„Deep Water: Albträume aus den Tiefen“ präsentiert (mit wenig Einfallsreichtum) ein sommerliches Evergreen-Thema: hungrige Haie und Blut
Seit fünfzig Jahren steht der Sommer im Kino in engem Zusammenhang mit Meer und Haien. Die Genalogie reicht immer wieder dahin zurück: Der weiße Hai, Steven Spielberg, 1975, Prototyp des modernen Blockbusters – der kurioserweise in Italien jedoch erst im Dezember startete. „Deep Water: Albträume aus den Tiefen“ erfindet also inhaltlich nichts wirklich Neues – schon der Titel verrät es.
Der Film kommt am 23. Juli in die Kinosäle, angeführt vom Finnen Renny Harlin, einer soliden Größe der zweiten Reihe Hollywoods – wo er seit mehr als drei Jahrzehnten tätig ist – spezialisiert auf B-Filme, die nicht vor einem guten Einspielergebnis zurückschrecken. Der Regisseur hatte das Thema bereits 1999 mit Deep Blue Sea berührt, legt nun mit diesem Katastrophenfilm nach, der eine verzweifelte Landung zwischen den Wellen des Ozeans mit sich bringt.
Worum geht es bei Deep Water: Albträume aus den Tiefen
An der Umsetzung beteiligt sind Gene Simmons (also der Bassist von Kiss) zusammen mit dem Produzenten Gary Hamilton; gemeinsam gründeten sie die Simmons/Hamilton Productions und holten für diese Gelegenheit das Projekt Deep Water aus dem Staub. Bereits 2014 wurde es als ideale Fortsetzung einer weiteren Haieinvasion, Bait 3D, ins Gespräch gebracht, verblieb aber auf der Strecke, wegen einiger anfänglicher ‚unangenehmer Ähnlichkeiten‘ mit dem absurden Verschwinden des Malaysia-Airlines-Fluges 370.
Es geht also um einen internationalen Flug von Los Angeles nach Shanghai, geführt vom Kapitän Rich (Ben Kingsley; dessen Karriere phasenweise schwer lesbar ist) und unterstützt vom Ersten Offizier Ben (Aaron Eckhart), der aufgrund eines Brandes in der Kabine irgendwo in der Weite abstürzt.
Und der erste Zug des Drehbuchs (von Pete Bridges, Shayne Armstrong, S.P. Krause, Damien Power) besteht darin, mit Handbuchwissen die Profile sämtlicher Figuren, ihrer Eigenschaften und jeder einzelnen Beziehung auszuarbeiten, die sich im Verlauf der Geschichte entwickeln werden. Eigentlich wird dies zum übergreifenden Stressfaktor von Deep Water, das von einer groben menschlichen Note durchdrungen ist, über die es hievt – der Pilot ohne Ambitionen, der Vater sich als gescheitert empfindet, der Nerd, die Verlierer und so weiter.
Ein Unterhaltungsfilm, der nichts Besonderes bietet
Man muss ihm zugutehalten, dass in den Momenten der Gewalt es roh und bissig wirkt, aufgebaut aus verschiedenen Szenen und Situationen, die wie Escape Rooms konstruiert sind, in denen die Überlebenden gegen den Sauerstoffmangel, das überbordende Wasser und das, was sich im Wasser hungrig regt, kämpfen.
Für Leute, die mit dieser Grammatik vertraut sind, also wer schon mal einen Film dieser Art gesehen hat, erkennen zu früh zu deutlich Muster dahinter, wer stirbt, wer sich opfert, wer seine Arroganz bezahlt, wer überlebt. Ein entdecktes Spiel, das klaffend mit einer emotionalen Durchlässigkeit kollidiert, die versucht, sich an die Oberfläche zu drängen, übertüncht durch zu viele Reden (und Reden…), Heultöne und eine Musikuntermalung, und damit den spielerischen Reiz des Potenzials, den Deep Water zwischen glaubwürdigen CGI-Haien und einer trashigen Blutfontäne hat, weitgehend zerstört.
Harlin gelingt das Makabre zwar ordentlich, doch die inneren Konflikte von Ben – der neben dem Kämpfen gegen die scharfen Zahnmonster auch mit einem übertragenden Vatergefühl kämpft, indem er sich um eine kleine (und nervige) Passagierin sorgt – bringen wenig Entwicklung. Damit wird der Weg frei für billig wirkende Tragikomik. Wir wollen kein Drama, wir wollen Spannung und Gurgeln! Und doch drängen sich die übertriebenen Nahaufnahmen so stark auf, dass sie die schmale Gerüstkonstruktion entlarven, auf der ein Unterhaltungsfilm mit insgesamt begrenzter kreativer Fähigkeit ruht. Die Länge tüt auch nicht gut: zu lang, eine Stunde und vierzig Minuten.
Bewertung: 5
undefined