Top-Themen auf der Agenda
Neues Kreditprogramm für die Ukraine – Diese Woche stehen die Verhandlungen in Straßburg im Mittelpunkt, wo die Plenarsitzung des Europäischen Parlaments stattfindet. Im Fokus steht die EU-Unterstützung für die Ukraine: Am Dienstag, den 22. Oktober, soll das Europäische Parlament die Genehmigung für den neuen Finanzhilfeplan geben, der von der EU-Kommission im September vorgeschlagen wurde. Das Paket umfasst Kredite in Höhe von bis zu 35 Milliarden Euro. Die Finanzierung erfolgt aus den außergewöhnlichen Erträgen der eingefrorenen russischen Vermögenswerte in Europa und fällt unter die Verpflichtungen der G7-Länder, die im Juli in Apulien eingegangen wurden.
Bisher hat die EU gemeinsam mit ihren Mitgliedstaaten 118,3 Milliarden Euro an Zuschüssen und Darlehen bereitgestellt, die die ukrainischen Verteidigungsbemühungen und die Wirtschaft des Landes gestützt haben. Im Rahmen der von der EU gegen Russland verhängten Sanktionen wurden seit Februar 2022 die Vermögenswerte der Russischen Zentralbank, die von Finanzinstituten innerhalb des Blocks gehalten wurden, eingefroren. Die Zinsen, die auf diese eingefrorenen Gelder anfallen, sollen als Garantie für Kredite an Kiew dienen: Die Schätzung liegt bei einer Summe zwischen 2,5 und 3 Milliarden Euro jährlich. Das im G7 abgestimmte Kreditprogramm sieht außerdem eine Mitfinanzierung durch die USA vor, die weitere 10 Milliarden Dollar beitragen sollen.
Orbáns Widerstand
Nach der Genehmigung durch das Parlament muss die neue Unterstützung endgültig von den 27 Mitgliedstaaten ratifiziert werden. Dies ist kein formaler Schritt: Der ungarische Ministerpräsident Viktor Orbán hat wiederholt gedroht, den Kredit abzulehnen, falls Budapest keine Ausnahmen bei Gas- und Öllieferungen aus Moskau erhält. Beim EU-Gipfel am Donnerstag in Brüssel haben die Führer des Blocks diese Problematik vermieden anzusprechen: In den Schlussfolgerungen des Treffens wurde die Bedeutung betont, „die zugesagten Verpflichtungen einzuhalten“, sowie die Hilfe an Kiew „bis zum Ende des Jahres“ ankommen zu lassen. Eine endgültige Entscheidung wurde jedoch noch nicht getroffen.
Ausländische Agenten – Urteile in Straßburg
Am Dienstag wird in Straßburg auch die Europäische Menschenrechtsgerichts (EGMR) zu einer Entscheidung kommen, bei der es um die Verpflichtung Russlands geht. 107 NGOs, Medien und Einzelpersonen sind dort verpflichtet, sich als „ausländische Agenten“ registrieren zu lassen. Diese Maßnahme ist Teil der Verschärfung der Russischen Gesetze gegen zivilgesellschaftliche Organisationen und Kritiker des Staates.
Moldawien im entscheidenden Moment
Am Sonntag, den 20. Oktober, steht Moldawien, das gemeinsam mit der Ukraine um einen EU-Beitritt antritt, vor einer Schlüsselentscheidung: Die Bürgerinnen und Bürger wählen einen neuen Präsidenten und stimmen über ein Referendum zur Aufnahme des Landes in die Europäische Union ab. Die aktuelle Präsidentin Maia Sandu, die pro-europäisch positioniert ist, gilt als klare Favoritin gegenüber weiteren zehn Kandidaten. Sowohl Sandu als auch andere hochrangige Persönlichkeiten haben Russland beschuldigt, versucht zu haben, die Präsidentschaftswahl und das Referendum zugunsten ihrer Interessen zu beeinflussen.
