Sind Kunstrasenplätze gesundheitsschädlich? Giftstoffe und neue Verbote stehen bevor

15. Januar 2026

| Lukas Steinberger

Der Einfluss von Reifen auf die menschliche Gesundheit und die Umwelt ist enorm. Wenn sich Gummi abnutzt, setzen die Reifen große Mengen Mikroplastik und schädliche Chemikalien frei, die sich im Boden, in Flüssen, Meeren und schließlich in unserem Körper ansammeln. Sogar das Recycling stößt an seine Grenzen: Das aus dem Zerkleinern alter Reifen gewonnene Gummigranulat – seit Jahrzehnten als Absorptionsmaterial auf Kunstrasenplätzen, Leichtathletikbahnen und Spielplätzen verwendet – ist keineswegs inert. Im Gegenteil, unter Sonneneinstrahlung und Witterung setzt es giftige Substanzen frei. Das belegt eine Studie der Northeastern University, die kürzlich in Environmental Science & Technology veröffentlicht wurde.

Der Abbauprozess

Zuvor hatte das von dem Chemiker Zhenyu Tian geleitete Team bereits einige Zwischenprodukte des Gummi-Abbaus identifiziert. Ein Beispiel ist die Reaktion, die 6PPD (ein Antioxidans, das die Lebensdauer der Reifen erhöht) in 6PPD-Quinon umwandelt, bedingt durch Kontakt mit atmosphärischem Ozongas. Diese Substanz ist für manche Arten extrem tödlich, beispielsweise für den Silberlachs (Oncorhynchus kisutch); dort wirken schon Konzentrationen von weniger als einem Mikrogramm pro Liter Wasser tödlich. Es wurde gezeigt, dass in Flüssen, die mit 6PPD-Quinon verunreinigt sind – das sich auf dem Asphalt absetzt und durch Regen in das Grundwasser getragen wird – bis zu 90% der Exemplare das Erwachsenenalter nicht erreichen.

Obwohl die Auswirkungen auf die menschliche Physiologie noch unklar sind, hob die Studie das Vorhandensein weiterer Stoffe hervor, deren Gefährlichkeit bereits bekannt ist.

Um den realen Verschleiß zu simulieren, nutzten die Forscher einen Photoreaktor und setzten das Gummigranulat intensiver Sonnenstrahlung aus. Das Experiment ermöglichte die Identifizierung von über 570 neuen chemischen Substanzen, die aus der Wechselwirkung von Licht und Gummi entstehen. Unter ihnen ragen zwei besonders beunruhigende Substanzen hervor: 4-HDPA, ein endokriner Disruptor, dem ein erhöhtes Brustkrebsrisiko zugeschrieben wird, und 1,3-DMBA, eine Substanz mit stimulierenden Effekten, ähnlich Amphetaminen.

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Neue Regeln kommen

Diese Ergebnisse beweisen noch kein konkretes unmittelbar vorhandenes Risiko für den Menschen, bestätigen aber die Notwendigkeit, die Langzeitwirkungen solcher Emissionen gründlich zu untersuchen. Die Europäische Union überwacht dieses Material bereits seit geraumer Zeit wegen seiner Rolle als Quelle von Mikroplastik: Die REACH-Verordnung hat dessen Verbot bereits genehmigt, mit dem Ziel, das Gummigranulat von Sportanlagen bis 2031 zu verbannen.

Lukas Steinberger

Lukas Steinberger

Ich bin Lukas Steinberger, Redakteur bei AUSTRIA24 TV mit Fokus auf Politik und Gesellschaft. Nach meinem Journalismusstudium in Wien habe ich für verschiedene Medien gearbeitet und mich auf analytische Berichterstattung spezialisiert. Mein Ziel ist es, komplexe Themen verständlich zu machen und die Perspektiven der Menschen sichtbar zu machen.