Der Mangel an elektronischen Bauteilen macht sich langsam in der deutschen Automobilindustrie bemerkbar. Am kommenden Mittwoch, dem 29. Oktober, dürfte Volkswagen die Produktion des Golf im traditionsreichen Werk Wolfsburg stilllegen, während laut der Tageszeitung Bild die Stilllegung um einige Tage verschoben werden könnte, sollten die Lagerbestände an Halbleitern ausreichend sein. Anschließend könnte auch eine Unterbrechung der Tiguan-Produktion erwogen werden.
So könnten die Produktionsstopps auch weitere Marken betreffen
Auch Bild zufolge soll am selben Tag in der Zwickau-Fabrik mit einer schrittweisen Reduzierung der Aktivitäten begonnen werden, wobei sich nicht nur die Hauptmarke Volkswagen, sondern auch die Produktionslinien von Audi, Seat/Cupra und weiteren Marken des Konzerns allmählich beteiligen könnten.
Derzeit hat der Autobauer noch keine offizielle Mitteilung veröffentlicht, bestätigte jedoch, in Kontakt mit allen beteiligten Akteuren zu stehen, um mögliche Risiken rechtzeitig zu erkennen und Entscheidungen über die zu ergreifenden Maßnahmen treffen zu können. In einem an die Belegschaft gerichteten Schreiben schloss das Unternehmen jedoch nicht aus, die Produktion in den kommenden Tagen vorübergehend zu unterbrechen.
Was hat die Verstaatlichung von Nexperia damit zu tun
Die Schwierigkeiten von Volkswagen fügen sich in einen breiteren Kontext ein, der mit der Blockade von Halbleiterlieferungen von Nexperia zusammenhängt, einem niederländischen Unternehmen, das seit 2018 von einer chinesischen Gruppe kontrolliert wird, wie wir bereits hier erläutert hatten. In der vergangenen Woche hat die Regierung der Niederlande die Kontrolle über das Unternehmen aus Gründen der nationalen Sicherheit übernommen, was China zu einer Reaktion veranlasste und Nexperia daran hinderte, Komponenten aus China nach Europa zu exportieren.
Volkswagen kauft zwar nicht direkt von Nexperia, doch mehrere Lieferanten des Konzerns verwenden Chips des niederländischen Unternehmens, das sich in wenigen Jahren zu einem zentralen Knotenpunkt der europäischen Lieferkette entwickelt hat.
Nach Angaben der Wirtschaftszeitung Handelsblatt stammen rund 49% der im europäischen Automobilbau verwendeten elektronischen Bauteile (Dioden, Transistoren, Spannungsregler und andere Mikrochips) von Nexperia. Die Abhängigkeit wächst zudem in anderen Bereichen: 95% im Maschinenbau und 86% in der Medizintechnik.
Warum die Krise die gesamte Branche betreffen könnte
Die Krise droht sich somit über das Umfeld von Wolfsburg hinaus auszubreiten. Auch Mercedes-Benz hat seine Besorgnis über die aktuelle Lage geäußert, ohne jedoch verlässliche Prognosen geben zu können.
Für Hildegard Müller, Präsidentin des VDA, dem mächtigen Verband der deutschen Automobilindustrie, bedeutet dies, dass „wenn die Unterbrechung der Nexperia-Chiplieferungen nicht bald behoben werden kann, die Situation in naher Zukunft zu erheblichen Produktionsbeschränkungen führen könnte, wenn nicht gar zu einer Stilllegung der Produktion selbst“.
Branchenquellen berichten, dass am Abend des Mittwochs Gespräche zwischen Vertretern der Automobilbranche und dem deutschen Wirtschaftsministerium stattgefunden haben, um gemeinsam eine Lösung zu finden.