Hantavirus: MV Hondius in Teneriffa angekommen – Was passiert jetzt mit den Passagieren?

15. Mai 2026

| Lukas Steinberger

Das Kreuzfahrtschiff Mv Hondius traf im Hafen von Granadilla auf Gran Canaria ein, um die Evakuierung der Passagiere und eines Teils der Besatzung zu ermöglichen. Den Angaben der spanischen Behörden zufolge würden die an Bord befindlichen Personen von den spanischen Gesundheitsbehörden getestet und anschließend mit kleinen Booten an Land gebracht.

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Der Ausbruch

Die Mv Hondius hatte Ushuaia in Argentinien am 1. April 2026 verlassen und war einer Reiseroute über den Südatlantik gefolgt, mit mehrfachen Stopps in entlegenen Regionen, darunter die Antarktis, Südgeorgien, Nightingale Island, Tristan da Cunha und Saint Helena. 

Am 6. April brach an Bord ein Hantavirus-Ausbruch aus, ein vom Nagetier übertragenes Virus, das schwere Atemwegs- oder Blutkrankheiten verursachen kann, der zunächst ein Ehepaar betraf und später weitere Passagiere infizierte. Neunundzwanzig von ihnen waren ausgestiegen, bevor Quarantänemaßnahmen umgesetzt wurden, und befinden sich nun unter Beobachtung.

Die Passagiere werden repatriiert

Derzeit sind insgesamt 8 Fälle im Zusammenhang mit dem Schiff-Ausbruch gemeldet. Keiner der an Bord befindlichen Personen zeigte Symptome, aber der Inkubationszeitraum der Anden-Variante kann bis zu sechs Wochen dauern.

Nach Angaben von Regierungsbehörden werden die ersten an Land gehen Passagiere spanischer Staatsangehörigkeit sein, gefolgt von Gruppen anderer Nationalitäten. Die Passagiere werden daher zum Flughafen gebracht, wo sie in Direktflüge in ihre jeweiligen Herkunftsländer einsteigen. Dreißig Besatzungsmitglieder bleiben an Bord, um Kurs auf die Niederlande zu nehmen, wo das Schiff einer Desinfektion unterzogen wird.

Für die WHO sind alle Passagiere „hochriskante Kontakte“

Die Weltgesundheitsorganisation hat alle Personen an Bord als Kontakte mit „hohem Risiko“ definiert und daher wird empfohlen, sie aktiv über 42 Tage hinweg zu überwachen. Maria Van Kerkhove, Leitung der WHO für Epidemien- und Pandemievorsorge, betonte, dass das Risiko für die Allgemeinbevölkerung und für die Bewohner der Kanarischen Inseln insgesamt gering bleibe.

Experten der UN-Gesundheitsbehörde beruhigten, es handle sich nicht um den Beginn einer Epidemie oder gar einer Pandemie. Dennoch sei möglich, dass weitere Fälle im Zusammenhang mit dem Ausbruch auftreten könnten, angesichts der langen Inkubationszeit des Virus. Um eine zeitnahe Reaktion sicherzustellen, wurden zudem 2.500 diagnostische Kits aus Argentinien an Labore in fünf Ländern geliefert.

Burioni: „Covid hat uns nichts beigebracht“. In Italien werden 4 Risikokontakte überwacht

Die Entscheidung, die Passagiere des Schiffes zu evakuieren und nach Hause zu schicken, stieß beim Virologen Roberto Burioni vom San Raffaele Hospital in Mailand auf Kritik. In seinem Substack-Newsletter äußerte er sich dazu: „Die Passagiere werden an Land gehen. Und es wird Unglaubliches passieren.“ In einem X-Beitrag, der eine Passage seines Artikels enthält, heißt es weiter: „Vierzig Tage nach der Abfahrt von Ushuaia, nach drei Todesfällen, nach Wochen der Isolation und schwebender Quarantäne, geht die ozeanische Phase der Angelegenheit zu Ende. Eine weitere beginnt – unglaublich surreal.“

„Denn unter diesen Passagieren – heißt es in dem Beitrag – alle stiegen aus dem selben Schiff und alle trugen dasselbe biologisches Risiko, wird ein Amerikaner in den nächsten sechs Wochen in einem militärischen Krankenhaus isoliert sein, während ein Österreicher die Aufforderung erhält, zu Hause zu bleiben, die Erlaubnis zu haben, sich zu bewegen, wenn er nervös ist oder zum Arzt muss, und wöchentlich wird er angerufen und gefragt ‚Wie geht es dir?‘. Klingt das nicht unglaublich? Mir auch. Aber so ist es.“ Und Burioni zufolge zeigt dies, dass „Covid uns wirklich nichts beigebracht hat.“

Unterdessen teilte das Gesundheitsministerium gestern mit, dass in Italien vier Personen unter Beobachtung stehen. Es handelt sich um Passagiere des KLM-Fluges nach Amsterdam, auf dem eine mit Hantavirus infizierte Frau an Bord gestiegen und später krank geworden war. Die Kontaktpersonen der vier Passagiere wurden vom Gesundheitsministerium registriert und den zuständigen Regionen (Kalabrien, Kampanien, Toskana, Venetien) gemeldet.

Lukas Steinberger

Lukas Steinberger

Ich bin Lukas Steinberger, Redakteur bei AUSTRIA24 TV mit Fokus auf Politik und Gesellschaft. Nach meinem Journalismusstudium in Wien habe ich für verschiedene Medien gearbeitet und mich auf analytische Berichterstattung spezialisiert. Mein Ziel ist es, komplexe Themen verständlich zu machen und die Perspektiven der Menschen sichtbar zu machen.