Der ehemalige spanische Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero steht im Mittelpunkt einer neuen staatsanwaltschaftlichen Untersuchung, nachdem ein Gutachten den Wert von Schmuck und Luxusgütern, die in der Tresorkassette seines Büros bei einer Durchsuchung am 19. Mai gefunden wurden, auf über 1,3 Millionen Euro geschätzt hat.
Die Ermittlungen wegen Steuerhinterziehung und Schmuggel
Neu ist nicht der Fund des Schmucks, der seit Wochen bekannt war, sondern die Entscheidung des Richters der Audiencia Nacional, José Luis Calama, ein separates Aktenzeichen zu eröffnen, um die mögliche Existenz von Steuerdelikten und Schmuggel zu prüfen. Nach dem Richter fehle zum jetzigen Zeitpunkt eine ausreichende Dokumentation, um die Herkunft der Güter sowie die ordnungsgemäße Erfüllung der steuerlichen und zollrechtlichen Pflichten beim Erwerb oder Besitz nachzuweisen.
Die Schmuckstücke, darunter Halsketten, Armbänder, Ringe und Uhren, wurden insgesamt auf 1.323.915 Euro geschätzt.
In dem die neue Untersuchung anordnenden Beschluss stellt der Richter fest, dass der Besitz von Luxusgütern von solch hohem Wert ohne eine klare steuerliche Nachverfolgbarkeit einen Hinweis auf Steuerhinterziehung darstellen könnte. Die Ermittler prüfen zudem, ob für einige Gegenstände etwaige zollrechtliche Verpflichtungen ordnungsgemäß erfüllt worden sind.
Die Reaktion des ehemaligen Premierministers
Zapatero weist jedoch jegliche Anklage zurück. Ein Sprecher erklärte, dass ein Teil des Schmucks aus Erbschaften des ehemaligen Premiers und seiner Ehefrau stammen würde, während andere während Auslandsreisen gekauft worden seien. Derselbe Sprecher entschuldigte sich, nachdem er zunächst einen deutlich niedrigeren Wert der Güter angegeben hatte, zwischen 30.000 und 50.000 Euro.
Der ehemalige sozialistische Führer, der Spanien von 2004 bis 2011 geführt hat, wird in den kommenden Tagen vor dem Richter erscheinen müssen und hat bereits seine Bereitschaft angekündigt, Klarstellungen zu geben, und betont, dass er stets im Rechtsrahmen gehandelt habe.
Die neue Untersuchung reiht sich in die bereits laufenden Ermittlungen zum umstrittenen öffentlichen Rettungsakt des Luftfahrtunternehmens Plus Ultra während der Pandemie ein. In diesem Verfahren wird Zapatero eine Rolle als Vermittler und Einflussnehmer zugunsten des Unternehmens vorgeworfen, was er stets zurückgewiesen hat und sich als vollkommen unschuldig in Bezug auf die Entscheidungen in diesem Fall bezeichnet.