Qatargate-Untersuchung dreht sich neu – belgische Geheimdienstagenten unter Verdacht

21. Dezember 2025

| Lukas Steinberger

Der Leck zum Qatargate-Skandal droht nun, einigen der Ermittler teuer zu stehen. Vor Jahren hatten Politiker, die in die Untersuchung involviert waren, die Verletzung des Untersuchungsgeheimnisses durch belgische Justiz- und Polizeibehörden beklagt, als ihre Namen in Zeitungen in ganz Europa erschienen waren. Und in den jüngsten Stunden stehen mehrere hochrangige Beamte, die bei den Razzien vom 9. Dezember 2022 anwesend waren, im Aktenverzeichnis der Beschuldigten.

Beschuldigte wegen der Weitergabe geheimer Informationen

Nach den Anzeigen der damaligen Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments Eva Kaili, ihres Lebensgefährten Francesco Giorgi und der ehemaligen EU-Abgeordneten Maria Arena hat die belgische Justiz ein Aktenzeichen eröffnet, das ins Zentrum der Ermittlungen reicht: Der gravierendste Name ist der Direktor des belgischen Antikorruptionsbüros (OCRC), Hugues Tasiaux, der im Februar festgenommen, angeklagt und umgehend seines Amtes enthoben wurde. Aus der Auswertung seiner digitalen Geräte wird ihm unbefugter Kontakt zu Journalisten vorgeworfen, die dem Qatargate zunächst eine Stimme gaben: die französischsprachige Le Soir und die flämische Knack.

Und genau vom Telefon Tasiaux‘ aus ergibt sich das heikelste Detail: Unter mehr als 125.000 Bildern zeigt ein Screenshot einen Signal-Chat mit dem Namen ‚KnackSoirQatar‘. Die Aufnahme dokumentiert ein Gespräch vom 8. Dezember 2022, dem Vorabend der Razzien, in dem zwei Journalisten dem Kommissar Entwürfe der Artikel für den Folgetag zusandten und um Überarbeitungen sowie Bestätigungen baten. Ein stillschweigendes Einvernehmen, das sich auch in weiteren abgefangenen Meldungen des Generalinspektorats wiederfindet, darunter eine Nachricht vom 28. November 2022 über ein Treffen mit der Presse und eine mögliche Beteiligung der Dienste, die nie in offiziellen Archiven registriert wurde. Tasiaux und der Leiter der Untersuchungen, Bruno Arnold, der ebenfalls vernommen wurde, verteidigten sich mit dem Hinweis auf „Fehler“ und beriefen sich auch auf den ehemaligen Staatsanwalt Raphael Malagnini sowie den ehemaligen Untersuchungsrichter Michel Claise, die beide mittlerweile vom Fall Abstand genommen haben.

Was geschieht nun

Es handelt sich erneut um Material, das den Überprüfungsprozess der Arbeitsweise der Justiz speisen soll, der 2023 mit vier Leitlinien eröffnet wurde: das Vorgehen der Geheimdienste, die mutmaßlichen Verstöße gegen die Parlamentsimmunität und das Untersuchungsgeheimnis, der Interessenkonflikt, der Claise erschüttert hat – der daraufhin aus dem Amt schied – sowie die Glaubwürdigkeit der Aussagen des ehemaligen EU-Abgeordneten und Kronzeugen Panzeri. Die Voruntersuchungen bleiben in einer Art Schwebezustand – belgisches Recht kennt keine festen Fristen für die Einleitung neuer Anklagen oder für AktenEinstellungen – und der Zeitplan geht weiter in die Länge. Sollte der Abschluss der Revisionsprüfung zwischen Ende Februar und Anfang März feststehen, mehren sich in Brüssel die Stimmen, die befürchten, dass das Verfahren nie vor Gericht kommen könnte.

Lukas Steinberger

Lukas Steinberger

Ich bin Lukas Steinberger, Redakteur bei AUSTRIA24 TV mit Fokus auf Politik und Gesellschaft. Nach meinem Journalismusstudium in Wien habe ich für verschiedene Medien gearbeitet und mich auf analytische Berichterstattung spezialisiert. Mein Ziel ist es, komplexe Themen verständlich zu machen und die Perspektiven der Menschen sichtbar zu machen.