Ich bereite meinem Mann das Mittagessen vor – Phänomenologie der Social-Media-Seite zur Jausenbox

14. August 2026

| Lukas Steinberger

Mittagessen für den Ehemann zuzubereiten und dabei jedes Mal eine Zuschauerzahl von fast 90.000 zu fesseln; es so zu präsentieren, wie es kommt, ohne die Vertrautheit einer Benedetta Rossi zu besitzen, geschweige denn mit der Zubereitung eines Gastkochs bei Antonella Clerici zur Mittagszeit im Rai-1-Programm. Es so zuzubereiten, als sei es zufällig, mit einer scheinbaren Gleichgültigkeit, die die Apotheose der Ungenauigkeit ist, eine Lobpreisung der gemütlichsten, landegglichen Einfachheit: Zutaten aus dem Kühlschrank, dem Gefrierschrank oder der Vorratskammer, zusammengefügt ohne einen klaren logischen und ernährungsphysiologischen Zusammenhang, gerührt mit einem Kochlöffel, der wie eine Kelle verwendet wird, stark geschüttelt, in einem Einweg-Plastikbehälter.

Dieses Format, so banal wie zugleich anziehend, macht die Dame Claudia Landi zur unverwechselbaren Protagonistin einer der aktuell meistkommentierten Social-Media-Seiten – die Urheberin fragwürdiger und heftig diskutierter Jausenboxen, die auf dem Küchentisch liegen, zu der sich jeder eingeladen zu fühlen scheint, hineinzusehen. Um nur zuzuschauen, versteht sich, denn schon das Kosten, angesichts der Bemerkungen der Follower, würde sich niemand wagen.

Denn während die „Köchin“ am Ende jedes Videos ein „voilà“ ausspricht, mit einem selbstzufriedenen Lächeln, ironisiert die Öffentlichkeit den Ablauf, das Ergebnis des Zusammenfassens und den „armen Mann“, der von diesem Gericht ernährt wird, widerwillig. Und so werden die Sprüche zu integralen Bestandteilen jedes Videos, unverzichtbare Elemente eines so komischen Drehbuchs, das die Nutzer zum Lächeln bringt – und sie selbst, die Autorin vor allem, die längst weiß: zu unterhalten gelingt mühelos, mit dieser Art, sich zu arrangieren, die unter der Oberfläche allen etwas gemeinsam ist, wenn Hunger und Müdigkeit zu Verbündeten werden. Und sie nimmt daran teil, hat Spaß daran – fast schon beneidenswerte Selbstironie in einer Zeit von Künstlichkeit und Überhöhung.

 
 
 
 
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Kategorien Leben

Lukas Steinberger

Lukas Steinberger

Ich bin Lukas Steinberger, Redakteur bei AUSTRIA24 TV mit Fokus auf Politik und Gesellschaft. Nach meinem Journalismusstudium in Wien habe ich für verschiedene Medien gearbeitet und mich auf analytische Berichterstattung spezialisiert. Mein Ziel ist es, komplexe Themen verständlich zu machen und die Perspektiven der Menschen sichtbar zu machen.