Willkommen bei Europa Today, dem wöchentlichen Newsletter, der jeden Sonntagmorgen die wichtigsten Entwicklungen in Europa für Sie zusammenfasst. Verantwortlich für die Berichterstattung ist Alfonso Bianchi. Für Kommentare, Anregungen oder Kritik schreiben Sie bitte an: alfonso.bianchi@citynews.it.
Die wichtigsten Themen der Woche
Orban im Fokus – Gegen alle – Falls das Duell zwischen Trump und Harris noch nicht gereicht hat und Sie auf einen intensiven, hitzigen Schlagabtausch warten, sollten Sie das Treffen zwischen Viktor Orbán und den europäischen Abgeordneten nicht verpassen. Der ungarische Premier wird am Mittwoch, den 18. September, während der Parlamentarischen Plenarsitzung in Straßburg seine Prioritäten für die ungarische EU-Ratspräsidentschaft präsentieren. Erwartet wird ein ausgesprochen hitziges Gespräch, bei dem mit deutlichen Worten zu rechnen ist.
Die Präsidentschaft im Clinch – Der ungarische Regierungschef sorgte für Empörung in der EU, nachdem er zu Beginn der ungarischen Ratspräsidentschaft eine Serie von sogenannten Friedensmissionen ins Leben rief. Er traf zuerst Wladimir Zelensky in Kiew, anschließend Wladimir Putin in Moskau, Xi Jinping in Peking sowie Donald Trump in den USA. Diese Aktionen wurden von der EU scharf kritisiert, da Orbán mit seinen persönlichen Missionen den Eindruck erweckte, seine Rolle als EU-Ratspräsident aus persönlichem Interesse zu missbrauchen.
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Visa für Russen – Eine Kontroverse – Ein weiteres Thema, das für Aufsehen sorgte, war die Entscheidung Budapests, spezielle Arbeitserlaubnisse für russische und belarussische Staatsbürger zu gewähren. Die Maßnahme wurde zwar aus wirtschaftlichen Gründen gerechtfertigt, doch Kritiker befürchten, sie könne eine leichtere Einreise für Spione oder andere unerwünschte Personen aus Moskau in den Schengen-Raum erleichtern. Die europäische Fraktion ECR, der auch Melonis Partei angehört, hat lautstark Protest eingelegt. Über diese Entscheidung wird am Mittwoch ebenfalls im Parlament diskutiert.
Die Mannschaft von von der Leyen – Nach einer überraschenden Absage der Vorstellung ihrer neuen Kommission in der letzten Woche wird Ursula von der Leyen voraussichtlich am Dienstag, den 17. September, erneut in Straßburg vorstellig. Sie wird bei der Sitzung der Präsidentenkonferenz anwesend sein, wo sie zusammen mit Metsola und den Fraktionsvorsitzenden Namen und Mandate für die 25 Kommissarinnen und Kommissare festlegen möchte.
Fitto um die Vizepräsidentenstelle – Sozialisten, Liberale und Grüne versuchen, zu verhindern, dass Giorgia Meloni für Raffaele Fitto die lang ersehnte Vizepräsidentenposition durchsetzen kann. Sie argumentieren, dass die Rolle nicht einem Mitglied des rechten EU-Flügels (ECR) zustehe, der keiner Regierungskoalition angehöre. Meloni ist jedoch fest entschlossen, den Plan umzusetzen, und die Mitgliedsgruppen, die sie unterstützen, werden kaum das direkte Durchbrechen anstreben, sondern eher einen Verhandlungsweg wählen.
Slowenien droht alles zu blockieren – Eines der großen Hindernisse für von der Leyen stellt die slowenische Regierung dar, welche ihre Kandidatur bisher nicht offiziell bestätigt hat. Ursprünglich hatte sie Tomaz Vesel nominiert, doch wurde kurz vor Ablauf die Entscheidung geändert. Stattdessen schickte sie Marta Kos nach Brüssel, um einer Forderung nach Geschlechterparität nachzukommen. Die Opposition nutzt nun ihre parlamentarischen Befugnisse, um die offizielle Bestätigung zu verzögern, was den Zeitplan der Mannschaftspräsentation in Gefahr bringt.
Weitere heiße Themen
Die Beurteilung von „Super Mario“ – Die Debatte im Plenum über Mario Draghis Bericht zur Wettbewerbsfähigkeit wird wahrscheinlich deutlich ruhiger verlaufen als die Auseinandersetzungen mit Orbán. Der italienische Ex-Regierungschef wird am Dienstag seine Analyse präsentieren. Das Echo im Parlament ist überwiegend positiv, doch Länder wie Deutschland stehen einigen Vorschlägen, wie der Einführung gemeinsamer Schulden für bestimmte EU-Politiken, skeptisch gegenüber.
