Wahrscheinlichkeit einer Zinsanpassung steigt: Cipollone (EZB) kündigt an – Hypotheken kosten in Österreich künftig 22 Euro mehr pro Monat

24. Mai 2026

| Lukas Steinberger

Die EZB bereitet sich darauf vor, die Zinssätze zu verändern. Das ist zwar keine Gewissheit, doch die Kursentwicklung hin zu einer Maßnahme aus Frankfurt ist deutlich im Aufwind. In einer Rede beim Festival für nachhaltige Entwicklung 2026 in Mailand erläuterte Piero Cipollone, Mitglied des Exekutivrats der Zentralbank, dass „die aktuelle Situation sich von unseren Basisprognosen aus März zu unterscheiden scheint“ und deshalb „die Wahrscheinlichkeit steigt, dass wir unsere Zinssätze anpassen müssen“. Ziel ist es, die Inflation einzudämmen, die durch die hohen Kraftstoffpreise ausgelöst wird. Der Nebeneffekt wird darin bestehen, das ohnehin nicht besonders begeisternde Wachstum abzubremsen.

Was sagte Cipollone (EZB)

„Der Krieg im Nahen Osten hat zu einem deutlichen Anstieg der Energiepreise geführt — sagte Cipollone —, wodurch die Inflation nach oben getrieben und das Vertrauen in die Wirtschaft belastet wurde. Die Auswirkungen des Krieges auf Inflation und wirtschaftliche Aktivität in mittlerer Frist hängen von der Intensität, der Dauer und der Ausbreitung des Energiepreis-Schocks ab.“

„Angesichts eines Energie-Schocks kann die Geldpolitik die Erwartungen verankern und die Rückkehr der Inflation auf das mittelfristige Ziel sichern — fügte das EZB-Mitglied hinzu —, während die Fiskalpolitik die Auswirkungen auf die wirtschaftliche Aktivität mildern kann.“ Allerdings warnte er, „beides verursacht Kosten, so sorgfältig und intelligent geplant sie auch sein mögen. Diese Kosten dürfen nicht ignoriert werden, da sie nicht selten auftreten. Im Gegenteil, sie werden durch die Tatsache verstärkt, dass Angebotsschocks aufgrund der Nutzung von Produktionsfaktoren häufiger auftreten.“

Die EZB-Strategie und die Einschätzungen zu den Preissteigerungen

Bereits am 30. April hatte die Präsidentin Christine Lagarde eingeräumt, dass man auch eine Zinserhöhung in Erwägung gezogen habe, sich letztlich aber dafür entschieden habe, die Zinsen unverändert zu belassen. Die Strategie Frankfurt-FR war bislang, das Vorgehen „Sitzung für Sitzung“ abzuwägen und einem „datenbasierten Ansatz“ zu folgen (Wortlaut Lagarde). Die nächste Sitzung könnte somit die entscheidende sein. Die Märkte setzten zwar auf eine doppelte Zinserhöhung im Verlauf des Sommers, doch ist nicht sicher, ob sich die Lage am Hormus bis dahin entspannt, auch wenn alle Analysten darauf hinweisen, dass eine Normalisierung ohnehin viel Zeit benötigen würde.

Derzeit liegen die Zinsen für Einlagen bei der Zentralbank, die Hauptrefinanzierungsoperationen und die Refinanzierungsoperationen mit Margen bei 2,00 %, 2,15 % bzw. 2,40 %. Laut einer aktuellen Schätzung von Facile.it würde eine Erhöhung um 25 Basispunkte die variablen Hypotheken sofort um 22 Euro teurer machen, was über 20 Jahre hinweg zu einer zusätzlichen Belastung von rund 5.300 Euro führen könnte. Jene, die ein Festzins-Hypothekendarlehen abgeschlossen haben, wären zwar nicht betroffen, doch selbstverständlich würde sich jemand, der nach einer Erhöhung einen Kredit aufnehmen möchte, zu weniger vorteilhaften Konditionen finanzieren müssen.

Lukas Steinberger

Lukas Steinberger

Ich bin Lukas Steinberger, Redakteur bei AUSTRIA24 TV mit Fokus auf Politik und Gesellschaft. Nach meinem Journalismusstudium in Wien habe ich für verschiedene Medien gearbeitet und mich auf analytische Berichterstattung spezialisiert. Mein Ziel ist es, komplexe Themen verständlich zu machen und die Perspektiven der Menschen sichtbar zu machen.