Die Oderstellung im Osten: Neue Handelsstrategie gegen Trumps Zölle in Österreich

12. Juli 2025

| Lukas Steinberger

In kurzer Zeit steht der 9. Juli bevor, ein entscheidendes Datum, an dem Donald Trump die Einführung von Strafzöllen bis zu 50 Prozent auf europäische Güter ankündigte, falls keine neuen Handelsvereinbarungen zwischen Washington und Brüssel erzielt werden können. Der US-Präsident hat klargestellt, dass keine Verlängerung für die Partner geplant ist – keine Ausnahmen, kein Aufschub. Diese harte Haltung könnte erhebliche Auswirkungen auf die europäischen Handelsbeziehungen haben.

Zollstreitigkeiten: Die US-Seite zeigt sich zu einem Aufschub bereit

Die Botschaft Trumps kam, während der europäische Handelskommissar Maroš Šefčovič nach Washington reiste, um eine für den Handel richtungsweisende Verhandlungsrunde zu führen. Ihm gegenüber stehen Howard Lutnick, der amerkanische Handelsminister, sowie Jamieson Greer, ein weiterer Verhandlungsführer der US-Regierung. Im Zentrum der Gespräche steht das amerikanische Angebot, das letzten Donnerstag während des Europäischen Rates vorgestellt wurde. Es sieht eine Grundtarif von 10 Prozent auf europäische Waren vor, was zunächst von Brüssel abgelehnt wurde. Heute gilt dieses Angebot jedoch als akzeptabel, sofern im Gegenzug Kompromisse erzielt werden. Die Europäische Union strebt vor allem Ausnahmen für Schlüsselbranchen wie Pharma, Halbleiter, Flugzeuge und Spirituosen an. Außerdem fordert sie die Reduktion der Zölle auf Autos, Stahl und Aluminium. Washington hingegen möchte eine Lockerung der europäischen Regelungen im digitalen Markt, die US-Technologiegiganten benachteiligen sollen.

Brüssel denkt an eine „Mini-WTO“

Angesichts der Unsicherheiten im Handel mit den USA erwägt Brüssel eine alternative Strategie: den Ausbau einer wirtschaftlichen Partnerschaft mit dem Comprehensive and Progressive Agreement for Trans-Pacific Partnership (CPTPP). Dieses Handelsbündnis vereint zwölf Volkswirtschaften Asiens und des Pazifikraums, darunter Japan, Australien, Kanada, Singapur und das Vereinigte Königreich. Es entstand nach dem Scheitern des ursprünglichen Trans-Pacific Partnership (TPP), das Trump während seines ersten Amtszeitjahres durch seinen Rückzug nie in Kraft setzen konnte.

Die EU erkennt das Potenzial dieses Abkommens: Es umfasst rund eine Milliarde Menschen, die insgesamt 30 Prozent des weltweiten Handels repräsentieren – eine bedeutende Zahl, die die Handelsbeziehungen zwischen der EU und den USA übertrifft.

Diese Idee wurde kürzlich von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen den Staats- und Regierungschefs der 27 Mitgliedstaaten im Rahmen des Europäischen Rats vorgestellt. Laut Politico schlug von der Leyen vor, einen formellen Dialog mit den CPTPP-Ländern aufzunehmen, um eine gemeinsame Handelsplattform auf Basis verbindlicher Regeln zu schaffen. Sie argumentierte, dass ein solcher Zusammenschluss die globalen Handelsregeln neu gestalten könnte – möglicherweise die Welthandelsorganisation (WTO) reformieren oder sogar ersetzen – und so eine „Mini-WTO“ schaffen würde. Bundeskanzler Friedrich Merz fasste diesen Ansatz treffend zusammen.

