Deutschland braucht eine große Anzahl an Soldaten — möglichst viele in relativ kurzer Zeit. Die Bundeswehr zählt heute rund 187.000 Soldatinnen und Soldaten, doch Berlin hat sich verpflichtet, die Streitkräfte bis 2035 auf mindestens 260.000 Angehörige auszuweiten, zu denen etwa 200.000 Reservistinnen und Reservisten hinzukommen sollten. Das bedeutet, innerhalb von neun Jahren mehr als 73.000 Soldatinnen und Soldaten zu rekrutieren – und vor allem zu halten.
Diese Zahl hilft, die Debatten um die ersten Ergebnisse des neuen freiwilligen Wehrdienstes in Deutschland richtig zu interpretieren. Fast 300.000 Achtzehnjährige wurden von der Regierung kontaktiert — 153.000 Männer und 145.000 Frauen — und bis zum 18. Juni hatten lediglich 530 bereits eine endgültige Aufnahmebestätigung erhalten.
Warum Deutschland pro Jahr mindestens 30.000 neue Soldaten braucht
Um die Marke von 260.000 zu erreichen, müsste die Bundeswehr durchschnittlich etwa 7.800 netto Soldaten pro Jahr wachsen. Im Jahr 2025 betrug der Nettozufluss lediglich 3.082 Personen, obwohl 25.006 Neueinstellungen erfolgt waren – das beste Ergebnis der letzten Jahre. Bleibt die Zahl der Ausgänge bei rund 22.000 pro Jahr, müsste Deutschland, um die Personalstärke um fast 8.000 netto zu erhöhen, mindestens 30.000 Menschen pro Jahr rekrutieren.
Die 530 bereits rekrutierten Jugendlichen
Aus diesem Grund richtet sich der Fokus auf die ersten Ergebnisse des neuen Wehrdienstes, dem vom deutschen Bund reformierten Militärdienst. Nachdem die Fragebögen versandt wurden, zeigte sich zunächst bei etwa einem Viertel der jungen Männer Interesse an der Bundeswehr. Nach den weiteren Kontakten mit den Streitkräften verringerte sich diese Quote jedoch.
Von rund 1.500 Jugendlichen, die sich dem Auswahlverfahren unterzogen, waren 80 Prozent als geeignet befunden, und 530 erhielten im Verlauf des Jahres 2026 eine endgültige Aufnahmebestätigung in die Streitkräfte.
Eine solche Zahl bestätigt, wie ehrgeizig das Regierungsziel ist: etwa 20.000 Rekrutinnen und Rekruten im Jahr 2026, danach 23.000 im Jahr 2027, 28.000 im Jahr 2028 und fortlaufend bis zu rund 40.000 pro Jahr zu Beginn des nächsten Jahrzehnts.
Eine Rekrutierung, von der ein Viertel wieder geht
Die Bundeswehr muss nicht nur junge Menschen davon überzeugen, die Uniform anzuziehen. Sie muss es schaffen, dass sie bleiben. Laut dem Bericht des Parlamentarischen Wehrbeauftragten für die Streitkräfte hatte rund ein Viertel der im Jahr 2024 eingetretenen Rekruten den Dienst während der Probezeit bereits verlassen.
Deshalb hat Berlin eine Tür offen gelassen, die in Deutschland seit 2011 verschlossen schien, als der verpflichtende Wehrdienst ausgesetzt wurde.
Wann die Wehrpflicht zurückkehren könnte
Wenn das aktuelle System weiterhin auf Freiwilligkeit basiert, sieht das neue Gesetz einen Sicherheitsmechanismus vor, der die allgemeine Wehrpflicht wieder einführt. Sollte es dem freiwilligen System nicht gelingen, die Einstellzahlen zu vervielfachen, wird die Rückkehr irgendeiner Form der Wehrpflicht nicht mehr nur eine Hypothese bleiben.
Unterdessen tauchen Rekrutierungsaufrufe auch auf den Verpackungen von Döner-Kebabs auf. Das Motto der Bundeswehr lautet „Eine vollständige Karriere“, während statt der üblichen Werbebotschaften Tarnfarben, der Aufruf zur Militärlaufbahn und ein QR-Code erscheinen.