Alternative für Deutschland distanziert sich deutlich von den etablierten Parteien und erzielt bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt das, was laut ersten Exitpolls nach Schließung der Wahllokale als bislang bestes Ergebnis der rechtsextremen Partei bei einer deutschen Landtagswahl gilt.
Die ersten Ergebnisse der Wahlen in Sachsen-Anhalt: Die Projektionen
Die erste Prognose von ARD-Infratest dimap weist der AfD unter Ulrich Siegmund 44,5 Prozent der Stimmen zu, gegenüber 18,5 Prozent für die CDU des amtierenden Ministerpräsidenten Sven Schulze, Partei des Bundeskanzlers Friedrich Merz. Die Linke liegt bei 9,5%, Die Grünen bei 9%, die SPD bei 8%. Der BSW von Sahra Wagenknecht wird exakt bei 5% angegeben, während die FDP bei 2% verharrt.
Die Prognose des ZDF, erstellt von der Forschungsgruppe Wahlen, zeichnet ein nahezu identisches Bild: AfD 44%, CDU 18,5%, Die Linke und Die SPD jeweils 9%, Die Grünen 8,5%, BSW 4,8% und FDP 2,5%. Es handelt sich weiterhin um Hochrechnungen auf Basis der Wählerbefragungen direkt nach dem Verlassen der Wahllokale und nicht um das endgültige Ergebnis. Doch die Größenordnung des AfD-Siegs steht außer Frage.
Der Vergleich mit 2021 macht die Dimension des Ergebnisses deutlich: Vor fünf Jahren gewann die CDU deutlich mit 37,1%, während die AfD bei 20,8% verharrte. Heute ist das Kräfteverhältnis praktisch umgekehrt: AfD über 44%, CDU unter 19%.

Die radikale Rechte geht damit weit über eine bloße Verdopplung ihrer Zustimmung hinaus. Die CDU verliert fast zwanzig Prozentpunkte und verzeichnet ihr schlechtestes Ergebnis in der Geschichte von Sachsen-Anhalt. Für Bundeskanzler Friedrich Merz ist es eine politische Niederlage, die sich schwer regional eingrenzen lässt. Der Wahlkampf war von Anfang an als Test auch für die Bundesregierung und die Strategie der CDU gesehen worden, mit der die Partei dem Aufstieg der AfD entgegensteuern will.
Wer regiert: Das Rätsel um die absolute Mehrheit
Die große Frage der nächsten Stunden ist nicht mehr, wer gewonnen hat. Es geht darum, ob die AfD alleine regieren kann. Siegmund hatte genau die absolute Mehrheit der Sitze als Bedingung für seine Kandidatur zur Regierungsführung des Landes angegeben. Alle anderen größeren Parteien haben Koalitionsverhandlungen mit der AfD ausgeschlossen, und der Rechtsaußen-Kandidat hatte ebenfalls eine Regierung durch eine Koalition abgelehnt.
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44,0/44,5% der Stimmen bedeuten nicht automatisch die absolute Sitzverteilung. Viel hängt davon ab, wie viele Parteien tatsächlich in den Landtag einziehen und wie viel Prozent der Stimmen so der Verteilung entzogen bleiben. Deshalb ist eine der am stärksten beobachteten Kennzahlen des Abends der Wert des BSW: Die ARD platziert ihn exakt bei 5%, die ZDF bei 4,8%. Die Fünf-Prozent-Hürde, um in das Parlament zu kommen, liegt genau bei 5%.

Wenn der BSW den Einzug ins Parlament nicht schaffen sollte, würde der AfD eine einzige Sitzzahl zur absoluten Mehrheit fehlen. Die Linke, die SPD und die Grünen lägen hingegen laut ersten Projektionen deutlich über der Fünf-Prozent-Hürde.