Wie wird Italiens erster musikalischer Wald aussehen – und was hat Sängerin Elisa damit zu tun?

18. September 2026

| Lukas Steinberger

Vor etwa vier Jahren war ich im Urlaub in Apulien. Genauer gesagt in Salento. Ein öffentlicher Strand, und neben mir Elisa mit ihrer Familie (Ehemann Andrea und die Kinder Emma und Sebastian). Sie sammeln Müll am Strand auf, um sich anschließend in die Sonne zu legen. Mich hat beeindruckt, wie konkret sich das Engagement der Künstlerin schon in den kleinsten bis größten Gesten zeigt.

Es überrascht daher nicht, dass sie die Pionierin eines neuen Projekts ist, das darauf abzielt, das Konzept eines städtischen Parks neu zu definieren. Es heißt Plantasia und präsentiert sich als ein immersives sensorisches Erlebnis, in dem Natur und Musik miteinander dialogieren, um einen permanenten Klangpfad zu schaffen. Man könnte es einen ‘Klangpark’ oder ‘musikalen Wald’ nennen.

Im Mittelpunkt dieses Konzepts steht die Figur der Elisa, seit jeher an vorderster Front in den Kämpfen für Nachhaltigkeit und ökologische Sensibilisierung. Die Songwriterin spielt eine entscheidende Rolle in der Entwicklung des Werks. Eine Initiative, die Botanik, öffentliche Kunst und die Regeneration von Räumen vereint, um Besuchern eine neuartige Art der Naturwahrnehmung zu bieten.

Was ist Plantasia und wo wird der von Elisa geforderte ‚musikalische Wald‘ entstehen

Die Bauarbeiten an Plantasia nehmen Form an auf den 40.000 Quadratmetern der ehemaligen Kiesgrube in der Via Quarenghi in Mailand, einem städtischen, kommunalen Areal, das durch die strategische Partnerschaft zwischen Elisa und Giovanni Caccamo neu gestaltet wurde, unterstützt von den jeweiligen Non-Profit-Organisationen: der Fondazione Lotus ETS und dem Verein Youth & Future – Parola ai Giovani APS. Die Besonderheit des Vorhabens liegt darin, das herkömmliche Konzept eines Stadtparks zu überwinden.

Der charakteristische Kern des Projekts liegt in der tiefen Integration der botanischen Dimension mit der Klangsprache durch die Anwendung der Phytoakustik, einem wissenschaftlich-künstlerischen Ansatz, der den Wald zu einem lebendigen Erlebniswerk macht, bei dem die Vegetation nicht nur Rahmen, sondern aktiver Bestandteil der akustischen Architektur wird.

Der Mittelpunkt des Eingriffs stützt sich auf ein genaues Umweltmodell: die Schaffung eines Waldareals durch Phytobonisierung. Diese Technik, international anerkannt als eine hochwirksame nature-based solution, verwendet Bäume, Pflanzen und spezifische Vegetationsarten, um Schadstoffe zu absorbieren, zu binden oder abzubauen, die sich im Boden und in der Luft angesammelt haben.

Der Park wird so zur operativen Übersetzung des Protokolls für die „Green Concerts“, der Charta der Umweltwerte, die Elisa 2025 auf der Bühne des San-Siro-Stadions vorgestellt hat, um den CO2-Fußabdruck großer Live-Auftritte zu verringern.

Bereich der ehemaligen Kiesgrube als zukünftiger ‚musikaler Wald‘ – Mailand – Foto von Google Earth
 

Elisas Vermächtnis für die Jugendlichen: das Startkapital ihrer Stiftung

Es geht nicht nur darum, die Umweltbelastung im Zusammenhang mit der Tourlogistik zu mildern, sondern eine permanente ökologische Präsenz zu gründen, die die Luft- und Bodenqualität der Stadt verbessert. Das grüne Bauprojekt in Mailand soll sich zu einem nationalen Labor entwickeln, in dem Kultur sich nicht darauf beschränkt, das Publikum zu sensibilisieren, sondern direkt in das städtische Gefüge eingreift – durch botanische Innovation und die Unterstützung privater Mittel.

Das Vorhaben hat den entscheidenden Schritt zur konkreten Umsetzung gemacht, dank der ersten finanziellen Zuweisung des Fonds: Die Grundlage des Impacts liegt bei 30.000 Euro, direkt von der Fondazione Lotus, der von Elisa geführten Non-Profit-Organisation.

Elisa Toffoli beim Earth Day in Turin (Foto von La Presse)
 

Die Ressourcen werden das operative Zusammenwirken mit Youth & Future finanzieren, um das grüne Gelände zu einem Zentrum der Gemeinschaft und aktiven Bürgerschaft zu entwickeln, das sich auf die jüngeren Generationen fokussiert. „Nachhaltigkeit kann nicht nur ein Wort oder eine örtliche Maßnahme sein: Sie muss Kultur und gemeinsame Verantwortung werden. Plantasia soll eine konkrete Spur hinterlassen, durch Musik, und einen Raum schaffen, in dem die Jugendlichen die echten Protagonisten des Wandels sind“, erklärte die Sängerin aus Friaul.

Die ökologische Seele von Elisa kommt aus der Ferne. Von dem Heroes Festival 2022 über die Tournee Back to the Future – wo sie erstmals das Protokoll für Live-Auftritte mit reduziertem Impact testete – bis zum Weihnachtkonzert 2023 und ihrer Teilnahme an der COP in Dubai. Plantasia ist die natürliche Weiterentwicklung dieses Weges: Keine Worte im Wind, sondern ein weiterer Beweis für Elisas große Sensibilität.

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Ressourcen, Fundraising und Zeitplan

Der wirtschaftliche Rahmen für die Umgestaltung der ehemaligen Kiesgrube basiert auf einer klaren, gemischten finanziellen Synergie zwischen lokalen Institutionen und privaten Förderungen. Um das Gebiet in der Via Quarenghi freizuschalten, hat die Stadt Mailand bereits rund 300.000 Euro vorgesehen, vollständig für die analytischen und vorbereitenden Phasen: Genauer gesagt deckt die Summe den Umwelt-Charakterisierungsplan und die standortspezifische Risikobewertung ab, die vor dem Start der Pflanzung erforderlich sind.

Parallel läuft die Fundraising-Kampagne der beteiligten Non-Profit-Organisationen auf Hochtouren. Die private Sammlung hat bereits 136.000 Euro erreicht, mit dem Ziel, bis zum 31. Dezember 2026 200.000 Euro zu erreichen. Diese erste Zuteilung ermöglicht es, die operative Feldversuchsphase zu starten, indem die Phytoakustik-Technologien auf einen Pilotbereich von 1.700 bis 2.000 Quadratmetern konzentriert werden.

Da es sich um ein experimentelles Bauvorhaben handelt, das mit den technischen Zeiten für Bodenreinigung und Bodenanalysen zusammenhängt, ist noch kein offizielles Datum für die endgültige Eröffnung und das Banddurchschneiden festgelegt. Die Vorfreude, es realisiert zu sehen, ist allerdings bereits sehr groß.

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Lukas Steinberger

Lukas Steinberger

Ich bin Lukas Steinberger, Redakteur bei AUSTRIA24 TV mit Fokus auf Politik und Gesellschaft. Nach meinem Journalismusstudium in Wien habe ich für verschiedene Medien gearbeitet und mich auf analytische Berichterstattung spezialisiert. Mein Ziel ist es, komplexe Themen verständlich zu machen und die Perspektiven der Menschen sichtbar zu machen.