Sandu, 52 Jahre alt, ehemalige Wirtschaftswissenschaftlerin bei der Weltbank, muss sich vor allem gegen Alexandr Stoianoglo, einen 57-jährigen Ex-Staatsanwalt, der von den prorussischen Sozialisten unterstützt wird, durchsetzen. Während Umfragen die Favoritin Sandu sehen, wird höchstwahrscheinlich eine Stichwahl notwendig sein, um den Sieger zu bestimmen. Das Referendum bezieht sich auf die Verankerung des EU-Beitrittsziels in der Verfassung. Laut WatchDog sind 54 % der Moldawier für die Aufnahme, 35 % sind dagegen.
Weitere heiße Themen
Migration – Zentren und Rückführungen
Der EU-Gipfel am Donnerstag in Brüssel hat die Diskussionen über die Bekämpfung illegaler Migration wiederaufleben lassen. Im Mittelpunkt stand die Reform der Rückführungsregeln und die Idee, sogenannte Hotspots in Drittländern zu schaffen, um Asylbewerber zu verwalten. Diese Initiative steht eng im Zusammenhang mit dem Vorgehen Italiens, das nach einem bilateralen Abkommen mit Albanien ein Aufnahme- und Rückführungszentrum (Cpr) im Balkanland eröffnet hat. Am Mittwoch wurden die ersten Migranten, die aus Italien dorthin gebracht wurden, im Zentrum aufgenommen. Doch der Start der Initiative verlief ein Fiasko: Am Freitag kündigte das Migrationsgericht Rom an, die dortige Unterbringung der Migranten in Albanien nicht anzuerkennen. Die Verantwortlichen in Italien wurden somit verpflichtet, die Asylsuchenden wieder zurückzuholen, da die Richter die Rückführungen aus einem Nicht-Sicheren-Land-Fall ablehnten, was im Einklang mit einer kürzlich ergangenen Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs steht.
Vorbild für Europa?
Italiens Premierministerin Giorgia Meloni und ihre Minister haben angekündigt, für die Umsetzung des Abkommens mit Albanien einzutreten. Bereits vor dem Gerichtsurteil in Rom hatte die italienische Regierung bei einem Treffen in Brüssel mit Vertretern einiger EU-Länder, darunter die Niederlande und Dänemark, das „albanische Modell“ der Cpr auf europäischer Ebene propagiert. Die Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen war ebenfalls dabei und hatte vor dem EU-Gipfel eine parteiübergreifende Einladung an die Staats- und Regierungschefs der 27 Mitgliedsländer verschickt, in der sie dazu aufrief, „die praktischen Lehren“ aus dem Abkommen zwischen Rom und Tirana zu prüfen.
Rückführungen – Ein schwieriges Thema
Die Vorschläge stoßen jedoch auf Ablehnung: Frankreich, Spanien und Belgien, unter anderen, haben sich eher zurückhaltend positioniert. Frankreich äußerte, man unterstütze „Rückführungen, sobald die Bedingungen es zulassen“, anstelle der Schaffung von „Hotspots in Drittländern“ wie dem albanischen Modell. Diese Haltung findet bei den meisten EU-Staaten Zustimmung: In den Schlussfolgerungen des Gipfels wurde die Europäische Kommission aufgefordert, „dringend einen neuen Gesetzesentwurf zu Rückführungen vorzulegen“. Zwar wird kein spezieller Bezug auf Hotspots genommen, doch heißt es vage, man solle „innovative Wege“ in Einklang mit EU- und internationalem Recht prüfen, um die irreguläre Migration zu bekämpfen. Bisher scheinen diese „innovativen Wege“ im Widerspruch zum Recht zu stehen.
