Frankreich stärkt die Armee: 800 Euro pro Monat für Jugendliche, die den freiwilligen Wehrdienst leisten

19. Januar 2026

| Lukas Steinberger

Dreissig Jahre nach dem Ende der Wehrpflicht in Frankreich kehrt das Land die Debatte über das Verhältnis von Jugend und Verteidigung wieder auf. Doch ohne die allgemeine Wehrpflicht wieder einzuführen. Das vom Präsidenten Emmanuel Macron angekündigte und nun von der Regierung detailliert ausgearbeitete Projekt zielt darauf ab, einen neuen nationalen Freiwilligendienst zu schaffen, der als Baustein einer umfassenderen Transformation der Streitkräfte gedacht ist.

Nach Aussagen der Ministerin Catherine Vautrin soll das Ziel darin bestehen, die Entwicklung zu einer ‚hybrideren‘ Armee zu begleiten, die aktives Personal, Reservisten und neue Freiwillige integrieren kann. Gegenwärtig zählen die französischen Streitkräfte etwa 200.000 operative Soldaten und 47.000 Reservisten; erstere sollen bis 2030 auf 80.000 anwachsen. Der neue Dienst fügt sich in dieses Bild ein, ohne Brüche, aber mit einem schrittweisen Anstieg der Zahlen.

Fortschrittliche Rekrutierung, steigende Zahlen

Der Plan sieht einen vorsichtigen Start vor: 3.000 Freiwillige im Jahr 2026, 4.000 im Jahr 2027, bis 10.000 Einheiten pro Jahr bis 2030 erreicht werden. Das vom Regierung festgelegte Ziel liegt bei insgesamt 42.500 Jugendlichen, die bis 2035 beteiligt sein sollen. Ein schrittweiser Anstieg, der sowohl organisatorische Grenzen widerspiegelt als auch den Willen zeigt, das Modell zu testen, bevor es ggf. erweitert wird.

Im politischeren Bereich wollte die Regierung einen sensiblen Punkt klären: Die Aufnahme in den Dienst impliziert nicht automatisch Einsätze im Krieg. Eine allgemeine Mobilisierung, so wiederholt, würde jedenfalls eine Abstimmung des Parlaments erfordern und bliebe eine Ausnahmemaßnahme, die seit dem Zweiten Weltkrieg nie angewendet wurde.

Wer kann teilnehmen und unter welchen Bedingungen

Der Dienst wird vor allem jungen Menschen geöffnet: etwa 80% der Ausgewählten sind zwischen 18 und 19 Jahre alt. Die verbleibenden 20% setzen sich aus qualifizierteren Profilen zusammen – Ingenieure, Datenanalysten, Pflegekräfte – die bis zu 25 Jahre alt sein können, mit Dienstgraden, die den Rang eines Kadetten oder ersten Offiziers entsprechen.

Die Auswahl erfolgt auf der Grundlage der medizinischen Eignung, der persönlichen Motivation und der operativen Bedürfnisse der Streitkräfte. Den Freiwilligen stehen etwa 800 Euro brutto pro Monat zu, plus Unterkunft für die gesamte Dienstzeit, die auf zehn Monate festgelegt ist.

Eine Investition von Milliarden Euro

Die vorgesehenen Aufgaben decken ein breites Spektrum ab: von der Infanterie bis zu Drohnenpiloten, von der Sicherheit der Luftstützpunkte bis zur Unterstützung bei den Simulatoren der Luftfahrt. Auch die Marine wird beteiligt sein: Ein Freiwilliger von fünf, der diesem Korps zugeteilt wird, wird an Bord von Schiffen eingesetzt.

Während der Dienstzeit wird es möglich sein, das Studium fortzusetzen, in die operative Reserve zu treten oder die Berufssoldatenlaufbahn zu wählen. Am Ende bleiben die Teilnehmer, wie es bei dem im Ruhestand befindlichen Militär der Fall ist, in der Reserve für fünf Jahre eingeschrieben, mit der Möglichkeit, für maximal fünf Tage pro Jahr wieder einberufen zu werden.

Die Gesamtausgabe, die für den Zeitraum 2026-2030 vorgesehen ist, wird auf 2,3 Milliarden Euro geschätzt, wovon 1,4 Milliarden für Infrastruktur vorgesehen sind. Allein für das Jahr 2026 sind bereits 150 Millionen vorgesehen. Neben der organisatorischen Umsetzung wird die Regierung eine flächendeckende Informationskampagne starten: regionale Presse, eine eigens eingerichtete Website, soziale Netzwerke und offizielle Präsentationen bei institutionellen Veranstaltungen wie der Verteidigungsveranstaltung und dem ‚Tag der Mobilisierung‘, dem neuen Namen des traditionellen Tages der Bürgerschaft. Die klare Erkenntnis ist also, dass Frankreichs Schritt in einer zunehmend unsteten Welt einen weiteren Schritt in Richtung Aufrüstung darstellt. Für viele bleibt dies die einzige echte Garantie der Autonomie des alten Kontinents.

Lukas Steinberger

Lukas Steinberger

Ich bin Lukas Steinberger, Redakteur bei AUSTRIA24 TV mit Fokus auf Politik und Gesellschaft. Nach meinem Journalismusstudium in Wien habe ich für verschiedene Medien gearbeitet und mich auf analytische Berichterstattung spezialisiert. Mein Ziel ist es, komplexe Themen verständlich zu machen und die Perspektiven der Menschen sichtbar zu machen.