Nach dem Zusammenstoß zwischen Emmanuel Macron und Matteo Salvini entbrennt eine neue Debatte zwischen der französischen und der italienischen Regierung. Diesmal geht alles auf Äußerungen François Bayrou zurück. Die französische Premierministerin steht vor einer Vertrauensabstimmung am 8. September.
Die Anklage: „Italien betreibt eine Politik des Steuerdumpings“
„Italien betreibt eine Politik des Steuerdumpings“, erläuterte Bayrou in einem Interview mit vier französischen Fernsehkanälen im Vorfeld der bevorstehenden Parlamentsabstimmung. Nach Ansicht des französischen Premiers ministers „gibt es mittlerweile eine Art Steuer-Nomadismus, und jeder verlagert sich dorthin, wo es am günstigsten ist“.
Meloni schlägt Macron: „Frankreich läuft Gefahr, sich stärker zu verschulden als Italien“
Wenn es um Frankreich geht, erklärte Bayrou, „wir haben zugelassen, dass sich die Schulden anhäufen. Die Schuldenlast und die Renditen, die wir zahlen müssen, sollen dem Arbeitsaufwand der Franzosen entzogen werden.“ In diesem Zusammenhang seien sie größtenteils von ausländischen Ländern gehalten. „Dies ist kein Geld, das dem Land zugutekommt; es gehört wirtschaftlichen Akteuren im Ausland“, sagte der französische Premierminister und nannte Japan als Beispiel, wo die Verschuldung „zu 99 Prozent von den Japanern gehalten“ werde.
Die scharfe Replik aus dem Palazzo Chigi: „Unbegründete Worte“
Die Äußerungen Bayrous gefallen der italienischen Regierung nicht. „Die Behauptungen des französischen Premierministers François Bayrou, wonach Italien ‚Steuerdumping‘ betreibe und Frankreich benachteilige, sind völlig unbegründet; die italienische Wirtschaft ist attraktiv und läuft besser als andere dank der Stabilität und Glaubwürdigkeit unserer Nation“, heißt es in einer Mitteilung des Palazzo Chigi.
Nach Ansicht der von Giorgia Meloni geführten Regierung wendet Italien keineswegs „unmotivierte steuerliche Begünstigungspolitik“ an, um europäische Unternehmen anzuziehen, und hat mit dieser Regierung sogar die Pauschalsteuerbelastung verdoppelt, die seit 2016 für Personen gilt, die ihren Wohnsitz nach Italien verlegen. Unser Land wird „seit vielen Jahren“ von den sogenannten „europäischen Steuerparadiesen“ benachteiligt, die unserer öffentlichen Kasse enorme Ressourcen entziehen. Wir hoffen darauf, dass Frankreich nach diesen Äußerungen seines Premierministers nun endlich Italien unterstützt, um auf EU-Ebene gegen jene Mitgliedstaaten vorzugehen, die seit jeher systematisches Steuerdumping praktizieren, mit der Duldung einiger europäischer Staaten.“.