Erneute Strafe für Google – Das EuGH-Urteil zum weiteren Vorgehen gegen Google wird am Mittwoch, den 18. September, erwartet. Es geht um eine Geldstrafe von 1,49 Milliarden Euro wegen wettbewerbswidriger Praktiken im Bereich der Online-Werbung mit der Plattform AdSense. Bereits in der vergangenen Woche bestätigten die Richter eine bisher verhängte Strafe von 2,4 Milliarden Euro. Für den Technologieriesen aus Cupertino könnte es somit die zweite Niederlage innerhalb weniger Tage sein.
Zölle auf chinesische Automobile – Das Tauziehen zwischen Europa und China im Bereich der Elektroautos geht weiter. Letzte Woche wies Brüssel einen Vorschlag Pekings ab, die Zölle auf Elektrofahrzeuge abzuschaffen. Am Donnerstag, den 19. September, wird Chinas Handelsminister Wang Wentao mit dem europäischen Kommissar Valdis Dombrovskis sprechen, um nach einer gemeinsamen Lösung zu suchen.
Plenarsitzungen des EU-Parlaments
Unterstützung für europäische Waffensysteme gegen Russland – In einer Resolution, die am Dienstag, den 17., diskutiert und am Donnerstag, den 19., abgestimmt wird, fordern die Abgeordneten die Mitgliedsstaaten auf, die militärische Unterstützung für Kiew fortzusetzen. Im Juli hatten die Parlamentarier bereits signalisiert, dass sie auch die Verwendung westlicher Waffen zur Attacke auf russisches Territorium befürworten. Die Forderung könnte mit Nachdruck erneuert werden, da Präsident Zelensky immer vehementer die Unterstützung verlangt.
Demokratie im Venezuela – Am Donnerstag, den 19., stimmen die Abgeordneten über eine Resolution zur Lage im südamerikanischen Land ab. Hintergrund ist die Flucht des ehemaligen Präsidentschaftskandidaten Edmundo González Urrutia nach Spanien, wo er Asyl beantragt hat, da er sich in Lebensgefahr sieht. Bereits am Dienstag, den 17., wird in Genf der Bericht der UN-Experten zur Menschenrechtssituation in Venezuela vorgestellt.
Frieden in Gaza – Der 17. September wird dem Thema Waffenruhe in der Gaza-Region gewidmet. Die Abgeordneten fordern wiederholt einen sofortigen, bedingungslosen Waffenstillstand und die Freilassung aller Geiseln. Bisher wurden diese Forderungen jedoch ignoriert. Der Hohe Repräsentant Borrell fordert Maßnahmen gegen die extremistischen israelischen Minister und betont die Dringlichkeit, Druck aufzubauen.
Nominierungen für den Lux-Preis – Am Mittwoch, den 18., werden die fünf Filme vorgestellt, die für die Auszeichnung „Lux Film Prize 2025“ nominiert sind. Im vergangenen Jahr gewann „The Teacher’s Lounge“ von Ilker Çatak.
Weitere wichtige Ereignisse
Elektroauto, das nicht startet – das Scheitern der EU-Strategie – Der Plan der Europäischen Union, den Umstieg auf elektrische Fahrzeuge voranzutreiben, zeigt bisher wenig Erfolg. Als Symbol dafür gilt das Audi-Werk in Brüssel, das ausschließlich umweltfreundliche Autos produziert, aber nun schließen soll, weil keine Nachfrage besteht. Am Montag, den 16. September, findet in Brüssel eine Demonstration gegen die geplanten Entlassungen im Automobilsektor statt.
Die fünf wichtigsten Artikel der vergangenen Woche
- Das Ende der „Factory of Italians“: Ein Blick in das Herz der Krise der Elektromobilität in Brüssel – Das Autowerk von Audi, das nach 75 Jahren schließen soll, weil die Nachfrage nach EVs gering ist. Die Arbeiter klagen, dass die schnelle Transition von Verbrennungsmotoren zu E-Fahrzeugen zu kurz gedacht war. Es droht eine Kontagion über ganz Europa.
- Gegen Fitto (oder fast): Wie Melonis Kandidat die EU blockiert – Sozialisten und Liberale wehren sich gegen einen Vizepräsidentenposten für Raffaele Fitto. Die Populisten halten dagegen. Die Entscheidung liegt nun bei von der Leyen, in der Hoffnung, dass es keinen offenen Konflikt im Parlament geben wird.
- Brüssel lehnt chinesische Vorschläge ab, Zölle auf Elektroautos zu streichen – Chinas Vorschläge wurden abgelehnt. Das EU-Chaos im Mobilitätsbereich geht weiter.
- Erdbeben in Syriza: Der Vorsitzende Kasselakis wird abgesetzt – Das wichtigste Oppositionsbündnis Griechenlands entlässt seinen Fraktionsvorsitzenden, der erst vor einem Jahr gewählt wurde, wegen Differenzen in der Strategie.
- Neue Grenzpolitik gegen Migration: Schließung der Grenzen, Ausnahmen bei EU-Regeln und Lehren für Großbritannien – Deutschland setzt Schengen vorübergehend außer Kraft. Die Niederlande fordern eine Ausnahmeregelung beim Dublin-Abkommen, und das Vereinigte Königreich könnte die Strategie der italienischen Rechten übernehmen, um Migration einzudämmen.