Eine solche Einigung zielt sowohl auf die Instabilität im Handel ab, die durch die unberechenbaren Maßnahmen Trumps verursacht wurde, als auch auf die handlungsunfähige WTO, die seit ihrer Gründung vor 30 Jahren in einer Sackgasse steckt. Die US-Regierung blockiert die Arbeit der Organisation, indem sie seit 2019 keine neuen Amtsgerichte für den Streitbeilegungsausschuss beruft, was die Lösung handelsrechtlicher Konflikte stark erschwert. Gründe hierfür sind teils Vorwürfe gegenüber China, das Washington beschuldigt, die WTO auszunutzen, um den Marktzugang zu erschweren und Wettbewerber durch unfaire Praktiken, Erpressung und Manipulationen zu schwächen.

Aus diesem Grund intensiviert Brüssel die Kontakte zu den CPTPP-Ländern. Im Rahmen eines Ministertreffens im Juli analysiert die Europäische Kommission bereits, wie kompatibel die EU-Verträge mit den Regeln des Abkommens sind. Parallel dazu werden die letzten Details eines Stopp-Abkommens ausgehandelt, um Zölle und Handelsbarrieren einzufrieren – ein erster Schritt in Richtung einer Freihandelszone zwischen den beiden Blöcken. Das gemeinsam erklärte Ziel ist, die Märkte offen zu halten und gegenseitiges Vertrauen zu bewahren.

Wachsende Distanz zwischen Peking und Brüssel

Doch nicht nur Washington, auch China beobachtet die Entwicklung mit großem Interesse. Bereits 2021 hatte China formell Interesse gezeigt, dem CPTPP beizutreten. Für Peking stellt dies eine strategische Chance dar, insbesondere angesichts der zunehmenden Spannungen zwischen der EU und China. Viele europäische Staaten zögern jedoch, Chancen auf eine engere wirtschaftliche Zusammenarbeit mit Peking wahrzunehmen, aus Angst vor den „aggressiven Handelspraktiken“ Chinas.

Gleichzeitig weicht die Hoffnung auf eine Annäherung zwischen Brüssel und Peking zunehmend auf, da die Spannungen vor allem im wirtschaftlichen und geopolitischen Bereich hoch bleiben. Der chinesische Außenminister Wang Yi reist derzeit nach Europa, um den Gipfel zwischen der EU und China am 24. und 25. Juli vorzubereiten. Bei diesem Treffen werden Ursula von der Leyen, der portugiesische Premierminister António Costa und die finnische Ministerpräsidentin Kaja Kallas nach Peking und Hefei fliegen, um dort mit Staatspräsident Xi Jinping und Premier Li Qiang zu sprechen. Im Mittelpunkt stehen Chinas Umgang mit den Seltenen Erden sowie die Frage, wie Peking auf die Unterstützung Russlands in der Ukraine reagiert.

Peking schätzt seine Gesprächspartner nach ihrer Fähigkeit, politisch und wirtschaftlich echten Einfluss auszuüben. Eine gespaltene EU, die auf keine einheitliche Position bei kritischen Themen wie den Seltenen Erden, der Unterstützung Russlands oder dem Zugang zum chinesischen Markt kommt, könnte für China als weniger bedrohend wahrgenommen werden als die USA. Janka Oertel vom European Council on Foreign Relations betont: „Peking ist der Ansicht, dass Europa niemals einheitlich genug sein wird, um auf all diese Themen eine harte Linie zu fahren.“ Diese Einschätzung erschwert den bereits fragilen Dialog zwischen der EU und China zusätzlich.

Insgesamt bleibt abzuwarten, wie sich die Handels- und Außenpolitik in den kommenden Monaten entwickeln wird, da die Spannungen zwischen den globalen Großmächten weiterhin hoch sind und die wirtschaftlichen Strategien in Europa neu austariert werden.

Lukas Steinberger

Lukas Steinberger

Ich bin Lukas Steinberger, Redakteur bei AUSTRIA24 TV mit Fokus auf Politik und Gesellschaft. Nach meinem Journalismusstudium in Wien habe ich für verschiedene Medien gearbeitet und mich auf analytische Berichterstattung spezialisiert. Mein Ziel ist es, komplexe Themen verständlich zu machen und die Perspektiven der Menschen sichtbar zu machen.