Der 54-jährige Sven Liebich war zu zwei Jahren Haft verurteilt worden wegen Straftaten wie Aufstachelung zum rassistischen Hass, die mit seiner Mitgliedschaft in neonazistischen Organisationen zusammenhingen. Während der Haft erklärte er, sich geändert zu haben; inzwischen ist er eine Transfrau namens Marla-Svenja geworden und hat sich zudem dem Judentum zugewandt. Aus diesem Grund wurde sie in ein Frauengefängnis verlegt, erhält koschere Mahlzeiten und hat um rabbinische Aufsicht gebeten.
Die Debatte in Deutschland
Der Fall Liebich sorgt in Deutschland für hitzige Debatten, weil er, obwohl er sich keiner Operation unterzogen hat, dank des 2024 beschlossenen Gesetzes zur Selbstbestimmung die gesetzliche Anerkennung seiner Geschlechtsänderung erlangt hat, nachdem er Lippenstift getragen, goldene Ohrringe getragen und Leopardenoberteile getragen hatte. Für viele war das nur ein Trick, um günstigere Haftbedingungen zu erlangen.
„Justiz, Öffentlichkeit und Politiker werden veralbert, weil das Gesetz zur Selbstbestimmung die Gelegenheit bietet, dies zu tun“, kommentierte Innenminister Alexander Dobrindt. Für den konservativen Politiker sei Deutschland damit an einer Stelle, an der eine Debatte über klare Regeln gegen Missbrauch geführt werden müsse.
Der Antisemitismus-Beauftragte Felix Klein verurteilte die Maßnahme der vermeintlichen Bekehrung zum Judentum als „eine Verhöhnung nicht nur der Juden, sondern aller religiösen Menschen, unabhängig von ihrem Glauben“.
Der Sprecher der Staatsanwaltschaft Benedikt Bernzen erklärte, dass die Entscheidung, Liebich in das Frauengefängnis Chemnitz zu verlegen, auf dem „registrierten Geschlecht und dem Wohnort“ basiere. Sobald der/die Gefangene eingeliefert ist, werde jedoch eine individuelle Bewertung vorgenommen.
Entscheidend werde das Verhältnis zu den anderen Inhaftierten sein, betonte eine Sprecherin des Gefängnisses. „Der Schutz der anderen, insbesondere der Schwächeren, vor Angriffen durch andere Gefangene ist ein wesentlicher Faktor bei der endgültigen Zuweisung“, erklärte sie.
Eine Vergangenheit in der extremen Rechten
Liebich war jahrzehntelang eine prominente Figur in der extrem-rechten Szene der DDR, Mitglied der Gruppe Blut und Ehre. Er verkaufte online Produkte, die bei xenophoben Gruppen beliebt waren, darunter Baseballschläger mit dem Slogan „Helfer bei Deportationen“. Im Jahr 2022 stoppte er eine Pride-Parade der LGBT+-Bewegung in der Stadt Halle und bezeichnete die Teilnehmenden als „Parasiten der Gesellschaft“.
Das Selbstbestimmungsgesetz unter Beschuss
Es gibt auch Befürchtungen, dass der politische Konflikt vor allem darauf abzielt, das Selbstbestimmungsgesetz anzugreifen, das unter Kanzler Olaf Scholz eingeführt wurde und von der LGBT+-Gemeinschaft als „historisch“ gefeiert wurde. Die Regelung erlaubt jedem Erwachsenen, Namen und Geschlecht durch eine einfache Anfrage beim örtlichen Standesamt zu ändern, ohne Begründung oder medizinische Informationen anzugeben.
Früher mussten Deutsche, die ihr Geschlecht rechtlich ändern wollten, zwei psychologische Gutachten vorlegen und auf eine gerichtliche Entscheidung warten. Der Bundesverband Trans bezeichnete die Änderung als „einen bedeutsamen und fundamentalen Schritt hin zur Anerkennung von trans- und nichtbinären Personen als natürlicher und gleichberechtigter Teil der Gesellschaft“.
Konservative hingegen warnen vor Missbrauch. Die neue Regierungskoalition unter Führung von CDU/CSU hat sich verpflichtet, das Gesetz zu überprüfen. Die Regelung in ihrer jetzigen Form „enthält Schwächen, die Missbrauch begünstigen könnten“, erklärte Familienministerin Karin Prien.