AfD bei 30 Prozent – CDU zehn Punkte zurück: Schock-Umfrage sorgt in Deutschland für Aufsehen

17. September 2026

| Lukas Steinberger

Die deutsche Rechte erreicht einen neuen Rekord und setzt Bundeskanzler Friedrich Merz zunehmend unter Druck. Laut der neuesten Erhebung des GMS-Instituts, einem bekannten Meinungsforschungsinstitut aus Hamburg, würden bei einer Bundestagswahl heute die AfD 30 Prozent der Stimmen erhalten. Es ist das erste Mal, dass eine nationale Umfrage der von Alice Weidel geführten Partei eine derart hohe Quote zuweist.

So distanziert sich die AfD von allen anderen Parteien, einschließlich der CDU

Der Abstand zur CDU/CSU beträgt mittlerweile zehn Prozentpunkte. Die konservative Union sinkt auf 20 Prozent und verliert damit drei Punkte gegenüber der vorherigen Erhebung, während die AfD zwei Punkte zulegt. Gefolgt werden sie von den Grünen mit 14 Prozent, SPD und Die Linke jeweils 11 Prozent. Die FDP (das liberal-demokratische Spektrum) kommt auf 4 Prozent, und die BSW, das souverainistische Bündnis um Sahra Wagenknecht, ehemalige Vorsitzende der Linken, bliebe mit 3 Prozent außerhalb des Bundestages.

L’ultimo sondaggio GMS

Zudem handelt es sich nicht um ein isoliertes Ergebnis. Eine zwei Tage zuvor veröffentlichte INSA-Umfrage setzte die AfD bei 29 Prozent, die Union bei 20 Prozent. Eine anschließende YouGov-Erhebung gab der extremen Rechten 29 Prozent, während die CDU/CSU nur 18 Prozent erhielt – der niedrigste Wert, den das Institut je gemessen hat. Der gewichtete Durchschnitt der wichtigsten nationalen Umfragen liegt derzeit bei rund 28–29 Prozent für die AfD, mit einem zunehmenden Vorsprung vor den christdemokratischen Parteien.

Der Absturz der CDU von Friedrich Merz

Der neue Rekord kommt wenige Tage nach dem politischen Erdbeben in Sachsen-Anhalt. Bei der Landtagswahl am 6. September erhielt die AfD 43,8 Prozent der Stimmen, mehr als doppelt so viel wie 2021, und sie kam nahe an eine absolute Mehrheit der Sitze. Die CDU, die das Land seit 2002 regiert, fiel auf 17,2 Prozent zurück und halbierte damit ihre Zustimmung.

Dieses Ergebnis hat eine Krise in der CDU ausgelöst und Merz weiter geschwächt. Laut Reuters haben die Spitzen der Konservativen eine außerordentliche Sitzung einberufen, um die Wahlniederlagen zu diskutieren und zu versuchen, die Partei um den Kanzler herum wieder zu einen. Eine INSA-Umfrage zeigt, dass selbst die Mehrheit der CDU-Wähler Merz nicht mehr als die richtige Person ansieht, um die Regierung zu führen. Unter der Gesamtbevölkerung steigt der Anteil derjenigen, die Merz nicht mehr zutrauen, die Regierung zu führen, auf 78 Prozent.

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Der deutsche Kanzler Friedrich Merz (Foto: LaPresse)

Die Bundesregierung aus CDU/CSU und SPD wirkt deutlich angeschlagen. In der GMS-Umfrage erreichen die beiden Regierungsparteien zusammen nur 31 Prozent, verglichen mit 49 Prozent bei den Bundestagswahlen im Februar 2025. Ein Verlust von 18 Punkten in etwas mehr als einem Jahr.

Die „Brandmauer“ beginnt zu bröckeln

Das Wa? wachsen der AfD öffnet auch die Debatte um die sogenannte Brandmauer, das Schutzschild, mit dem die CDU Kooperationen, Koalitionen und Formen der Zusammenarbeit mit der extremen Rechten ablehnt. Die offizielle Linie der Partei hat sich nicht geändert: Merz schließt weiterhin eine Verständigung mit der AfD aus und nach den Wahlen in Sachsen-Anhalt hat er der Partei vorgeworfen, eine Politik der „Remigration“ zu unterstützen, was einer Art ethnischer Säuberung gleicht. Der Kanzler hat außerdem die pro-russischen Positionen der AfD und ihre Feindseligkeit gegenüber der Europäischen Union kritisiert.

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Die beiden AfD-Führungskräfte, Alice Weidel und Tino Chrupalla, zusammen mit dem Kanditaten aus Sachsen-Anhalt Ulrich Siegmund (Foto: AP Photo/Ebrahim Noroozi/ LaPresse)

Doch scheint sich die Haltung eines beträchtlichen Teils der Wähler zu ändern. Einer YouGov-Umfrage, die vom 11. bis 14. September unter 2.161 Personen durchgeführt wurde, zufolge sind 55 Prozent der CDU-/CSU-Wähler der Ansicht, dass andere Parteien grundsätzlich nicht ausschließen sollten, eine Zusammenarbeit mit der AfD in Betracht zu ziehen. 38 Prozent wollen hingegen den Brandmauer-Schutz beibehalten. In der Gesamtstichprobe liegt der Anteil der Befürworter einer nicht-ausschließenden Zusammenarbeit bei 51 Prozent, gegenüber 40 Prozent der Gegner. Die Daten deuten auf eine wachsende Unmut gegenüber der Brandmauer hin, beweisen aber nicht, dass in der CDU bereits Verhandlungen laufen, eine Koalition mit der extremen Rechten zu bilden.

Und die Wahlergebnisse machen es immer schwieriger, die Mauer rund um die radikale Rechte zu bewahren. In den ostdeutschen Ländern, wo die AfD in einigen Fällen über 40 Prozent liegt, kann das Bilden von Mehrheiten ohne Einbindung der AfD Koalitionen zwischen Parteien mit großen Gräben oder Minderheitsregierungen erfordern.

Genau dieser arithmetische Druck beunruhigt die CDU. Je stärker die AfD wächst, desto mehr wird Merz gezwungen, zwischen Verhandlungen mit der Linken und einer Form von Öffnung gegenüber der radikalen Rechten zu wählen. Ein Paradoxon, dem auch andere europäische Kräfte bald gegenüberstehen könnten.

Lukas Steinberger

Lukas Steinberger

Ich bin Lukas Steinberger, Redakteur bei AUSTRIA24 TV mit Fokus auf Politik und Gesellschaft. Nach meinem Journalismusstudium in Wien habe ich für verschiedene Medien gearbeitet und mich auf analytische Berichterstattung spezialisiert. Mein Ziel ist es, komplexe Themen verständlich zu machen und die Perspektiven der Menschen sichtbar zu machen.