Macron antwortet Trump: „Wir wurden nie um Rat gefragt und beteiligen uns nicht am Krieg“

12. April 2026

| Lukas Steinberger

„Frankreich gehört nicht zum Krieg gegen den Iran und wurde vor dem Start der Militäroperationen durch die USA und Israel nie konsultiert“, erklärte Präsident Emmanuel Macron während eines offiziellen Besuchs in Tokio in einem Interview mit dem japanischen Sender NHK.

Die Kontroverse um direkte Militärflüge nach Israel

Diese Äußerungen fallen vor dem Hintergrund der diplomatischen Spannungen mit Donald Trump, der Paris vorwarf, sich wenig kooperativ zu verhalten, insbesondere wegen der Entscheidung, Überflüge durch französisches Territorium von militärischen Flugzeugen nach Israel nicht zu genehmigen.

„Es ist absolut wahr, dass Frankreich nicht konsultiert wurde und sich nicht an dieser militärischen Offensive beteiligt.“ Macron betonte außerdem, dass Frankreichs Haltung seit dem ersten Tag des Konflikts unverändert geblieben ist. Eine klare Distanzierung, die die eigenständige Linie des Élysée gegenüber der gemeinsamen Initiative von Washington und Tel Aviv gegen Teheran bestätigt.

Die Äußerungen des französischen Präsidenten folgen dem Vorstoß Trumps, Frankreich als „sehr wenig kooperativ“ zu bezeichnen, weil es dem Durchflug von amerikanischen Flugzeugen mit Ausrüstung für Israel den Luftraum verweigert habe. Frankreich verteidigte diese Entscheidung als kohärent mit seiner Haltung der Nichtbeteiligung am Konflikt.

Aus dem Élysée hieß es bereits kurz nach den Vorwürfen, man sei überrascht von den Worten des US-Präsidenten und betonte, dass Frankreichs Linie seit Beginn der Feindseligkeiten unverändert geblieben sei.

Macrons Appell: „Ein kooperatives Rahmenwerk schaffen“

Im Verlauf des Interviews hob Macron erneut die Notwendigkeit hervor, die militärische Eskalation zu stoppen und den diplomatischen Dialog wieder aufzunehmen. „Nichts wäre schlimmer, als die Region wochenlang zu bombardieren und sie danach ohne ein stabiles Rahmenwerk zu überlassen“, erklärte er, und machte deutlich, dass Verhandlungen der einzige Weg seien, die Ursachen der Krise zu adressieren.

Der französische Präsident betonte die Notwendigkeit eines „anspruchsvollen Kooperationsrahmenwerks“, um eine weitere Verschlechterung der Lage im Nahen Osten zu verhindern.

Unter den kritischsten Punkten hob Macron auch die Situation im Hormuzstrassenkorridor hervor, einem strategischen Knotenpunkt des globalen Ölhandels, der derzeit durch die iranische Reaktion auf die Militäroperationen belastet ist.

Die faktische Sperrung des Schiffsverkehrs durch die Straße hat bereits Auswirkungen auf die Volkswirtschaften vieler Länder, insbesondere jener, die stark von Ölimporten aus dem Nahen Osten abhängig sind, wie Japan.

In diesem Kontext eröffnete Macron die Möglichkeit einer internationalen Initiative zur Gewährleistung der Sicherheit der Schifffahrt. Dabei sollten Frankreich und Japan nicht allein bleiben, sondern weitere europäische, asiatische und mittelöstliche Länder eingebunden werden.

Ein solcher Einsatz, so erläuterte er, habe keine militärische Natur: „Wir können beitragen, weil wir kein Teil dieses Krieges sind.“ Diese Linie zielt darauf ab, Paris eine Vermittlerrolle zuzuweisen, um eine Ausweitung des Konflikts zu verhindern und die globalen Folgen der Krise einzudämmen.

Lukas Steinberger

Lukas Steinberger

Ich bin Lukas Steinberger, Redakteur bei AUSTRIA24 TV mit Fokus auf Politik und Gesellschaft. Nach meinem Journalismusstudium in Wien habe ich für verschiedene Medien gearbeitet und mich auf analytische Berichterstattung spezialisiert. Mein Ziel ist es, komplexe Themen verständlich zu machen und die Perspektiven der Menschen sichtbar zu machen.