Debatte im Europäischen Parlament
Vor der Vorlage eines Gesetzesvorschlags der Kommission werden die EU-Abgeordneten auf einem Hearing am Mittwoch in Straßburg ihre Vorstellungen zu Rückführungen darlegen. Ein früherer Versuch, die bestehenden Regeln im Jahr 2018 zu reformieren, war ebenfalls gescheitert. Zu den Themen, die im Gespräch sein werden, zählt auch der kürzlich vorgeschlagene Plan des polnischen Premierministers Donald Tusk, eine vorübergehende Aussetzung des Asylrechts in bestimmten Fällen zu ermöglichen. Zudem wird das Abkommen zwischen Italien und Albanien bezüglich der Cpr diskutiert.
Von der Leyen auf Balkan-Tour
Ursula von der Leyen, die Präsidentin der Europäischen Kommission, gilt als Befürworterin des albanischen Modells. Am Wochenende wird sie eine Balkanreise antreten, bei der das Thema Hotspots möglicherweise im Fokus steht. Am Mittwoch trifft sie in Tirana den albanischen Premierminister Edi Rama, danach reist sie an mehreren Tagen, vom Donnerstag bis Samstag, durch Nordmazedonien, Bosnien-Herzegowina, Serbien und den Kosovo. Es wird erwartet, dass diese Länder – die Kandidaten für den EU-Beitritt oder potenziell für eine Zusammenarbeit – die ersten außerhalb der EU sein könnten, um Hotspots für die Verwaltung irregulärer Migration und für mögliche Rückführungen einzurichten.
Das Europäische Parlament
Nahost-Konflikt
Ein weiteres wichtiges Thema im Plenum des Europäischen Parlaments in Straßburg ist der Krieg zwischen Israel und der Hisbollah. Die EU hat ihre große Besorgnis über die Eskalation entlang der „Grünen Linie“, die Israel und den Libanon trennt, zum Ausdruck gebracht. Besonders betroffen sind die Angriffe der israelischen Streitkräfte auf die Friedenstruppe der Vereinten Nationen (UNIFIL), bei denen mehrere Soldaten verletzt wurden.
Israel wirft der Hisbollah vor, UN-Friedenstruppen als „menschliche Schutzschilde“ zu missbrauchen. Außerdem wird die Weigerung der Vereinten Nationen, israelische Soldaten aus UNIFIL abzuziehen, kritisiert, da dies die Truppe in eine „Geiselpolitik der Hisbollah“ verwandelt haben soll. Die Abgeordneten werden darüber am Dienstag in einer Debatte mit der Europäischen Kommission sprechen.
Sacharov-Preis
Die Krise im Nahen Osten wird auch im Zusammenhang mit dem Sacharov-Preis für Meinungsfreiheit wieder aufgegriffen. Dieser Preis wird vom Europäischen Parlament seit 1988 jährlich an Menschenrechtsverteidiger auf der ganzen Welt vergeben. Am Donnerstag, den 24., wird Präsidentin Metsola in Straßburg den Gewinner des Jahres 2024 bekannt geben. Unter den drei Finalisten sind die Organisationen „Women Wage Peace“ und „Women of the Sun“, die Gründerinnen Yael Admi und Reem Hajajreh.
Diese Frauenorganisationen, die jeweils israeli- und palästinenisch sind, setzen sich für den Frieden zwischen ihren Gemeinschaften ein. „Women of the Sun“, gegründet 2021, arbeitet mit Frauen, Jugendlichen und Kindern in der Westbank und im Gazastreifen zusammen, um kulturelles und nationales Bewusstsein für Frieden zu fördern. „Women Wage Peace“, gegründet 2014, ist eine arabisch-judäische Bewegung, die gewaltfreie Lösungen für den israelisch-palästinensischen Konflikt sucht, mit einem starken Engagement von Frauen in den Verhandlungsprozessen. Die beiden Organisationen haben 2022 ihre Kräfte gebündelt, um die Kreisläufe der Gewalt zu beenden, und wurden für den Friedensnobelpreis nominiert. Die anderen zwei Finalisten sind María Corina Machado und Edmundo González Urrutia, Oppositionsführer in Venezuela gegen Maduro, sowie Gubad Ibadoghlu, Wissenschaftler und Antikorruptionsaktivist in Aserbaidschan.
