Flugkontrollore Streik in Österreich: Tausende Flüge Verspätet oder Gekürzt in Europa

11. Juli 2025

| Lukas Steinberger

Ein zweitägiger Streik der französischen Fluglotsen sorgt derzeit für erhebliche Störungen in ganz Europa. Tausende Flüge werden gestrichen, verspätet oder etwa auf Kosten der Fluggäste reduziert, wobei vor allem zahlreiche Flughäfen betroffen sind. Die Proteste finden am Donnerstag, dem 3. Juli, und am Freitag, dem 4. Juli, statt und beeinflussen die Betriebsabläufe mehrerer Fluggesellschaften, insbesondere Ryanair und EasyJet.

Laut Eurocontrol sind für den heutigen Tag insgesamt etwa 29.000 kommerzielle Flüge geplant. Der Streik der französischen Fluglotsen ist verantwortlich für rund 78 Prozent der Flugverspätungen, die am Vormittag verzeichnet wurden. Diese Zahlen unterstreichen die erheblichen Auswirkungen, die die Arbeitsniederlegung auf den Luftverkehr hat.

Ryanair und EasyJet besonders stark betroffen

Ryanair hat bereits die Streichung von 170 Flügen bekanntgegeben, was rund 30.000 Passagiere direkt betrifft. Der CEO der Fluggesellschaft, Michael O’Leary, übte scharfe Kritik an den beteiligten Arbeitsgruppen: „Erneut werden europäische Familien von französischen Fluglotsen im Stich gelassen.“ Auch EasyJet hat angekündigt, 274 Flüge zu streichen.

Die französische Fluggesellschaft Air France teilte mit, dass sie ihre Flugpläne angepasst hat. Konkrete Zahlen zu gestrichenen Flügen wurde allerdings nicht veröffentlicht. Es wurde aber betont, dass Langstreckenflüge weiterhin planmäßig stattfinden. British Airways versucht, die Störungen durch den Einsatz größerer Flugzeuge zu kompensieren, um die Unannehmlichkeiten für Passagiere, deren Flüge gestrichen wurden, zu verringern, und bietet Alternativen an, die zu anderen Zeiten stattfinden.

Chaos im Süden Frankreichs

Die Störungen konzentrieren sich hauptsächlich im südlichen Teil des Landes. Am Flughafen Nizza, dem drittgrößten nationalen Flughafen, wurden am Donnerstagvormittag im Durchschnitt rund 1 Stunde und 36 Minuten Verspätung bei Ankünften und etwa 48 Minuten bei Abflügen registriert. Das französische Luftverkehrsdienstleistungsunternehmen DGAC meldete, dass die Hälfte der Flüge an den Flughäfen Bastia und Calvi auf Korsika gestrichen wurden, während in Lione, Marseille, Montpellier, Ajaccio und Figari rund 30 Prozent der Flüge ausfallen.

Am Flughafen Beauvais, einem wichtigen Billigflug-Drehkreuz nordwestlich von Paris, lag die Streichungsrate bei etwa 25 Prozent. An den beiden wichtigsten Flughäfen der Hauptstadt, Orly und Charles de Gaulle, wurden jeweils etwa 25 Prozent der Flüge gestrichen. Zusammen nehmen diese Flughäfen in der Hochsaison bis zu 350.000 Passagiere pro Tag auf, was die enormen Auswirkungen des Streiks verdeutlicht.

Gewerkschaftlicher Protest

Der Streik wurde von einer Minderheit der Fluglotsenvertretungen ausgerufen. Die beiden kleineren Gewerkschaften Unsa-Icna (mit 17 Prozent Zustimmung) und Usac-Cgt (16 Prozent) rufen zu Arbeitsniederlegungen auf, während die größte Gewerkschaft Sncta mit 60 Prozent Zustimmungsrate nicht teilnimmt. Am Donnerstag waren etwa 270 von insgesamt rund 1.400 Fluglotsen im Land im Streik.

Die Gewerkschaften kritisieren die angeblich bewusst aufrechterhaltene Unterbesetzung, veraltete Ausrüstung und ein „toxisches Management“. Zudem richten sie den Vorwurf gegen eine Reform, die die Anwesenheitspflicht zu Beginn der Schichten vorsieht. Diese wurde nach einem beinahe katastrophalen Unfall im Jahr 2022 am Flughafen Bordeaux eingeführt, bei dem zwei Flugzeuge nur knapp aneinander vorbeiflogen.

Streit um den Umgang des Staates

Der französische Verkehrsminister Philippe Tabarot nannte die Forderungen der kleineren Gewerkschaften „akzeptabel“, warf ihnen jedoch vor, den großen Reiseverkehr im Sommer durch Streiks zu gefährden. Das französische Luftfahrtkontrollzentrum DGAC hat für Freitag, den 4. Juli, eine Reduktion des Flugverkehrs um 40 Prozent an den Pariser Flughäfen und in Beauvais angeordnet. In anderen Regionen, besonders im Süden, sind Malzeiten zwischen 30 und 50 Prozent geplant.

Die Behörde warnt, dass trotz der Vorsichtsmaßnahmen mit erheblichen Verzögerungen an allen französischen Flughäfen gerechnet werden muss. Fluggäste werden dringend gebeten, ihre Flüge, wenn möglich, umzubuchen, um Unannehmlichkeiten zu vermeiden.

Brüssel im Alarmzustand

Die Organisation Airlines for Europe, die Fluggesellschaften wie Air France-KLM, Lufthansa, British Airways, EasyJet und Ryanair vertritt, kritisierte das Vorgehen der französischen Fluglotsen scharf. Sie bezeichneten den Streik als „unerträglich“ und warfen den Gewerkschaften vor, den Reiseplänen Tausender Passagiere Schaden zuzufügen. Auch Michael O’Leary erneuerte seine Forderung an die EU-Kommission, dringend Reformen im Luftverkehrskontrollsystem durchzuführen.

Sein Appell richtet sich vor allem auf die Sicherstellung ausreichend Personal während Stoßzeiten sowie den Schutz der sogenannten Überflugflüge. Das sind Flüge, die lediglich französisches Luftraum ohne Landung durchqueren. Die Missachtung dieser Kooperationsaufgabe könnte das europäische Luftverkehrssystem erheblich beeinträchtigen.

Lukas Steinberger

Lukas Steinberger

Ich bin Lukas Steinberger, Redakteur bei AUSTRIA24 TV mit Fokus auf Politik und Gesellschaft. Nach meinem Journalismusstudium in Wien habe ich für verschiedene Medien gearbeitet und mich auf analytische Berichterstattung spezialisiert. Mein Ziel ist es, komplexe Themen verständlich zu machen und die Perspektiven der Menschen sichtbar zu machen.