Es klingt fast, als würden Grabglocken läuten. Der jüngste wirtschaftliche Lagebericht der Europäischen Zentralbank, veröffentlicht am 13. November, zeichnet die schwierige Lage nach, in der sich der Automobilsektor befindet. Eine Momentaufnahme, die auch nur wenig Hoffnung auf eine baldige Erholung bietet. „In der Perspektive sollte sich die Nachfrage im Euroraum aufgrund der anhaltenden Schwierigkeiten schwach entwickeln„, heißt es im Dokument.
Wie steht es um die Autoindustrie: schlechter als 2018
Auch das zweite Quartal 2025 liefert keine Anzeichen einer Erholung. Im Gegenteil, die Neuzulassungen von Pkw-Neuwagen und die Produktionsvolumina liegen weiterhin um etwa 20 bzw. 30 Prozent unter dem Niveau zu Beginn des Jahres 2018. Das sind düstere Zahlen, wenn man bedenkt, dass die Automobilindustrie rund 10 Prozent des industriellen Mehrwerts und fast 2 Prozent des realen Bruttoinlandsprodukts im Euroraum ausmacht.
Die Zusammensetzung der Zulassungen zeigt eine deutliche Veränderung in den gekauften Fahrzeugtypen und trägt zur Erklärung des Rückgangs der Gesamtzulassungen bei. Es wird ein Rückgang der Verkäufe von Autos mit Verbrennungsmotor (ICE) verzeichnet, der nur teilweise durch einen Anstieg der Verkäufe von Hybridfahrzeugen sowie rein elektrisch angetriebenen Fahrzeugen ausgeglichen wird.
Warum werden keine neuen Autos gekauft und was wählen die Haushalte?
Die Nachfrage nach Automobilen wurde im Rahmen einer EZB-Umfrage zu den Konsumentenerwartungen (CES) untersucht. Die neuen Daten zeigen, dass die Käufe sich überwiegend auf Gebrauchtwagen mit Verbrennungsmotor konzentrierten. Im Zeitraum 2021–2024 lag der jährliche Anteil der Befragten, die angegeben hatten, ein Auto gekauft zu haben, zwischen 6 und 7 Prozent. Im Juli 2025, zum Zeitpunkt der Beauftragung der Umfrage, gaben 47 Prozent der Befragten, die in den 30 Tagen davor ein Auto gekauft hatten, an, ein neues Auto gekauft zu haben, 53 Prozent gaben an, ein Gebrauchtfahrzeug erworben zu haben.

PKW mit Verbrennungsmotor machten etwa 43 Prozent der Neuauto-Käufe aus, während Hybrid- und rein elektrisch betriebenen Fahrzeugen jeweils 31 bzw. 25 Prozent ausmachten. Im Gebrauchtwagenmarkt lag der Großteil der Käufe ebenfalls bei Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor (etwa 70 Prozent); Hybrid- und Elektrofahrzeuge machten jeweils rund 15 Prozent aus.

Unter allen Befragten war die Sorge über die rasche Abwertung des Werts eines neuen Autos der Hauptgrund für den Kauf eines Gebrauchtwagens statt eines Neuwagens. Für Haushalte mit geringem Einkommen spielte hingegen der eingeschränkte Zugang zu bezahlbaren Finanzierungsmöglichkeiten eine entscheidende Rolle. Im Juli 2025 gaben unter den Befragten, die in den letzten 30 Tagen ein gebrauchtes Auto gekauft hatten, 22 Prozent an, dass die Hauptmotivation die Sorge über die Wertminderung des Neuwagenwerts war. Der zweitwichtigste Grund war der eingeschränkte Zugang zu erschwinglichen Finanzierungsmöglichkeiten (14 Prozent), gefolgt von der Erwartung, dass Elektrofahrzeuge billiger würden (13%), und wirtschaftlicher sowie finanzieller Unsicherheit (12%).
Die Zukunft?
Die Mehrheit der Befragten hatte innerhalb des nächsten Jahres nicht vor, ein Auto zu kaufen, aufgrund wirtschaftlicher und finanzieller Unsicherheit sowie der Präferenz für alternative Verkehrsmittel, Faktoren, die besonders einkommensschwachen Haushalten die Entscheidung beeinflussten.
Im Juli 2025 gaben 11 Prozent der Befragten an, innerhalb des nächsten Jahres ein Auto kaufen zu wollen, während 89 Prozent dies nicht vorhatten. Von jenen, die kein Auto kaufen wollten, gaben 63 Prozent an, dass ihr aktuelles Fahrzeug ihren Bedürfnissen entspricht, 10 Prozent nannten wirtschaftliche/finanzielle Unsicherheit, und weitere 10 Prozent erklärten, sie würden alternative Verkehrsmittel bevorzugen.
Der EZB-Bericht ist eindeutig: „Dies deutet darauf hin, dass eine Erholung der Nachfrage nach Autos möglicherweise langsam verläuft. Zugleich zeigt das geringe Interesse der Haushalte an rein elektrisch betriebenen Fahrzeugen, dass der Übergang zur Elektrifizierung weiterhin schrittweise erfolgen sollte.“