Der Rat der Europäischen Union
Der Rat „Nationale Landwirtschaft und Fischerei“ wird am 21. und 22. Oktober in Luxemburg tagen. Die Fischereiminister werden über die Fangquoten im Botnischen Meer für 2025 beraten und versuchen, eine politische Einigung zu erzielen. Zudem wird eine Diskussion über die nächste Sitzung der Internationalen Kommission zum Schutz der Tonnina (ICCAT) stattfinden. Im Landwirtschaftsbereich will der Rat die Schlussfolgerungen zu einer nachhaltigen Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) nach 2027 verabschieden. Außerdem stehen die wichtigsten Herausforderungen für die europäische Lebensmittelkette sowie agrarpolitische Fragen im Zusammenhang mit dem Handel auf der Tagesordnung.
Die Europäische Kommission
Forschung und Innovation
Am Dienstag, den 22. Oktober, wird die Kommission nach Abschluss ihrer Sitzung den „European Research Area“ (ERA) – den Europäischen Forschungsraum – vorstellen. In diesem Dokument setzt Brüssel die Ziele für Investitionen in Forschung und Innovation fest. Bereits im Jahr 2000 wurde die Idee eines einheitlichen Europäischen Forschungsraums entwickelt, um die Mobilität von Forschenden zu erleichtern und Wissen grenzüberschreitend für soziale, wirtschaftliche und politische Zwecke zu teilen.
Die „Ursula-Mehrheit“
Am Montag, den 21. Oktober 2024, trifft Präsidentin Ursula von der Leyen den Präsidenten des Europäischen Parlaments, Roberta Metsola. Zudem empfängt sie die Präsidenten der Fraktionen EPP, S&D und Renew, Manfred Weber, Iratxe García-Pérez und Valérie Hayer, die die Mehrheitskoalition im Parlament bilden.
Von 22. bis 26. Oktober wird Kommissar Paolo Gentiloni für Wirtschaft in Washington sein, um an den jährlichen Treffen der Weltbank und des Internationalen Währungsfonds (IWF) teilzunehmen.
Weitere Ereignisse
Am Samstag, den 26. Oktober, finden die Parlamentswahlen in Georgien statt. In Dänemark wird die endgültige Einstellung der Untersuchungshaft gegen Paul Watson, den Umweltaktivisten gegen Walfang, erwartet. Zwischen dem 24. und 27. Oktober wird Bundeskanzler Olaf Scholz auf Reisen in Indien sein.
Fünf Highlights der vergangenen Woche
- Angriffe gegen UNIFIL: Die EU kritisiert Israel, entscheidet aber nichts
- Streit um Strafmaßnahmen gegen Israel – Spanien und Irland fordern Waffenembargo; andere wollen mehr Waffenlieferungen
- Zelensky: „Nur mit NATO-Beitritt bleibt der Weg zum Nuklearwaffenverzicht offen“
Der ukrainische Präsident stellte den Führern Europas den „Friedenserklärungsplan“ vor. Nordkoreas Unterstützung für Russland mit Zehntausend Soldaten wird als „erster Schritt in Richtung Weltkrieg“ bewertet. - Meloni und Europa: Nur die Zahlen zählen
„Man wird an den Zahlen gemessen“. Mit diesen Worten warfen diplomatische Quellen kurz vor dem EU-Gipfel einen Blick auf die Migration. Es gehe nur noch um die rein statistischen Aspekte: drastische Reduktion bei illegalen Einreisen und Asylgesuchen, mehr Rückführungen. - Italien will migranten nach Syrien schicken
Nach Albanien arbeitet Rom an einem Abkommen mit Bashar al-Assad. Im Hintergrund befinden sich 400.000 Binnenvertriebene im Nahen Osten, die ins Visier der europäischen Staaten geraten. - Dürre, Umweltverschmutzung, Pestizide: Die Wasserqualität in Italien im Tief