Der Reisende-Galateo. Füße auf den Sitzen und Freisprechtelefonie: Der Leitfaden zu guten Manieren unterwegs
Reisen mit dem Zug, Bus oder Flugzeug verwandeln sich in Albträume, echte Odysseen, die selbst dem waghalsigen Odysseus auf die Probe gestellt würden. Die Füße auf den Sitzen, Telefonate im Freisprechmodus, Videos und Musik in voller Lautstärke ohne Kopfhörer … Das sind nur einige der schlechten Angewohnheiten, die den öffentlichen Verkehr zu einem kleinen Horrorfilm des Alltags machen. Und wenn im Sommer diese Ausrutscher gegen guten Geschmack völlig unerträglich werden, gilt die Wahrheit: Sie kennen keine Saison.
Welche Regeln guter Manieren sollten wir alle beachten? Hier ist der ultimative Leitfaden zum Galateo des modernen Reisenden.
Die Füße, egal ob mit Schuhen oder barfuß (welch Graus), gehören niemals auf die Sitze
Wahrscheinlich die goldene Regel, zu der sich alle Passagiere einig sein sollten. Die Schuhe auf den Sitz gegenüber zu legen bedeutet, den Straßenschmutz dorthin zu übertragen, wo sich bald jemand setzen wird. Und nein, das Ausziehen der Schuhe macht die Situation nicht besser, im Gegenteil: Es setzt die Sitznachbarn dem unerwünschten Geruch aus. Die Füße bleiben auf dem Boden, ohne Ausnahmen. Und nein, auch Kinder dürfen keine Ausnahme bekommen.
Nicht Freisprechmodus und Lautstärke kontrollieren
Nein, das Abendmenü interessiert niemanden. Und auch nicht, welche Pläne fürs Wochenende gemacht wurden. Wenn ihr wirklich einen Anruf annehmen müsst, sprecht bitte nicht laut und aktiviert niemals den Freisprechmodus. Nutzt Kopfhörer, wenn ihr euer Smartphone ans Ohr halten wollt. Und damit gelangen wir zum dritten Punkt.
Der zwingende Einsatz von Kopfhörern
Ihr seid nicht zu Hause, auf eurem Sofa, sondern in einem öffentlichen Verkehrsmittel. Um Musik zu hören, eine Serie zu schauen, ein Video, Reel oder TikTok zu sehen, muss man immer Kopfhörer verwenden. Habt ihr keine Kopfhörer? Die einzig akzeptable Wahl ist der Stummmodus mit Untertiteln.
Achtung auf die persönliche Frische
Das Thema Hygiene ist heikel, aber zentral, besonders in den wärmeren Monaten. Respekt bedeutet allerdings auch, das Gegenüber nicht zu überfordern: Eine ganze Flasche Parfüm vor dem Einstieg in einen vollen Bus zu entleeren, kann genauso lästig sein. Es gibt Grenzsituationen, wie in einer überfüllten U-Bahn, in der die Luft spürbar schlechter ist, weil die Klimaanlage in vielen Wagen nicht zuverlässig funktioniert. Der zentrale Punkt bleibt jedoch, dass man beim Einsteigen in öffentliche Verkehrsmittel auf seine persönliche Frische achten sollte.
Rucksäcke am Boden in vollen Verkehrsmitteln
Das Platznehmen eines Rucksacks oder einer Tasche auf einem Sitz in vollen Verkehrsmitteln ist unangebracht. Gepäck gehört in die Pfege-, Dach- oder Unterwegs-Räume, oder auf die eigenen Beine. Und wenn der Rucksack groß ist und man steht, sollte man ihn von den Schultern nehmen und auf den Boden stellen.
Zuerst aussteigen lassen, dann einsteigen
Es mag logisch klingen, wird aber an Haltestellen von U-Bahn und Bus mit erschreckender Regelmäßigkeit ignoriert. Ein Engpass entsteht oder es wird versucht, einzusteigen, während andere aussteigen – das verlangsamt den Betrieb und verursacht unnötige Spannungen. An den Türen seitlich stehen und den zentralen Durchgang frei halten, das ist das erste Gebot der urbanen Mobilität.
Bambini a Bord: Libertà sì, ma con senso della misura
Kinder haben das Recht zu reisen und ihre Lebensfreude zu zeigen, und es ist die Pflicht der anderen Passagiere, Verständnis und Toleranz zu zeigen. Dennoch gibt es eine Grenze. Ein kleines Herumtoben im Gang, auch ein wenig Gezeter, ist natürlich okay, doch alles hat eine Grenze – besonders bei längeren Reisen. Die Vitalität der Kleinen sollte von den Eltern in passende Reiseaktivitäten gelenkt werden: Keine Tritte gegen die Rückenlehne des Vordermanns oder ständiges Schreien.
Respektiere den persönlichen Raum anderer
Die persönlichen Grenzen sollten niemals verletzt werden. Die Praxis des sogenannten Manspreading (mit weit geöffneten Beinen sitzen und zwei Plätze beanspruchen) ist abzuraten, ebenso der Ellbogenkrieg auf der gemeinsamen Armlehne. Die Haare am Rücken des Vordermanns herunterfallen zu lassen und damit den Raum des Hinteren zu beeinträchtigen, sollte absolut vermieden werden.
Auf Essen achten: Keine intensiven Gerüche
Während der Reise sollte man sich besser auf einen kleinen, leichten und sauberen Snack beschränken, der höchstens ein paar Krümel hinterlässt. Da Mahlzeiten an Bord – besonders im Zug – weit verbreitet sind, ist es wichtig, auf das Mitgebrachte zu achten: Gerichte mit starkem Geruch wie Fast Food, frittierte Speisen, hart gekochte Eier, Thunfisch oder Sandwiches mit Zwiebeln und Knoblauch sollten vermieden werden. Die intensiven Dämpfe bleiben lange in den Kabinen und machen die Luft für andere Passagiere zu einer echten Zumutung.