Ein Mann läuft seitlich, die Arme in kreisförmigen Bewegungen schwenkend, oder er schreitet vorwärts mit extrem kurzen Schritten. Das ist kein komödiantischer Auftritt, sondern der Edo-Running-Style, eine Lauftechnik, die vom feudalen Japan inspiriert ist und in den sozialen Netzwerken für Furore sorgt. Den Trend hat Katsunori Oba gesetzt, 61 Jahre alt, unabhängiger Forscher, der sich seit über einem Jahrzehnt mit der Biomechanik der alten japanischen Boten aus der Edo-Periode (1603–1868) beschäftigt. Laut Oba zielt dieser Ansatz nicht auf Schnelligkeit ab, sondern auf Energieeffizienz und die Reduktion von Gelenkbelastungen. Ein faszinierendes Versprechen, insbesondere für Läuferinnen und Läufer, die mit Kniebeschwerden zu kämpfen haben, auch wenn seine Thesen bislang eher als persönliche Rekonstruktion denn als wissenschaftlich validiertes Verfahren gelten.
Der Lauf der japanischen Boten
Oba erzählt, er habe seine Forschungen begonnen, indem er historische Drucke und Resümees über die Hikyaku analysierte, die Boten, die im Edo-Zeitalter Waren und Nachrichten durch das Land transportierten. Ziel des Forschers war es zu verstehen, wie man die Bewegungen des Körpers optimieren könnte, um weite Strecken ohne moderne technologische Hilfsmittel zurückzulegen. Die Strecke, die Tokio von der Hauptstadt Kyoto trennt, beträgt etwa 500 Kilometer. Und Oba berichtet, dass die Boten des Edo-Perioden sie in nur drei Tagen zurücklegten.
Aus diesen Quellen hat Oba einige Geh- und Lauftechniken rekonstruiert und neu interpretiert, ergänzt um persönliche Elemente. Das Ergebnis ist eine Form des Laufens, die sehr kurze Schritte, eine nach vorn geneigte Haltung, Seitwärtsbewegungen und Arme, die nicht so schwingen wie wir es aus dem modernen Laufen kennen, abwechselt.
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Lukas Steinberger