China sanktioniert sieben europäische Firmen – „Waffen an Taiwan verkaufen“ – Auch eine Leonardo-Tochter ist betroffen

1. Mai 2026

| Lukas Steinberger

Beijing hat sieben europäische Unternehmen in seine Ausfuhrkontrollliste aufgenommen und ihnen den Zugang zu Dual-Use-Gütern aus China untersagt. Die offizielle Begründung des chinesischen Handelsministeriums ist eindeutig: Sie haben Waffen an Taiwan verkauft oder mit der Insel kollaboriert. Es handelt sich um eine seltene Maßnahme gegenüber Europa, die einen qualitativen Sprung in Pekings Druck auf das Taiwan-Thema markiert. Bisher konzentrierten sich chinesische Vergeltungsmaßnahmen vor allem auf große US-Verteidigungsunternehmen, die Hauptlieferanten Taipehs.

Was bedeuten die Sanktionen

Das Verbot richtet sich an jede Entität – chinesisch oder ausländisch – und untersagt die Weitergabe an die sieben europäischen Unternehmen von sogenannten Dual-Use-Gütern, also Technologien, Software oder Komponenten, die sowohl zivil als auch militärisch genutzt werden können. Dazu gehören auch strategische Materialien wie bestimmte Seltene Erden, entscheidend für die Herstellung von Drohnen und Mikrochips.

Der Block ist sofort und vollständig, auch wenn Peking die Möglichkeit vorbehält, einzelne Lieferungen in Ausnahmefällen zu genehmigen. Die Maßnahme, so das chinesische Ministerium, dient dem Schutz der nationalen Sicherheit und der Einhaltung internationaler Verpflichtungen, einschließlich Nicht-Verbreitung.

Gleichzeitig versucht China, die politische Wirkung der Maßnahme zu begrenzen, und betont, dass die Beschränkungen ausschließlich Dual-Use-Güter betreffen und „normale Handelsbeziehungen zwischen China und Europa“ nicht beeinträchtigen. Eine Botschaft direkt an Brüssel, das im Vorfeld durch bilaterale Dialogkanäle informiert wurde.

Welche europäischen Unternehmen stehen im Visier

Im Einzelnen betreffen die sieben betroffenen Einheiten verschiedene Segmente der Verteidigungs- und Luftfahrtindustrie. Dazu gehören: Hensoldt AG, im Besitz der deutschen Regierung und von Leonardo, die jeweils 25,1 % halten; belgische Hersteller von Handfeuerwaffen Fn Browning und Fn Herstal; Excalibur Army, Teil der tschechischen Industriegruppe CSG; Omnipol, traditionsreiches tschechisches Unternehmen mit Aktivitäten in Luftfahrt und Verteidigung; SpaceKnow, ebenfalls tschechisch, spezialisiert auf Satelliten- und Geodaten; und schließlich das tschechische Institut für Luftfahrtforschung und -prüfung.

Vier der sieben Unternehmen sind tschechisch, was in Prag unmittelbar politische Aufmerksamkeit erregt hat. Außenminister Petr Macinka hat formale Klarstellungen von Peking gefordert und die Botschaft beauftragt, den Fall zu vertiefen. Excalibur Army hat derweil die Auswirkungen der Beschränkungen heruntergespielt und betont, dass man nicht direkt von chinesischen Dual-Use-Technologien abhängig sei.

Taiwan-Knotenpunkt und europäische Linie

Im Zentrum des Konflikts steht Taiwan, das Beijing als integralen Bestandteil seines Territoriums ansieht. Die demokratisch regierte Insel bestreitet diese Behauptung und beharrt auf dem Recht, ihre Zukunft eigenständig zu bestimmen.

Militärisch ist Taipei stark von den USA abhängig. Europa hingegen hat in den letzten drei Jahrzehnten den Verkauf schwerer Waffen, wie Kampfflugzeuge, vermieden, um keine chinesischen Reaktionen auszulösen. In den letzten Jahren jedoch, besonders nach der russischen Invasion in der Ukraine im Jahr 2022, zeigten einige Hauptstädte Mitteleuropas und Osteuropas eine wachsende Offenheit für Formen der Zusammenarbeit mit Taiwan.

In diesem Kontext reiht sich Pekings Entscheidung ein, die von vielen Beobachtern auch als politisches Signal an die Europäische Union gesehen wird. Nicht zufällig kommt der Schritt nach dem jüngsten EU-Sanktionspaket gegen Moskau, das mehrere chinesische Unternehmen einschloss, die der Unterstützung der russischen Kriegsanstrengung beschuldigt werden.

Reaktionen: Europäische Zurückhaltung und taiwanesischer Pragmatismus

Die ersten offiziellen Reaktionen sind von Vorsicht geprägt. Aus der Europäischen Union gab es keine unmittelbaren Stellungnahmen, während einige betroffene Unternehmen – wie Hensoldt – mitteilten, dass ihr Kerngeschäft durch die chinesischen Beschränkungen nicht beeinträchtigt werde.

Taiwan reagierte deutlicher. Verteidigungsminister Wellington Koo hat die Tragweite der Sanktionen heruntergespielt und betont, dass es sich nicht um einen isolierten Präzedenzfall handelt. Laut Koo werde die Insel durch die Maßnahme nicht in ihrer Fähigkeit eingeschränkt, Waffen zu beschaffen, dank eines diversifizierten Lieferantennetzes. „Es ist nicht das erste Mal, dass China derartige Maßnahmen ergreift“, so er, und er ergänzte, dass Taiwan weiterhin Ausrüstung über alternative Kanäle beziehen werde.

Mehr als der unmittelbare Effekt, der vor allem Großunternehmen treffen könnte, hat die chinesische Entscheidung politische Bedeutung. Es handelt sich um den ersten Fall, in dem Peking die Schwarze Liste gegen europäische Unternehmen einsetzt und damit seine rote Linie zu Taiwan auch gegenüber europäischen Partnern bekräftigt: Jegliche Form militärischer Zusammenarbeit mit der Insel kann Konsequenzen haben. Es bleibt abzuwarten, ob dies ein isolierter Vorfall ist oder der Beginn einer ausgeprägteren Phase in den Beziehungen zwischen China und Europa.

Lukas Steinberger

Lukas Steinberger

Ich bin Lukas Steinberger, Redakteur bei AUSTRIA24 TV mit Fokus auf Politik und Gesellschaft. Nach meinem Journalismusstudium in Wien habe ich für verschiedene Medien gearbeitet und mich auf analytische Berichterstattung spezialisiert. Mein Ziel ist es, komplexe Themen verständlich zu machen und die Perspektiven der Menschen sichtbar zu machen.