Highlights auf der europäischen Agenda
Der Krieg im Nahen Osten – Der neu entfachte Konflikt zwischen Israel und Hisbollah im Libanon sowie die mögliche Ausweitung des Krieges auf den Iran werden im Mittelpunkt der Diskussionen während des Europäischen Rats am Donnerstag, den 17. und Freitag, den 18. Oktober stehen. Die Staats- und Regierungschefs der EU arbeiten an einer gemeinsamen Position, jedoch ist es wie so oft bei allem, was Israel betrifft, eine schwierige Aufgabe, einen Konsens zu finden. Die EU-Länder teilen sich in diejenigen, die kritischer gegenüber Israel sind, und jene, die uneingeschränkte Unterstützung befürworten.
Israel zieht zu stark an der Kurbel – Die Rhetorik könnte in diesem Fall schärfer ausfallen, denn nicht mehr nur iranische Milizen oder palästinensische und libanesische Zivilisten geraten durch israelische Streitkräfte ins Visier, sondern auch westliche Soldaten. Mehrere UN-Missionen, wie die UNIFIL-Truppen im Libanon, wurden getroffen, wobei einige Blauhelme verletzt wurden. „Das ist eine äußerst ernste Entwicklung, und die EU-Staaten müssen nun entscheiden, ob Israel zu weit gegangen ist“, kommentierte eine diplomatische Quelle der Gemeinschaft.
Weiterer Zinsschnitt bei der EZB – Am Donnerstag, den 17. Oktober, wird die Europäische Zentralbank eine neue Entscheidung zur Zinspolitik treffen. Fast alle Analysten rechnen mit einer weiteren Kürzung um 0,25 %, nachdem die Inflation im Euroraum diesen Monat erstmals seit 2021 unter die Zielmarke von 2 % gefallen ist. Dies würde eine Beschleunigung der bisherigen Zeitpläne bedeuten, denn ursprünglich wurde ein solcher Schritt erst für Dezember erwartet.
Frühere Maßnahmen, schnellere Änderungen – Am 12. September hatte die EZB bereits den Leitzins um 0,25 % gesenkt, nach der Erhöhung im Juni, wodurch der Einlagezins von 3,75 % auf 3,5 % fiel. Die bisherige Planung sah vor, den Zins alle drei Monate weiter zu senken, um im September 2025 bei 2,5 % zu landen. Aufgrund der aktuellen wirtschaftlichen Verbesserungen könnten diese Pläne jedoch angepasst werden.
Der neue Zinssatzrhythmus – Da die Inflation bereits unter die 2 %-Marke gesunken ist, prognostizieren Experten, dass die EZB am 17. Oktober den Einlagenzins erneut um 0,25 % reduzieren könnte. Dieser Trend könnte sich bei jeder Sitzungsrunde (alle sechs Wochen) bis März fortsetzen, mit weiteren Kürzungen im Juni und Dezember, um den Leitzins schrittweise auf 2 % zu senken.
Weitere entscheidende Themen
Neue Sanktionen gegen den Iran – Der Außenministerrat am Montag, den 14. Oktober, soll neue Sanktionen gegen iranische Einzelpersonen und Organisationen verabschieden. Diese Maßnahmen sollen den Iran für den Transfer ballistischer Raketen an Russland im Rahmen des Krieges in der Ukraine bestrafen. Ähnliche Strafmaßnahmen wurden bereits von den USA, Großbritannien, Frankreich und Deutschland verhängt.
Zurück bei 28 Mitgliedern – Der Rat wird für kurze Zeit wieder aus 28 Mitgliedern bestehen, wie vor der Brexit-Entscheidung. Beim Mittagessen wird auch der britische Außenminister David Lammy teilnehmen, wenn auch nur in einem informellen Austausch. Die regierende Labour-Regierung unter Keir Starmer hat versprochen, die Beziehungen zur EU „vernünftig und sinnvoll“ neu zu gestalten.
Erweiterungsprozess – Am Mittwoch, den 16. Oktober, präsentiert die Europäische Kommission das Erweiterungspaket, das den aktuellen Stand der Beitrittsverhandlungen zusammenfasst. Nominierte Kandidaten für den Beitritt sind: Bosnien, die Ukraine, Montenegro, Serbien, Moldawien und die Türkei, die bereits Verhandlungen aufgenommen haben, sowie Georgien, Albanien und Nordmazedonien, welche den Status eines Beitrittskandidaten besitzen. Der Kosovo gilt als potenzieller Kandidat, der noch auf den Start der Verhandlungen wartet.
