Bygmalion-Fall: Nicolas Sarkozy erhält eine rechtskräftige Verurteilung

10. Dezember 2025

| Lukas Steinberger

Das französische Kassationsgericht hat die Berufung von Nicolas Sarkozy im Fall „Bygmalion“ zurückgewiesen und endgültig die Strafe von einem Jahr Haft bestätigt, davon sechs Monate unbedingt, die dem ehemaligen Präsidenten wegen der illegalen Finanzierung der Wahlkampagne 2012 auferlegt wurden. Die Entscheidung entspricht den Empfehlungen des Generalanwalts während der Anhörung am 8. Oktober und markiert die zweite endgültige strafrechtliche Verurteilung gegen Sarkozy nach dem Fall der Abhörungen, bekannt als „Bismuth“.

Die Entscheidung des Kassationshofs

In einer heute veröffentlichten Mitteilung bestätigt die höchste französische Justizbehörde, dass „Sarkozy, der Leiter seiner Wahlkampagne und die beiden Führungspersonen der politischen Partei, die ihn unterstützte, endgültig verurteilt sind“. Damit schließt sich ein über zehn Jahre währender Justizfall, der maßgeblich zum politischen und medialen Niedergang des ehemaligen Staatspräsidenten beigetragen hat.

Das zurückgewiesene Rechtsmittel war das letzte Instrument der Verteidigung, um das Urteil des Pariser Berufungsgerichts vom 14. Februar 2024 zu kippen. Von heute an ist die Strafe endgültig und nicht mehr anfechtbar.

Wie der Fall entstanden ist und was dem ehemaligen Präsidenten vorgeworfen wird

Der Fall hat seinen Ursprung in der Kostenexplosion der Präsidentschaftskampagne 2012, die mit der Niederlage gegen François Hollande endete. Die Ermittlungen haben festgestellt, dass die Kampagne von Sarkozy Kosten von rund 43 Millionen Euro erreichte, fast doppelt so hoch wie die gesetzlich zulässigen 22,5 Millionen Euro nach französischem Recht.

Um die Budgetobergrenzen zu umgehen, wurde laut Richtern ein raffiniertes System der Doppelabrechnung über die Firma Bygmalion aufgebaut, die von engen Mitarbeitern des damaligen Präsidenten gegründet wurde. Dank Scheinverträgen wurden ein erheblicher Teil der Kosten, insbesondere jene für Großkundgebungen und Wahlveranstaltungen, auf die UMP, die Partei, übertragen, aus der heute die „Republikaner“ hervorgegangen sind.

Im Gegensatz zu seinen Mitangeklagten wurde Sarkozy nicht dafür verurteilt, das System der Scheingeschäfte persönlich geleitet zu haben, sondern dafür, dass er daraus als Kandidat direkten Vorteil zog und von einer faktisch illegalen Finanzierung profitierte. Im Verlauf der Prozesse hatte der ehemalige Präsident stets jede Anschuldigung zurückgewiesen und das von den Ermittlern rekonstruierte Bild als „eine Fabel“ und „eine Lüge“ bezeichnet.

Der Rechtsweg und das neue Verfahren wegen der libyschen Gelder

Im ersten Rechtszug, 2021, war Sarkozy zu einem Jahr Haft ohne Bewährung verurteilt worden. Im Berufungsverfahren wurde die Strafe herabgesetzt, wobei sechs Monate Haft in eine Bewährungsstrafe mit elektronischem Fußfesselgerät umgewandelt wurden. Der Kassationshof bestätigte die Entscheidung aus dem Jahr 2024 und macht diese Sanktion endgültig.

Es handelt sich jedoch nicht um die erste endgültige Verurteilung des ehemaligen Präsidenten. Im Dezember 2024 hatte der Kassationshof bereits die Strafe von einem Jahr Haft (ebenfalls mit elektronischer Fußfessel) im Fall der Telefonabhörungen bestätigt, in dem Sarkozy unter anderem wegen Bestechung eines Richters angeklagt war. Der Politiker, heute 70 Jahre alt, trug das elektronische Gerät zwischen Februar und Mai dieses Jahres und erhielt danach die bedingte Entlassung, nachdem er die Hälfte der Strafe verbüßt hatte.

Der Bygmalion-Fall, der medial bereits durch Sarkozys Verhaftung im Zusammenhang mit der umstrittenen Untersuchung der libyschen Finanzierung seiner Wahlkampagne von 2007 getrübt war, rückt nun wieder in den Vordergrund. Der ehemalige Präsident muss sich im Frühjahr auch dem Berufungsverfahren zu den angeblichen Mitteln aus dem Gaddafi-Regime stellen, ein Verfahren, das seine rechtliche Lage weiter verschärfen könnte.

Mit dem heutigen Urteil schließt die französische Justiz eines der bedeutendsten politischen Verfahren der letzten Jahre ab, während die juristische Bilanz von Nicolas Sarkozy weiterhin Einfluss auf die Zukunft der Republikaner und auf die Rolle des ehemaligen Präsidenten in der französischen Politik hat.

Lukas Steinberger

Lukas Steinberger

Ich bin Lukas Steinberger, Redakteur bei AUSTRIA24 TV mit Fokus auf Politik und Gesellschaft. Nach meinem Journalismusstudium in Wien habe ich für verschiedene Medien gearbeitet und mich auf analytische Berichterstattung spezialisiert. Mein Ziel ist es, komplexe Themen verständlich zu machen und die Perspektiven der Menschen sichtbar zu machen.