Die deutsche Bundesregierung hat ein kontroverses Projekt zur Erdgasförderung in der Nordsee genehmigt, genauer gesagt in einem geschützten Meeresgebiet vor der Insel Borkum. Diese Entscheidung löst bei Umweltaktivisten regelrechte Protestwellen aus, da sie von Umweltorganisationen als „katastrophale Konsequenzen“ für die Meeresökologie gewertet wird. Das Vorhaben betrifft die Förderung von bis zu 13 Milliarden Kubikmetern Gas und ist nach einer formellen Vereinbarung mit den Niederlanden möglich, da die angedachte horizontalierte Bohrung von einer niederländischen Plattform aus in deutsche Gewässer erfolgen soll.
Laut Katharina Reiche, Bundesministerin für Wirtschaft, stärkt dieses Abkommen „nicht nur die Versorgungssicherheit unserer Nachbarländer, sondern auch den europäischen Gasmarkt – und somit auch unseren Eigenbedarf“.
Entscheidung aus Umweltgründen verschoben
Das Projekt von One-Dyas hatte bereits vor einem Jahr eine Genehmigung von den örtlichen Behörden erhalten. Dennoch wurde die nationale Zustimmung unter der bisherigen Regierung, damals unter Wirtschaftsminister Robert Habeck von den Grünen, aufgrund heftiger Umweltbedenken aufgeschoben. Die Regierung des konservativen Kanzlers Friedrich Merz hat nun die bürokratischen Hürden überwunden. Damit folgt sie der Linie der Bundesregierung, die einerseits nationale Reserven nutzt und andererseits das Ziel der Klimaneutralität bis 2045 beschützt.
Laut Angaben des Unternehmens könnte die geplante Gasförderung den deutschen Bedarf im vergangenen Jahr zu etwa 15 % decken. Die Testphase wurde im März gestartet, doch die endgültige Betriebsaufnahme hängt noch von einer formellen Genehmigung durch das Land Niedersachsen ab. Die regionale Bergbehörde hat die Erlaubnis für die Bohrungen im August 2024 bereits erteilt.
Um die ökologischen Auswirkungen möglichst gering zu halten, hat One-Dyas versprochen, den Strom für die Förderanlagen mithilfe eines deutschen Offshore-Windparks zu beziehen. Zudem verpflichtete sich das Unternehmen, die Aktivitäten sofort einzustellen, sobald die Gasnachfrage in beiden Ländern sinkt, wodurch sichergestellt werden soll, dass das Projekt dem Ziel der Klimaneutralität nicht entgegenwirkt.
Ärger bei Umweltaktivisten
Das Fördergebiet liegt im Waddengebiet, das von der UNESCO zum UNESCO-Weltnaturerbe erklärt wurde. Die Entscheidung hat bereits erheblichen Widerstand seitens Umweltorganisationen ausgelöst.
„Weitergehende Industrialisierung würde verheerende Folgen für die Biodiversität im Nordseegebiet haben“, warnte Sascha Müller-Kraenner, Geschäftsführer der Organisation Greenpeace Deutschland. Die Kritikpunkte richten sich vor allem gegen die potenzielle Zerstörung sensibler Lebensräume und die Gefahr, die diese Projekte für maritime Tierarten und das Ökosystem insgesamt darstellen. Während die Bundesregierung die Bedeutung der Energieversorgung betont, betonen Umweltgruppen, dass die Risiken für die fragile Nordseeregion zu groß seien und ein nachhaltigeres Vorgehen notwendig wäre.