Kritik an Georgien – Es wird eine Ermahnung an Tiflis erwartet, nachdem die Regierung eine kontroverse Gesetzesvorlage zu „ausländischen Agenten“ verabschiedet hat. Kritiker sehen darin ein Instrument, um westlich unterstützte Nichtregierungsorganisationen und Medien zu schwächen, ähnlich wie in Russland unter Putin.
Westbalkanstaaten – Am Montag, den 14. Oktober, wird Bundeskanzler Olaf Scholz den Berlin Process Summit leiten, eine Zusammenkunft seit 2014, um die Zusammenarbeit zwischen den sechs Ländern des Westbalkans (Albanien, Bosnien, Kosovo, Montenegro, Nordmazedonien und Serbien) und europäischen Partnern zu vertiefen. Die Präsidentin der Europäischen Kommission Ursula von der Leyen wird ebenfalls anwesend sein.
Atomkraft – Pro oder Contra? – Beim EU-Agrar- und Umweltministerrat am Montag, den 14. Oktober, wird auch die zukünftige Rolle der Kernenergie im Rahmen der Klimapläne diskutiert. Besonders Frankreich und einige andere Staaten möchten, dass die Atomenergie im europäischen Maßnahmenplan für die Erreichung der Klimaziele eine Schlüsselrolle spielt.
Atomenergieziel verdreifachen – Während der Klimakonferenz im vergangenen Jahr unterzeichneten 22 Staats- und Regierungschefs eine Erklärung, die vorsieht, den Anteil der Atomkraft bis 2050 zu verdreifachen. Unter den Unterzeichnern befinden sich neben Frankreichs Präsident Emmanuel Macron auch die Führungen von Bulgarien, Kroatien, Tschechien, Finnland, Ungarn, den Niederlanden, Polen, Rumänien, Slowakei, Slowenien und Schweden.
Teure Energie – Bei der energierelevanten Ratssitzung am Dienstag, den 15. Oktober, sprechen die Minister über die Unterschiede bei den Großhandelspreisen für Strom innerhalb der EU. Griechenland sowie andere südeuropäische Länder haben hohe Preisanstiege im Sommer beobachtet und drängen auf eine koordinierte Lösung auf europäischer Ebene.
Abschied vom russischen Gas – Es wird auch über die Folgen diskutiert, nachdem die Ukraine den Vertrag mit Russland zur Transitlieferung von Gas auf ihrem Gebiet nicht verlängert. Für Länder wie Österreich und Ungarn könnte dies Versorgungsprobleme bedeuten, weshalb bereits Alternativen geprüft werden.
Gipfeltreffen der Golfstaaten – Am Mittwoch, den 16. Oktober, findet in Brüssel der erste Gipfel des EU-Golfkooperationsrats statt. Teilnehmer sind die Führungsriegen der Vereinigten Arabischen Emirate, Bahrain, Saudi-Arabien, Oman, Katar und Kuwait. An dem Treffen mit den europäischen Vertretern wird auch der italienische Außenminister Luigi Di Maio teilnehmen, der im Juni 2022 zum EU-Sonderbeauftragten für den Golf ernannt wurde.
Europäisches Parlament
Hilfe für die Ukraine – Kredite – Am Montag, den 14. Oktober, stimmt die Ausschuss für internationalen Handel über ein umfassendes Finanzhilfe-Paket für die Ukraine ab. Dieses umfasst einen Mechanismus für Kredite bis zu 45 Milliarden Euro sowie ein außergewöhnliches Makrofinanzhilfe-Darlehen von bis zu 35 Milliarden Euro. Das Paket basiert auf den Sondergewinnen, die durch eingefrorene russische Vermögenswerte erzielt werden.
Sakharov-Preis 2024 – Die Ausschüsse für Außenpolitik und Entwicklung wählen die drei Finalisten für den Sakharov-Preis 2024 für Meinungsfreiheit aus. Nominiert sind Oppositionsvertreter aus Venezuela, israelisch-palästinensische Friedensorganisationen wie „Women Wage Peace“ und „Women of the Sun“, der Unternehmer Elon Musk, der azerbaijische Dissident Gubad Ibadoghlu (hier ein Interview mit seiner Tochter) sowie palästinensische Journalisten.
