In Tuam, Irland, haben die ersten Beisetzungen von den 796 Kindern begonnen, die zwischen 1925 und 1960 ohne Grab beerdigt wurden. Diese groß angelegte Aktion ist notwendig, um die Identität der kleinen Verstorbenen zu ermitteln. Heute, am Montag, den 14. Juli, wurden nach mehr als zehn Jahren seit der unheimlichen Entdeckung die Ausgrabungsarbeiten in der Nähe des ehemaligen Klärgrabens des Hauses der Schwestern von Bon Secours im Norden des Landes eingeleitet.
Irland – Die Ausgrabungen zur Identifizierung der 800 namenlosen Kinder
Das Ziel besteht darin, die Überreste der Kinder – darunter zahlreiche Neugeborene – zu finden, sie zu analysieren, wenn möglich zu identifizieren und sie würdevoll bestatten. Diese Arbeiten werden mit Unterstützung von Experten aus Kolumbien, Spanien, Großbritannien, Kanada und den Vereinigten Staaten durchgeführt und sollen voraussichtlich zwei Jahre dauern. Proben von DNA wurden bereits bei etwa 30 Verwandten entnommen. Dieser Prozess wird in den kommenden Monaten ausgeweitet, um möglichst viele genetische Hinweise zu sammeln. Ursprünglich wurde die Untersuchung im Jahr 2014 durch die Historikerin Catherine Corless angestoßen, die detaillierte Beweise für den Tod der Kinder in diesem Heim ans Licht brachte. Ihre Recherchen führten zu einer erschütternden Entdeckung: einer Massengräber, ohne jegliche Aufzeichnungen über Bestattungen oder Kreuze – ein wahres „anonymes“ Grabfeld.
Ein nationaler Untersuchungsausschuss zu den Misshandlungen in diesen Einrichtungen stellte fest, dass die Säuglingssterblichkeit in diesen Heimen außergewöhnlich hoch war; es sollen über 9.000 Kinder dort gestorben sein. Es wird jedoch vermutet, dass die tatsächliche Zahl noch weitaus höher ist: Zwischen 1922 und 1998 sollen rund 56.000 alleinstehende Frauen sowie 57.000 Kinder diese Heime durchlaufen haben. Während dieser Jahre wurden Frauen, die eine Schwangerschaft außerhalb der Ehe austrugen, in diese Einrichtungen eingesperrt. Häufig mussten sie ihre Kinder kurz nach der Geburt trennen, und die Kinder wurden meist zur Adoption an andere Familien abgegeben. Die Einrichtung der Schwestern von Bon Secours wurde 1972 niedergerissen und in ein Wohnkomplex umgewandelt, wobei der Klärgraben jedoch unberührt blieb. Erst im Jahr 2023 wurde ein Team ernannt, das die Arbeiten in Tuam leiten soll. Das langsame Vorgehen ist wiederholt von den Angehörigen der Opfer kritisiert worden, die seit Jahrzehnten nach „Wahrheit und Gerechtigkeit“ fordern.