Deutschland ist bereit, die Europäische Union um eine dringende Überprüfung der Verordnung zu bitten, die ein Verbot von Verbrennungsmotoren bis 2035 festlegt. Bundeskanzler Friedrich Merz möchte die EU-Institutionen dazu bewegen, das verbindliche Datum zu überdenken, das die gesamte Automobilbranche zu einer Umstellung auf Elektrizität zwingt.
Merz: „Wir senden das richtige Signal“
Der Bundeskanzler ist bereit, einen Brief an Ursula von der Leyen, Präsidentin der Europäischen Kommission, zu versenden. Ziel? Die EU-Institutionen dazu zu bewegen, den technologischen Spielraum für die Autohersteller offen zu halten. Die Merz-Initiative verschärft den Ton im Konflikt zwischen der automobilen Industrie in Deutschland und jenen, die sich an die Politik halten möchten, um das Ziel der Klimaneutralität bis 2050 zu erreichen. Die Idee sei, den Herstellern zumindest den Verkauf von Hybriden zu erlauben. In Deutschland steckt die Branche in der Krise, belastet von wachsenden Investitionskosten in Batteriefahrzeuge und dem starken chinesischen Wettbewerb, der die Absätze unter Druck setzt.
Stopp der Verbrennungsmotoren ab 2035 – Kann das Verbot aufgehoben werden?
„Mit diesem Brief senden wir das richtige Signal an die Kommission“, so Merz. Er erläuterte, wie die Bundesregierung das Klima schützen wolle, aber „technologisch neutral“. Der Bundeskanzler fasste die wichtigsten Forderungen zusammen, die er der Kommission vorlegen möchte: „Ich werde die Kommission bitten, auch nach 2035 weiterhin Fahrzeuge mit Batterieantrieb zuzulassen, die auch über einen Verbrennungsmotor verfügen. Es ist deutlich sinnvoller und pragmatischer, größere Anstrengungen und Ressourcen in die Entwicklung effizienter Hybridsysteme zu investieren, die das Beste aus dem Verbrennungsmotor und der Elektrifizierung vereinen.“
Die Krise der Branche
In Deutschland weht ein rauer Wind durch die Automobilwirtschaft. Das belegen auch die Daten des Bundesamts für Statistik: Am Ende des dritten Quartals 2025 lag die Zahl der Beschäftigten in der Automobilwelt 48.700 Stellen unter dem Wert des Vorjahreszeitraums. Das entspricht einem Rückgang von 6,3 Prozent. Insgesamt zählte der Sektor Ende September 721.400 Arbeitnehmer, der niedrigste Stand seit 2011, als etwa 718.000 Menschen beschäftigt waren.
In der Zahl eingerechnet sind auch Unternehmen der Zulieferindustrie. Zur Gegenüberstellung: Im verarbeitenden Gewerbe arbeiten rund 5,43 Millionen Menschen, während im selben Zeitraum die Beschäftigtenzahl um 2,2 Prozent sank. Es gibt mehrere Gründe, die die Krise der Automobilbranche erklären: Die Schwierigkeiten der deutschen Marken auf dem chinesischen Markt, Zölle unter US-Präsident Donald Trump, hohe Energiekosten und der langsame Start der Elektrifizierung.