Die Spannungen in der kleinen Gemeinde Torre-Pacheco im Südosten Spaniens bleiben hoch, nachdem auch die zweite Nacht in Folge Gewaltausbrüche mit xenophoben Motiven gemeldet wurden. Laut offiziellen Angaben wurden bei den Zusammenstößen zwischen Rechtsextremisten und Menschen mit Migrationshintergrund mindestens fünf Personen verletzt. Zudem wurde eine Person festgenommen.
Die Ereignisse wurden ausgelöst, nachdem ein 68-jähriger Rentner am vergangenen Mittwoch angab, von drei jungen Männern nordafrikanischer Herkunft attackiert worden zu sein. Dieser Vorfall wurde in einem Video festgehalten und anschließend in den sozialen Medien verbreitet. Die öffentliche Debatte vor Ort wurde dadurch heftig entfacht, was wiederum zu Aufrufen im Stil einer „Jagd auf Migranten“ durch Gruppierungen des Rechtsextremismus führte.
Bewaffnete Gruppen patrouillieren auf den Straßen
Trotz der massiven Polizeipräsenz haben bewaffnete Gruppen mit Stöcken begonnen, die Straßen von Torre-Pacheco zu kontrollieren, um nach Menschen mit Migrationshintergrund Ausschau zu halten. Das Video eines Regionalblattes, La Opinión de Murcia, zeigt Szenen, die Panik bei der migrantischen Gemeinschaft auslösten. Diese Menschen stellen etwa 30 % der örtlichen Bevölkerung, doppelt so hoch wie der spanische Durchschnitt.
Auch Barrikaden wurden angezündet und Müllcontainer in Brand gesetzt, während einige Demonstranten Flaschen auf die Polizei warfen. Die Behörden berichteten, dass viele Teilnehmer der Ausschreitungen von außerhalb der Stadt angereist seien, was die Befürchtungen verstärkte, dass die Gewalt von einer organisierten rechten Bewegung gesteuert wird.
Appelle der Behörden zur Beruhigung
Der Bürgermeister von Torre-Pacheco, Pedro Ángel Roca Ternel, rief in einem Interview bei RTVE, dem spanischen öffentlich-rechtlichen Sender, zur Ruhe auf: „Ich bitte die Bürger, die Situation mit ruhiger Gelassenheit zu betrachten und sich nicht von Gewalt anstecken zu lassen.“
Obwohl die Polizeikräfte vor Ort präsent sind, bleibt die Lage angespannt. Offizielle Stellen warnen vor einer möglichen weiteren Eskalation, während die Stimmung in der Gemeinde deutlich angespannt ist.
Auch der konservative Regionalpräsident von Murcia, Fernando López Miras, äußerte sich öffentlich: „Ich verstehe die Frustration, aber keine Form der Gewalt ist gerechtfertigt. Torre-Pacheco muss wieder zur Normalität zurückkehren.“
Die spanische Jungsenministerin Sira Rego, Vertreterin der linken Koalition Sumar, forderte in einem Beitrag auf Bluesky, rechten Gruppierungen entschieden entgegenzuwirken: „Rechtsextreme instrumentalisieren diese Vorfälle, um Hass und Spaltung zu schüren.“ Sie betont, dass die Lage derzeit weiterhin äußerst fragil ist und die Situation kaum eine Entspannung erkennen lässt.