Nach langem Hin- und Her, oft vergeblich, nach vielen Polemiken, oft vorschnellen und verzerrten Vorwürfen, kommt nun endlich ab dem 16. Juli einer der am sehnlichsten erwarteten Filme des Jahres ins Kino: Odyssee von Christopher Nolan. Das monumentale Werk, mit dem der britisch-amerikanische Regisseur beschlossen hat, die wohl bekannteste Erzählung wieder auf die Leinwand zu bringen.
Doch der Text Homers, so grundlegend für Geschichte und westliche Kultur, ist auch dreitausend Jahre alt. Also lässt Nolan ihn die Wellen von Raum und Zeit durchqueren – so, wie er es bei seinem Protagonisten tun lässt, der Ithaka nach mehr als zwanzig Jahren verlassen hat und sich in eine aufwühlende innere Recherche darüber hineinzieht, wer er in all diesen Jahrzehnten geworden ist. Ein versagender Anführer, ein Anhänger – von Agamemnon – verraten.
Weniger fantastisch und deistisch, rationalisiert Odyssee menschlich das Abenteuer und seine Folgen, und findet einen Schnittpunkt zwischen dem reinen filmischen Mechanismus von Tenet und dem reflektierenden Blick auf Verantwortung und Schuld im vielfach ausgezeichneten Oppenheimer.
Ein gigantischer Star-Cast – neben Odysseus, gespielt von Matt Damon, finden sich Anne Hathaway, Tom Holland, Zendaya, Robert Pattinson, Charlize Theron, Lupita Nyong’o und Jon Bernthal – widmet sich hier einem unvergesslichen und staunenswerten visuellen Spektakel, in dem die Epik jedoch umgekehrt wird, um über die Rolle des Mythos nachzudenken.
Der Mythos nicht als glänzende Erzählung, sondern als Geschichte, die unzuverlässig wird, verzerrt, vermischt mit Fantasie und Verehrung. Der Mythos als heidnischer Zauber, in dem der Personenkult die Zivilisation stärkt und zugleich zerstört, zwischen maßloser Ambition und dem Verlangen, sich durchzusetzen. Mitten hinein die Dunkelheit, bevor das Licht einer neuen Morgenröte erscheint.