Geheimmission des CIA-Chefs in Moskau und USA-Warnung vor einem möglichen russischen Angriff auf die NATO

28. August 2026

| Lukas Steinberger

Eine geheime Mission im Zentrum von Moskau, um dem Kreml eine sehr klare Botschaft zu übermitteln: Versucht nicht, ein NATO-Mitgliedsland anzugreifen. Das soll eines der Ziele der überraschenden Reise des CIA-Direktors John Ratcliffe nach Russland gewesen sein, so der Bericht des Wall Street Journal und bestätigt durch weitere Quellen bei CBS und bei ABC.

Hinter der ungewöhnlichen Mission sollen neue Bewertungen der US-Geheimdienste zu Putins Absichten stehen. Amerikanische Analysten halten es in den kommenden Jahren für möglich, dass Moskau versuchen könnte, die Stabilität der Atlantischen Allianz mit einer begrenzten, aber schweren Aktion auf die Probe zu stellen – eine Krise hervorzurufen, aber so konzipiert, dass sie eine rasche und geschlossene militärische Reaktion der Verbündeten erschweren könnte.

Die Hypothese eines russischen Angriffs auf die NATO

Die von den US-Behörden geprüften Szenarien reichen von groß angelegten Cyberangriffen oder anderen hybriden Operationen bis hin zu einer begrenzten Bodeninvasion in ein NATO-Land. Die baltischen Staaten – Estland, Lettland und Litauen – würden als besonders verwundbare Gebiete gelten.

Es bedeutet nicht, dass Washington über Informationen verfügt, wonach Putin bereits beschlossen habe, die NATO anzugreifen. Es handelt sich um eine Risikobewertung des Geheimdienstes, die jedoch eine Abkehr von früheren Analysen darstellt: Bis vor Kurzem hielten die USA es für unwahrscheinlich, dass Moskau die Allianz direkt provozieren könnte, während es noch in dem Krieg in der Ukraine engagiert war.

Das Ziel einer möglichen begrenzten Aktion könnte nach dieser Lesart genau darin bestehen, zu prüfen, wie weit die Verbündeten bereit sind, das Prinzip der kollektiven Verteidigung anzuwenden, das im Artikel 5 des Nordatlantikvertrags verankert ist.

Das Problem der US-Munitionsvorräte

Eine weitere Sorge in Washington betrifft zudem die Munitionsvorräte. Das Wall Street Journal berichtet, dass die USA die Verfügbarkeit einiger Munitionen, die in einem potenziellen Hochintensitätskonflikt mit Russland oder China als entscheidend gelten, deutlich reduziert haben – nach Jahren der Lieferung an die Ukraine und dem Einsatz von Waffen im Konflikt mit dem Iran. Zu den von der amerikanischen Zeitung genannten Systemen zählen die taktischen ATACMS-Raketen, Langstrecken-Präzisionsschlagsysteme und die tragbaren Stinger-Flugabwehrraketen.

Eine Verwundbarkeit, die laut anonymen Beamten des Blatts in die Überlegungen des Kremls einfließen könnte.

Ratcliffe hat Putin nicht getroffen

Ein weiterer wichtiger Punkt. Entgegen einiger erster Berichte soll Ratcliffe Putin nicht direkt getroffen haben. Zumindest laut Moskau. Der Kreml-Sprecher Dmitry Peskow bestätigte die Anwesenheit des CIA-Direktors in Moskau und seine Gespräche mit Vertretern russischer Geheimdienste. Putin sei, so Peskow, später über den Inhalt der Gespräche informiert worden.

Es handelt sich dennoch um einen außergewöhnlichen Besuch. Der zuletzt bekannte Besuch eines CIA-Direktors in der russischen Hauptstadt datiert auf November 2021, als der damalige Agenturchef William Burns nach Moskau reiste, um dem Kreml die Folgen einer Invasion in der Ukraine zu erläutern. Drei Monate später, am 24. Februar 2022, befahl Putin den Angriff.

Trump bestreitet: „Eine halb routinemäßige Mission“

Die Version des Weißen Hauses ist jedoch eine andere. Donald Trump, befragt zum Ratcliffe-Besuch, bezeichnete ihn als eine ‚halb routinemäßige Mission‘ und wies zurück, dass der CIA-Chef nach Moskau gereist sei, um über einen möglichen russischen Angriff auf die NATO oder über US-Druckmittel gegen den Iran zu beraten. ‚Wir arbeiten sehr hart daran, den Krieg zu beenden‘, sagte Trump im Bezug auf die Ukraine, und fügte hinzu, dass aus der Mission möglicherweise dennoch etwas hervorgehen könnte.

Lukas Steinberger

Lukas Steinberger

Ich bin Lukas Steinberger, Redakteur bei AUSTRIA24 TV mit Fokus auf Politik und Gesellschaft. Nach meinem Journalismusstudium in Wien habe ich für verschiedene Medien gearbeitet und mich auf analytische Berichterstattung spezialisiert. Mein Ziel ist es, komplexe Themen verständlich zu machen und die Perspektiven der Menschen sichtbar zu machen.