Prioritäten der ungarischen EU-Ratspräsidentschaft – Am Montag, den 14. Oktober, stellen ungarische Minister ihre Prioritäten in der Ausschusssitzung für Verkehr und Tourismus vor.
Zwei Staaten, eine Lösung – Die Sozialisten organisieren im Europäischen Parlament eine Konferenz zum Thema Frieden im Nahen Osten und der Zwei-Staaten-Lösung. Das Hauptreferat hält Josep Borrell, EU-Hochvertreter für Außen- und Sicherheitspolitik.
Weitere bedeutende Ereignisse
Rutte bei der NATO – Debüt als Generalsekretär – Die NATO-Verteidigungsminister kommen am 17. und 18. Oktober im NATO-Hauptquartier in Brüssel zusammen. Dabei wird erstmals der neue Generalsekretär Jens Stoltenberg offiziell durch den niederländischen Premierminister Mark Rutte ersetzt.
Freie Tabakwaren? – Am Donnerstag, den 17. Oktober, entscheidet der Europäische Gerichtshof über eine Klage gegen die italienischen Regelungen für den Verkauf von Tabakwaren. Zudem wird das Gericht eine Beschwerde der Firma Sony gegen ein deutsches Softwareunternehmen prüfen, das Software für modifizierte PlayStations herstellte.
Verteidigung und Sicherheit – Am Mittwoch, den 16. Oktober, findet die 4. Europäische Konferenz für Verteidigung und Sicherheit (EDSC) in Brüssel statt. Dabei handelt es sich um ein jährliches, unabhängiges Forum, das die Zukunft der europäischen Verteidigungs- und Sicherheitsstrategie diskutiert. Unter den Rednern ist auch der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell, neben europäischen Ministern und Abgeordneten.
Neuer Vorsitzender des PASOK – Am Sonntag, den 13. Oktober, findet die zweite Wahlrunde zur Nachfolge des linken Oppositionsparteichefs Nikos Androulakis im griechischen PASOK statt. Gegen ihn kandidiert der Bürgermeister Athens, Haris Doukas. Im ersten Wahlgang hatten über 300.000 Bürger ihre Stimme für insgesamt sechs Kandidaten abgegeben. Androulakis erzielte mit 29,64 % die meisten Stimmen, gefolgt von Doukas mit 21,41 %.
G7 im Technologiesektor – Am Dienstag, den 15. Oktober, treffen sich die Technologie- und Digitalminister der G7 in Cernobbio, um Strategien im Bereich Innovation und Digitalisierung zu erörtern.
Fünf Highlights der vergangenen Woche
- Der Zeitplan für die Anhörungen der Kommissar:innen ist festgelegt: Fitti am 12. November
Irritationen: Die Zustimmung erfolgte mit Stimme der EVP und rechtsextremer Kräfte. Sozialistische Mitglieder warnen: „Damit ist die rote Linie überschritten, was Folgen für den gesamten Prozess haben könnte.“ - Türkei deportiert Migrant:innen mit europäischer Unterstützung
Die EU hat mindestens 11 Milliarden Euro an Ankara gezahlt, im Gegenzug verpflichtet sich die Türkei, die Grenzen zu schließen. Die mit den Mitteln finanzierten Maßnahmen wurden aber auch für andere Zwecke genutzt. - Albanien investiert 600 Mio. Euro in Unterbringung und Asylverfahren
Im Rahmen des neugegründeten Flüchtlingszentrums in Albanien sollen ca. 1.000 Asylsuchende untergebracht werden. Die Gesamtkosten über fünf Jahre belaufen sich auf etwa 600 Millionen Euro. - Polizei löscht Spuren: Flucht von Migranten in Europa
Ein Bericht dokumentiert die Gewalt von kroatischen Beamten, die Asylsuchende nach Bosnien zurückweisen. Es gab Fälle von sexueller Belästigung und Folter. - Digitale Pässe per App – der neue „Wallet“
EU-Bürger sollen auf Antrag eine digitale Version ihrer Ausweisdokumente erhalten können, die in einer App gespeichert ist.