EU plant Verbot chinesischer Ausrüstung in kritischer Infrastruktur – Huawei und ZTE ausgeschlossen

19. Januar 2026

| Lukas Steinberger

Die Europäische Union wird vorschlagen, schrittweise die in China hergestellten Geräte aus kritischen Infrastrukturen zu entfernen. Die Maßnahme betrifft Telekommunikationsnetze (einschließlich 5G-Netze), Solarenergiesysteme und Sicherheits-Scanner; ausgenommen Unternehmen wie Huawei und ZTE. Die Hypothese, wie sie von der Financial Times vorweggenommen wurde, verfolgt zwei Ziele: Einerseits die Abhängigkeit der EU von Unternehmen mit Sitz außerhalb Europas zu verringern, andererseits zu verhindern, dass sensible Informationen gesammelt werden. 

Vom Freiwilligen zum Pflichtinstrument: Was das Instrument vorsieht

In Anlehnung an die Vereinigten Staaten, die Huawei schon lange aus ihren Telekommunikationsnetzen ausschließen, will die Europäische Union ein bereits bestehendes – bisher freiwilliges – System verbindlich machen, um Hochrisiko-Lieferanten aus den Netzen der Mitgliedstaaten zu entfernen. Die Ausrichtung würde einen Qualitätsprung gegenüber der 2020 beschlossenen „5G Toolbox“ markieren, die bislang nicht bindend war und uneinheitlich umgesetzt wurde. Dieses Paket verlangte bereits, Hochrisiko-Lieferanten aus Core- und RAN-Netzen zu limitieren oder auszuschließen. Brüssel hat 2023 außerdem Huawei und ZTE ausdrücklich als besonders risikoreiche Akteure bezeichnet und die Mitgliedstaaten aufgefordert, zügig zu handeln.

Der Vorschlag zur Cybersicherheit soll formal am Dienstag, dem 20. Januar, vorgestellt werden. Er zielt darauf ab, den europäischen Ansatz zum Problem zu vereinheitlichen, da die bisherigen Vorgaben von einigen europäischen Ländern häufig ignoriert wurden, die weiterhin Hochrisiko-Lieferanten nutzen.

Was sind die nächsten Schritte? Nach der Vorlage des Vorschlags durch die Kommission wird die Maßnahme im Europäischen Parlament und von den einzelnen Mitgliedstaaten diskutiert. Der Gesetzgebungsweg wird voraussichtlich Widerstände hervorrufen, und bislang hat keine der Beteiligten offizielle Stellungnahmen abgegeben. Im Falle der Annahme der Maßnahme müssen die europäischen Länder auch einen konkreten Zeitplan einhalten, um chinesische Anbieter aus den kritischen Infrastrukturen der EU zu entfernen. Der Zeitplan wird an die Risiken jeder Firma und an die wirtschaftlichen Folgen der Suche nach Alternativen angepasst. In einigen Sektoren, wie bei Solarmodulen – von denen mehr als 90 Prozent in China hergestellt werden – wird der Prozess erhebliche Ressourcen erfordern.

Nach der Veröffentlichung der Nachricht hat China die Europäische Union aufgefordert, das Vertrauen chinesischer Unternehmen in Investitionen in Europa nicht zu gefährden. In einem Kommentar, der der Nachrichtenagentur Reuters gesandt wurde, bezeichnete das chinesische Außenministerium die Beschränkung chinesischer Unternehmen ohne Rechtsgrundlage als „offenen Protektionismus“ und forderte die EU auf, faire, transparente und nicht diskriminierende Geschäftsbetriebe für chinesische Unternehmen zu gewährleisten.

Uneinheitlichkeit in Europa: Wie ist die Lage in den einzelnen Ländern

In Europa haben verschiedene Länder unterschiedliche Strategien im Umgang mit chinesischen Anbietern kritischer Infrastrukturen gewählt. Schweden hat ein vollständiges Verbot eingeführt, in der Berufungsinstanz bestätigt, während Deutschland sich für einen schrittweisen Ausstieg entschieden hat: Chinesische Komponenten müssen bis 2026 aus dem Kernnetz entfernt werden, ein breiterer Ausstieg bis 2029. Berlin prüft zudem den Einsatz öffentlicher Gelder, um Betreiber beim Austausch der Geräte zu unterstützen. Finnland verschärft die Maßnahmen weiter, Spanien verfolgt einen fallweisen Ansatz und hat kürzlich sensible Verträge gestoppt, Griechenland setzt auf Ericsson für 5G, lässt Huawei-Geräte in den Legacy-Netzen jedoch weiterhin zu.

Wie geht Italien vor?

In Italien besteht jedoch kein ausdrückliches Verbot gegen Huawei oder ZTE. Die Regierung hat eine flexiblere Strategie gewählt, basierend auf einem vorsorglichen Kontrollsystem, das Eingriffe von Fall zu Fall ermöglicht, wenn nationale Sicherheitsinteressen betroffen sind. Betreiber – darunter TIM, Vodafone, WindTre und Iliad – müssen jede Vereinbarung mit Anbietern außerhalb der EU melden, die von der Präsidentschaft des Ministerrats zusammen mit den zuständigen Ministerien und Sicherheitsdiensten bewertet wird. Je nach Risiko für die nationale Sicherheit kann die Regierung die Vereinbarung genehmigen, ändern oder blockieren. Dieses Vorgehen hat im Laufe der Jahre zu gezielten Eingriffen bei Huawei- und ZTE-Lieferungen geführt. In mehreren Fällen wurden Verträge genehmigt, jedoch mit strengen technischen Auflagen, wie dem Ausschluss chinesischer Anbieter aus den sensibleren Netzkomponenten.

Lukas Steinberger

Lukas Steinberger

Ich bin Lukas Steinberger, Redakteur bei AUSTRIA24 TV mit Fokus auf Politik und Gesellschaft. Nach meinem Journalismusstudium in Wien habe ich für verschiedene Medien gearbeitet und mich auf analytische Berichterstattung spezialisiert. Mein Ziel ist es, komplexe Themen verständlich zu machen und die Perspektiven der Menschen sichtbar zu machen.