei 44 Prozent sehen. Wenn der 35-Jährige es schaffen würde, das Amt des Ministerpräsidenten der Region zu übernehmen, wäre er der Jüngste aller Zeiten und zudem der erste Vertreter einer rechtsextremen Partei, der seit dem Zweiten Weltkrieg eine Spitzenposition innehat. Und das alles, während die AfD in Umfragen boomen: In zwei Wochen wird auch in Mecklenburg-Vorpommern gewählt, wo die Alternative für Deutschland voraussichtlich zwischen 35 und 37 Prozent der Stimmen erreichen könnte – fast das Doppelte dessen, was sie 2021 erhielt.
Wer ist Ulrich Siegmund
Ulrich Siegmund wurde am 25. Oktober 1990 in Magdeburg geboren, genau im Jahr der deutschen Wiedervereinigung. Aufgewachsen in Sachsen-Anhalt, hat er nicht den konventionellen Weg politisch Berufstätiger eingeschlagen. Als Jugendlicher verdiente er seinen Lebensunterhalt als Kellner und Bauarbeiter, bevor er eine Ausbildung zum Exportkaufmann begann. Anschließend absolvierte er ein Fernstudium in Psychologie und Betriebswirtschaft in Hamburg und gründete später ein Handelsunternehmen im Bereich Parfum und Raumduft.
Der Einstieg in die Politik kam zunächst über die CDU, bevor er 2014 zur AfD wechselte, damals eine noch junge Formation, hervorgegangen aus dem Protest gegen die Europapolitik. Im Jahr 2016, erst 25 Jahre alt, zog Siegmund in das Landtagsparlament ein und begann eine rasante Aufstiegskarriere. 2022 wurde er Co-Vorsitzender der Landtagsfraktion in Magdeburg und am 20. Mai 2025 wurde er zum Spitzenkandidaten (Spitzenkandidat) für die Landtagswahlen gewählt, mit über 98 Prozent interner Zustimmung.
Der rechte Robin Hood
Trotz des mehr als dreieinhalb Jahrzehnte zurückliegenden Mauerfalls bedrücken Ostdeutschland auch heute noch wirtschaftliche und soziale Unterschiede zum Westen. An diesem „Knopf“ hat Siegmund seine politische Strategie ausgerichtet: Er nutzt die Unzufriedenheit der Bevölkerung der ehemaligen DDR und deren Gefühl, von anderen Parteien im Stich gelassen zu werden. Die Schriftstellerin Jana Hensel hat ihn als eine Art „rechten Robin Hood“ beschrieben – eine informal Figur, in der sich viele Bewohner Sachsen-Anhalts wiedererkennen und mit der sie das Gefühl haben, dieselbe Sprache zu sprechen.
Siegmund tritt den Wählern gegenüber in Polohemden oder Hemd mit Jeans auf, organisiert informelle Treffen auf Plätzen, Familienfeste und Motorradtouren. Ein Ansatz, der weit von den alten Stereotypen der Extremrechten entfernt ist, mit dem der 35-Jährige es geschafft hat, bei einem Teil der Wähler die „Bauchlage“ zu erreichen. Seine Erzählung ist beruhigend und in den Umgangsformen moderat, sie setzt auf den einfachen „gesunden Menschenverstand“, um die aktuelle deutsche Handhabung von Einwanderung, Energie und Medien zu verbessern. Eine einfache Strategie, die es ihm ermöglicht hat, die allgemeine Unzufriedenheit zu kapitalisieren und daraus Wählerstimmen zu gewinnen.
Die Social-Media-Strategie
Im Zeitalter der sozialen Medien gehört auch Siegmunds Aufstieg zu den zentralen Elementen einer digitalen Kommunikation, die sich den neuen Plattformen anpasst. Mit etwa 660.000 Followern auf TikTok veröffentlicht Siegmund Wahlvideos, die bis ins Detail kuratiert sind, in denen er immer „positiv“ und lächelnd erscheint, ohne den Inhalt seines politischen Programms im Detail zu erläutern. Ein Verhalten, das ihm auch hilft, die Angriffe zu überlisten, die ihn als „gefährlichsten Mann Deutschlands“ bezeichnen – wie es das Magazin Der Spiegel formulierte, das ihm im vergangenen August eine Titelseite gewidmet hat. Statt sich davon verunsichern zu lassen, haben Siegmund und seine Anhänger den Angriff in eine Quelle des Stolzes verwandelt, so dass der Kandidat begonnen hat, Exemplare der Zeitschrift bei seinen Kundgebungen zu signieren und zu verteilen.
Die harte Linie gegenüber Migranten
Doch hinter diesem ruhigen und freundlichen Auftreten verbirgt sich eine strenge politische Linie. Siegmund befürwortet eindeutig Remigration und weitere zentrale Punkte des AfD-Programms, in dem umstrittene Maßnahmen enthalten sind, die Schulen, den öffentlich-rechtlichen Rundfunk und Nichtregierungsorganisationen betreffen. Zu Jahresbeginn wurde der 35-Jährige auch von einem Skandal der Vetternwirtschaft getroffen: Nach Berichten der Medien soll sein Vater mehr als 7.500 Euro monatlich als Parlamentarierhelfer eines AfD-Kollegen erhalten haben. Siegmund wies die Kritik zurück und erklärte, die Partei könne sich nur auf vertrauenswürdige Personen verlassen – eine Begründung, die anscheinend seine Wählerbasis nicht erschüttert hat.
Im Gegenteil: Seine harte Haltung gegenüber Migranten hat sogar Unterstützung von einem ehemaligen ICE-Kommandanten erhalten, Gregory Bovino, der Ulrich Siegmund in einem X-Beitrag „viel Glück“ wünschte: „Give them hell on Sunday“ – übersetzt so viel wie „Macht ihnen am Sonntag ordentlich Feuer“.

Abseits der Scheinwerfer lebt Siegmund mit seiner Frau Julia und ihrer Tochter in der Kleinstadt Tangermünde, am Elbufer gelegen. In seiner Freizeit widmet er sich der Körperpflege im Fitnessstudio und hegt ein ungewöhnliches Hobby: das Aufspüren metallischer Gegenstände im Boden mit der Hilfe eines Metalldetektors.