Wer ist Gerhard Schröder, der ehemalige deutsche Bundeskanzler, mit dem Putin sprechen will?

14. Mai 2026

| Lukas Steinberger

In den letzten Stunden hat Wladimir Putin angedeutet, dass der Krieg mit Kiew möglicherweise zu einem Ende kommen könnte. Und der Mann im Kreml hat einen Namen ins Spiel gebracht, der in die Verhandlungen einbezogen werden soll – einen alten Freund, der sich nie gegen seine Invasion in der Ukraine gestellt hat. Es handelt sich um den ehemaligen deutschen Bundeskanzler Gerhard Schröder, der von 1998 bis 2005 Deutschland regierte.

Die besondere Beziehung zu Putin

Putin möchte Schröder als Vermittler im Krieg in der Ukraine einsetzen: Sein ungewöhnlicher Vorschlag hat in Deutschland unterschiedliche politische Reaktionen ausgelöst. Der Grund der Wahl liegt in der Politik des ehemaligen deutschen Bundeskanzlers. Der zweiundachtzigjährige Sozialdemokrat ist seit zwei Jahrzehnten ein treuer Unterstützer des russischen Präsidenten geblieben. Seine Weigerung, die russische Invasion von 2022 zu verurteilen, hat ihm in seiner eigenen Partei, einem Juniorpartner in der Koalition von Friedrich Merz, den Vorwurf eingebracht und ihm einige Privilegien des ehemaligen Kanzlers gekostet.

Gerhard Schroeder e sua moglie, Doris Schröder-Köpf, durante un incontro con il presidente russo Vladimir Putin (fonte Wikipedia)
 

Während seiner Amtszeit hat Schröder auch die Energieregionen zwischen Berlin und Moskau gestärkt, überzeugt davon, dass ein Russland, das durch Handel und Gas eng mit Europa verbunden ist, im Konflikt mit dem alten Kontinent zu viel zu verlieren hätte, was Deutschland sicherer machen und zugleich seine Wirtschaft fördern würde. Der ehemalige Bundeskanzler spielte außerdem eine Schlüsselrolle bei den Nord Stream 1 und 2-Gaspipelines und gehörte dem Vorstand des russischen Ölkonzerns Rosneft an, eine Position, die er 2022 aufgegeben hat.

Die politische Laufbahn

Gerhard Schröder war von 1998 bis 2005 Bundeskanzler Deutschlands. Seine politische Laufbahn entwickelte sich innerhalb der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD). Nachdem er Ende der 1970er Jahre Vorsitzender der Sozialdemokratischen Jugend (Jusos) gewesen war, wurde er 1989 Bundesvorsitzender der SPD. Im Jahr 1990, also ein Jahr später, wurde er Ministerpräsident des Landes Niedersachsen, an der Spitze einer Rot-Grünen Koalition; dieses Amt wurde er zweimal in Folge mit absoluter Mehrheit wiedergewählt.

1998 wurde Schröder als Kanzlerkandidat gegen Helmut Kohl ausgewählt. Er gewann die Bundestagswahl und wurde daraufhin Kanzler an der Spitze der ersten roten Regierungskoalition auf Bundesebene. 2002 wurde er erneut gewählt, indem er den CDU-CSU-Kandidaten Edmund Stoiber besiegte und so die Erneuerung seiner Koalition sicherte.

Die Kontroversen in Deutschland

Der Vorschlag des Inhabers des Kremls ruft innerhalb der SPD unterschiedliche Reaktionen hervor. Ein Vermittler zwischen Russland und der Europäischen Union „kann nicht einfach ein Putin-Freund sein“, erklärte Michael Roth, ehemaliger Präsident der SPD-Außenpolitik im Bundestag, dem Tagesspiegel. „Der wesentliche Punkt ist, dass Schröder zuerst von der Ukraine akzeptiert werden muss. Weder Moskau noch wir können über Kievs Entscheidungen entscheiden“, fügte er hinzu. Doch innerhalb der SPD gibt es offenere Stimmen gegenüber Putins Vorschlag. „Diese muss sorgfältig in enger Abstimmung mit unseren europäischen Partnern geprüft werden und darf von vornherein nicht kategorisch ausgeschlossen werden“, sagte Adis Ahmetović, Sprecher der SPD-Fraktion für Auswärtige Angelegenheiten im Bundestag, dem Wochenmagazin Spiegel.

„Wenn wir nicht wollen, dass Putin und Trump allein die Zukunft der Ukraine entscheiden, müssen wir jede Möglichkeit nutzen. Auch wenn sie noch so gering ist“, fügte der Abgeordnete Ralf Stegner gegenüber Der Spiegel hinzu. Aus der Opposition wird die Idee vom BSW unterstützt, einer linksliberal-nahen, pro-russischen Partei, die Anfang 2024 gegründet wurde. „Wir sollten uns an den ehemaligen Kanzler wenden. Was haben wir zu verlieren?“, sagte Afp der Parteivorsitzende Fabio De Masi. „Es gibt ernsthafte Zweifel daran, ob dies eine gute Idee ist“, entgegneten Marie-Agnes Strack-Zimmermann, Vertreterin der deutschen FDP, gegenüber den Zeitungen der Funke-Mediengruppe.

Lukas Steinberger

Lukas Steinberger

Ich bin Lukas Steinberger, Redakteur bei AUSTRIA24 TV mit Fokus auf Politik und Gesellschaft. Nach meinem Journalismusstudium in Wien habe ich für verschiedene Medien gearbeitet und mich auf analytische Berichterstattung spezialisiert. Mein Ziel ist es, komplexe Themen verständlich zu machen und die Perspektiven der Menschen sichtbar zu machen.