Ungarische Ermittlerinnen und Ermittler sollen in die Zentrale der Partei des ehemaligen Ministerpräsidenten Viktor Orbán, Fidesz, eingedrungen sein, um das gesamte Kommunikationssystem und die Datenbanken der politischen Formation zu beschlagnahmen. Die Meldung gab die Partei selbst über ihre Social-Media-Kanäle bekannt. Laut Reuters läuft die Untersuchung auf „Unterschlagung und andere Straftaten“ im Zusammenhang mit dem Nationalen Kulturfonds (Nka).
Die Nachricht
„Heute hat die Autokratie jedes Maß überschritten“, heißt es in den sozialen Netzwerken. „Die Ermittler der Staatsanwaltschaft sind unangekündigt in das Zentrum vorgedrungen, das die Server von Fidesz beherbergt, mit dem Ziel, das gesamte Kommunikationssystem und die Datenbanken der Partei zu beschlagnahmen. In Ungarn hat sich ein derartiger Vorfall seit 1990, dem Ende des Kommunismus, nicht ereignet“, so die Mitteilung der Orbán-Partei.
Für die politische Formation, die die letzten Wahlen verloren hat, handelt es sich um einen „Plan der Partei Tisza, Fidesz mithilfe politischer Mittel zu eliminieren und damit den Widerstand gegen die Autarkie zu brechen“. Die Mitteilung schließt so: „Aus diesem Grund versucht die Partei Tisza nun, Fidesz rechtlich handlungsunfähig zu machen. Fidesz gibt weder politischen noch juristischen Drohungen nach, zieht sich nicht zurück und widersetzt sich dem willkürlichen Vorgehen von Tisza“.
Die Anführerin der französischen extremen Rechten Marine Le Pen hat die Razzia der ungarischen Staatsanwaltschaft verurteilt: „In Ungarn vervielfachen sich die Rechtsstaatsverletzungen, begünstigt von jenen, die sich auf die Seite des Guten stellen. Die Demokratie hat jedoch keine Fraktionen.“
Die Ermittlungen
Reuters, zitiert die Nachrichtenwebsite 24.hu und berichtet, dass die Hausdurchsuchung mit einer Untersuchung zu den Finanzierungen des Nationalen Kulturfonds (Nka) verbunden war. Insbesondere würden die Behörden Strafverfahren gegen mehrere Beamte eingeleitet haben. Im Zentrum der Ermittlungen sollen rund 46 Millionen Euro stehen. Der Nka soll laut Beschuldigung Gelder an Künstlerinnen und Künstler sowie Organisationen vergeben haben, die mit Fidesz verbunden sind, durch einen intransparenten Vergabeprozess.