Slowenien: Präsidentin wird beschuldigt, eine russische Spionin zu sein

26. August 2026

| Lukas Steinberger

In Slowenien hat sich ein Fall von nationaler Sicherheit rund um die Präsidentin der Republik, Nataša Pirc Musar, entwickelt. Žan Mahnič, Abgeordneter der SDS, der Slowenischen Demokratischen Partei, einer rechtsgerichteten politischen Formation, hat gar gefordert, dass die Geheimdienste ihr keine vertraulichen Berichte mehr übermitteln, da es Verdachtsmomente einer Verstrickung mit einem „Netz russischer Spionage“ gäbe. Die Präsidentin bzw. ihr Büro wiesen die Anschuldigungen kategorisch zurück, und nach dem Stand der verfügbaren Informationen wurden keine Beweise für Spionagetätigkeiten der Präsidentin oder ihrer Freundin öffentlich gemacht.

Alles begann mit einem Autounfall

Der Fall beginnt mit dem Unfall vom 31. Juli im Kastelec-Tunnel auf der slowenischen Autobahn, bei dem Pirc Musar sich eine Schlüsselbeinfraktur zugezogen hat. An Bord des offiziellen Fahrzeugs befanden sich auch zwei Freundinnen der Präsidentin. Eine von ihnen war Viktorija Krivolucka, in Russland geboren und heute ebenfalls slowenische Staatsbürgerin, die eine seit vielen Jahren währende Freundschaft zu Pirc Musar verbindet.

Gerade die Aufarbeitung von Krivoluckas Vergangenheit hat den Fall hochgehen lassen. Eine Recherche der slowenischen Zeitung Dnevnik in Zusammenarbeit mit der österreichischen Nachrichtenagentur APA hat in russischen Datenbanken eine Reihe von Elementen über ihr Leben in Krasnojarsk, Sibirien, und insbesondere den Zusammenhang zu Roman Jeglič, einem ehemaligen leitenden Beamten des slowenischen Nachrichtendienstes, aufgedeckt.

Jeglič war zuvor Vizedirektor des slowenischen Geheimdienstes, der dem jetzigen SOVA vorausging. Krivolucka bestätigte, dass sie mit ihm eine mehrjährige Liebesbeziehung hatte, hob jedoch hervor, dass sie keinen Kontakt mit dem Mann mehr habe und in den letzten fünzehn Jahren niemandem aus dem Geheimdienst gegenüber gestanden habe. Nach ihrer Tätigkeit im Geheimdienst hatte sie lange Zeit in Russland gelebt.

Die Reisen der Präsidentin nach Russland

Es gibt zudem die Reisen der Präsidentin nach Russland vor ihrer Wahl zur Staatsoberhäupterin. Laut den Informationen, die von slowenischen Medien rekonstruiert wurden, unternahm die Präsidentin zwischen 2015 und 2022 mehrere private Besuche in Russland zusammen mit Krivolucka, zwischen Moskau und Sankt Petersburg. Der letzte Trip soll Ende Dezember 2021 bzw. Anfang Januar 2022 stattgefunden haben, wenige Wochen vor der russischen Invasion in die Ukraine.

Doch das Präsidialbüro bestreitet einen weiteren Aspekt der Anschuldigungen: Pirc Musar kenne Roman Jeglič persönlich nicht und habe ihn nie getroffen, so das Personal der Präsidentin.

Der Antrag: „Stoppt die Berichte der Geheimdienste“

Um die Sache zu einem institutionellen Fall zu machen, hat der SDS-Abgeordnete Žan Mahnič, Mitglied des parlamentarischen Ausschusses zur Kontrolle der Geheimdienste, dem Regierung eine Initiative vorgelegt, in der gefordert wird, dass SOVA, der Militärgeheimdienst und andere Einrichtungen vorerst die Übermittlung von Berichten an die Präsidentin und ihr Büro einstellen.

Im Gesetzesentwurf wird von Personen in ihrem Umfeld gesprochen, deren „Biografien“ darauf hindeuten könnten, dass sie Teil eines russischen Spionagenetzes sind. Er fordert eine gegen Spionage gerichtete Prüfung der Reisen nach Russland sowie der persönlichen Beziehungen der Präsidentin.

Die Reaktion des Präsidentenbüros war äußerst scharf: „Wir weisen die Unterstellungen zurück, dass die Präsidentin der Republik mit einem russischen Spionagenetz zusammenarbeiten würde.“ Und weiter: Die Behauptung, das Büro habe ein Treffen zwischen Pirc Musar und Jeglič genehmigt, sei „völlig falsch“. Die Präsidentin werde erneut betont, kenne Roman Jeglič nicht persönlich und habe ihn nie getroffen.

Cosa ha trovato davvero la Sova sull’amica della presidente

Mitten in den Kontroversen kam jedoch eine besonders relevante Klarstellung von der slowenischen Geheimdienstbehörde. SOVA hatte Viktorija Krivolucka bereits im Jahr 2016 im Rahmen eines außerordentlichen Einbürgerungsverfahrens überprüft, durch das sie die slowenische Staatsbürgerschaft erlangte.

Die Behörde erklärte der Nachrichtenagentur Sta, dass bei dieser Prüfung „keine relevanten sicherheitlichen Besonderheiten festzustellen waren“. Sie fügte hinzu, dass ihr seither keine weiteren relevanten Umstände bekannt geworden seien, die dieses Ergebnis hätten ändern können.

Gleichwohl betont SOVA, dass die Prüfung bei der Verleihung der Staatsbürgerschaft nicht einem permanenten Monitoring der Person entspricht. Sollte später informationen auftauchen, die auf ein Risiko für die nationale Sicherheit oder die Sicherheit der Präsidentin hindeuten, kann die Behörde diese Informationen beschaffen, bewerten und die zuständigen Behörden informieren.

Die Angelegenheit ist damit nicht abgeschlossen. Die Präsidentin der Knovs, die slowenische Parlamentskommission, die die Sicherheits- und Geheimdienste kontrolliert, Janja Sluga, hat eine Dringlichkeitssitzung für die kommende Woche anberaumt. Die SOVA müsse Informationen darüber liefern, ob ausländische Mächte Einfluss auf die Souveränität und die nationale Sicherheit Sloweniens hätten, insbesondere im Hinblick auf Russland und Israel.

Lukas Steinberger

Lukas Steinberger

Ich bin Lukas Steinberger, Redakteur bei AUSTRIA24 TV mit Fokus auf Politik und Gesellschaft. Nach meinem Journalismusstudium in Wien habe ich für verschiedene Medien gearbeitet und mich auf analytische Berichterstattung spezialisiert. Mein Ziel ist es, komplexe Themen verständlich zu machen und die Perspektiven der Menschen sichtbar zu machen.