Gewalt gegen Männer gibt es nicht: Sie leiden still und schweigen

6. Juli 2025

| Lukas Steinberger

Die angebliche Abwesenheit von Gewalt gegen Männer: Sie sollen schweigen und leiden

Hin und wieder versucht ein paar getriebene Seelen, das Thema der männlichen Opfer von Gewalt anzusprechen. Man denkt sich, wir entwickeln uns, man redet viel über Gleichheit, die Zeit müsste doch reif sein. Doch stets stößt man auf Widerstand. So geschah es auch bei Chiara Del Guerra, der Gleichstellungsbeauftragten des Stadtbezirks VI in Rom, die eine Beratungsstelle für misshandelte Männer eingerichtet hat. Sie hat richtig gesagt, Gleichberechtigung gilt für alle, nicht nur für Frauen.

Diese Aussage erscheint logisch und sollte für die meisten Menschen naheliegend sein: Frauen haben ihre eigenen Anlaufstellen (was richtig ist), also sollten auch für Männer solche geschaffen werden. Doch, wie wir wissen, herrscht in manchen feministischen Kreisen, oder sogenannten solchen, eine eklatante Logik- und Respektlosigkeit. Man sieht Männer, die Leid und Schwierigkeiten haben, nicht als solche an – warum auch? Sie sind ja, so die irrige Annahme, Privilegierte des Patriarchats, das wissen wir.

Die üblichen empörten und verbissenen Reaktionen

Angesichts dieser mutigen Initiative von Del Guerra erntet man nur Empörung und Angriffslärm – nicht nur seitens der Gleichstellungspolitiker im Rathaus, sondern sogar von der Senatorin Valente und den schon bekannten feministischen Organisationen in Rom. Diese Organisationen haben schon mehrfach nicht nur die Schaffung von Angeboten für Männer behindert, sondern bereits die Idee selbst, darüber sprechen zu dürfen. Die Vorwürfe gleichen sich mehr oder weniger: Es ist eine Täuschung, von männlicher Misshandlung zu sprechen, denn solche Misshandlungen gibt es laut ihrer Ansicht nicht, sie seien ein Widerspruch an sich. Und natürlich, sie existieren nicht – wir ignorieren sie nur.

Zudem gilt die Behauptung, dass ein misshandelter und gedemütigter Mann kein Gehör finden sollte, da dies die eigentliche Patriarchatskritik untergräbt und den begonnenen Erfolg dieser Bewegung gefährdet. Wollen wir wirklich den Frauen ihre Errungenschaften streitig machen? Nein. Deshalb ist das Beratungsangebot keine Konkurrenz, sondern eine Ergänzung, die niemandem etwas wegnehmen soll.

Die Frauen können nur Opfer sein

Weiterhin behaupten die Gegner, dass geschlechtsspezifische Gewalt sich ausschließlich gegen Frauen richtet. Es sei vollkommen inakzeptabel, die Rollen zu tauschen – denn das würde unsere gesamtheitliche Weltsicht, die wir hart erarbeitet haben, infrage stellen. Wenn Männer jetzt ebenfalls gewalttätig sein dürften und Frauen nur noch Opferrollen innehätten, was würde aus unseren kulturellen Veranstaltungen, unseren Büchern und unseren Fördergeldern werden?

Abschließend ist es falsch, zu glauben, dass bei Trennungen Frauen immer die schlechteren Karten hätten. Nachweislich sind Mütter oftmals eher zu psychischer Gewalt geneigt, manchmal versuchen sie, die Kinder vom Vater zu entfremden, indem sie den Kontakt einschränken. Entfremdung? Seht, dass die sogenannte Elternalienierung keine anerkannte Erkrankung ist. Wenn das so wäre, würde sie ja eine syndromeartige Störung darstellen – was sie jedoch nicht tut. Nur weil manipulative Verhaltensweisen nicht in der medizinischen Literatur stehen, heißt das nicht, dass sie nicht existieren. Und falls sie existieren, kann man kaum behaupten, dass Frauen solche Taktiken ausüben.

Warum dieser enorme Widerstand?

Fest steht, dass Chiara Del Guerra sich nicht durch die empörten Kommentare entmutigen lässt, sondern klar bekräftigt, dass ihre Abteilung genau dazu da ist, gleiche Rechte, gleiche Anerkennung und gleiche Chancen für beide Geschlechter zu schaffen. Die wichtigste Frage bleibt: Warum stört es so sehr, wenn einem Mann Hilfe angeboten wird? Warum ist es so problematisch, dass Männer ihre Leiden anerkennen, Missbrauch erkennen und sich Hilfe holen können? Wie kann man behaupten, sich für Gleichheit einzusetzen, wenn man gleichzeitig das Wohl der Hälfte der Bevölkerung so vehement blockiert?

Die Antwort liegt auf der Hand. Es ist an der Zeit, dass auch diese offenkundig nackte Wahrheit offen ausgesprochen wird: Es geht um Gleichberechtigung für alle, und das bedeutet, auch den Männern gleiche Aufmerksamkeit zu schenken. Denn nur so kann echte Humanität verwirklicht werden. Es ist ein Skandal, dass so viel Widerstand gegen das einfache Prinzip besteht, Menschen in Not zu helfen – egal ob Mann oder Frau. Es ist Zeit, dass diese offensichtliche Realität von noch mehr Menschen erkannt wird und öffentlich sichtbar gemacht wird.

Lukas Steinberger

Lukas Steinberger

Ich bin Lukas Steinberger, Redakteur bei AUSTRIA24 TV mit Fokus auf Politik und Gesellschaft. Nach meinem Journalismusstudium in Wien habe ich für verschiedene Medien gearbeitet und mich auf analytische Berichterstattung spezialisiert. Mein Ziel ist es, komplexe Themen verständlich zu machen und die Perspektiven der Menschen sichtbar zu machen.