Lagarde im EU-Parlament: Österreichs Rechtsverschiebung und ihre Auswirkungen

12. Juli 2025

| Lukas Steinberger

Oberste Prioritäten auf der europäischen Tagesordnung

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Spannungen vor der Wahl in Österreich

Österreich rückt nach rechts – Am heutigen Sonntag, dem 29. September, sind die Österreicherinnen und Österreicher aufgerufen, ihre Stimmen bei den Parlamentswahlen abzugeben. Laut aktuellen Umfragen liegt die rechtsextreme Freiheitliche Partei (FPÖ) mit ungefähr 27 % vorn, gefolgt von der Österreichischen Volkspartei (ÖVP) mit 25 %. Die Sozialdemokraten der SPÖ rangieren derzeit bei 21 %. Unabhängig vom Ergebnis wird die FPÖ voraussichtlich entscheidend für die Regierungsbildung sein und eine Schlüsselrolle als „Kingmaker“ spielen.

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Strengere Maßnahmen gegen Migration

Verkehrte Politik gegenüber Migranten – Die erste politische Konsequenz einer möglichen rechten Mehrheit wird eine deutliche Verschärfung der Migrationsthematik sein. Das 90-seitige Wahlprogramm der radikal rechten Partei fordert „Homogenität“ in der Bevölkerung. Es sieht vor, die Einwanderung zu beschränken, das Asylrecht zu reduzieren und Familienzusammenführungen für bereits in Österreich Lebende zu stoppen. Ziel ist es, die Migration noch restriktiver zu gestalten.

Ein Achse mit Fico und Orbán

Perspektiven in der Außenpolitik – Die FPÖ prägt auch ihre außenpolitischen Positionen durch eine Nähe zu Russland. Ein neuer Bundeskanzler aus dem rechten Lager würde daher wahrscheinlich eine Achse mit den Regierungschefs von Tschechien, Robert Fico, und Ungarn, Viktor Orbán, bilden. Gemeinsam könnte ein populistisches, homogenes Block im Herzen Mitteleuropas entstehen, das sich in Fragen wie der Ukraine-Krise und Migration aufeinander abstimmt.

EZB-Zinsentscheid und Lagarde

Entscheidung der Europäischen Zentralbank – Die Präsidentin Christine Lagarde wird am Montag, dem 30. September, in der Wirtschafts- und Währungskommission des Europaparlaments erwartet. Dort wird sie die Diskussionen über eine allmähliche Zinssenkung führen. Teile der politischen Landschaft fordern eine schnellere Reduktion der Leitzinsen. Für Lagarde ist es das erste Treffen mit den neuen Abgeordneten.

Weitere aktuelle Themen

Wechsel bei der NATO-Führung

Der NATO-Generalsekretär im Abschied – Am Dienstag, dem 1. Oktober, wird Jens Stoltenberg sein Amt an den nächsten Generalsekretär, den ehemaligen niederländischen Premierministers Mark Rutte, übergeben. Rutte wird in einer äußerst komplexen Situation die NATO-Operationen koordinieren, insbesondere die Unterstützung für die Ukraine, die immer stärker auf Waffen aus dem Westen drängt, um gegen Russland vorzugehen.

Der Schatten Trumps

Ein Thema, das immer wieder diskutiert wird – Die Verteidigungsförderung der NATO-Mitglieder auf 2 % des BIP bleibt eine zentrale Herausforderung, besonders im Fall eines Wahlsieges von Donald Trump bei den US-Präsidentschaftswahlen. Der Niederländer, der kürzlich als Vermittler zu Trump gilt, ist bekannt für seine guten Kontakte zu dem umstrittenen ehemaligen US-Präsidenten und wird daher für diese Position als besonders geeignet betrachtet. Einige nennen ihn auch den „Trumps Flüsterer“.

Annäherung zwischen EU und Großbritannien

Ein Schritt in die richtige Richtung – Am Mittwoch, dem 2. Oktober, trifft der britische Premierminister Keir Starmer in Brüssel die Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, sowie die Präsidentin des Europäischen Parlaments, Roberta Metsola. Seit seinem Amtsantritt bemüht sich Starmer, die Beziehungen zwischen Großbritannien und der EU zu normalisieren, um die extremen Brexit-Positionen der Konservativen abzumildern.

Assange vor dem Europarat

Ein wichtiges Treffen – Am Dienstag, dem 1. Oktober, wird Julian Assange, kürzlich wieder freigelassen, im Europarat sprechen. Dabei wird er über seine Haftbedingungen und die strafrechtliche Verfolgung durch verschiedene Länder berichten, sowie über die erheblichen Abschreckungseffekte auf Journalisten. Die Parlamentarische Versammlung des Europarats (kein EU-Organ) wird an diesem Tag einen Bericht verabschieden, der die übermäßige Härte gegen den Gründer von Wikileaks kritisiert und Maßnahmen vorschlägt, um solche Fälle in Zukunft zu vermeiden.

Aktuelle Entwicklungen im Europäischen Parlament

Ukraine-Hilfen: Kreditmechanismen

Finanzielle Unterstützung für Kiew – Die Debatte über einen möglichen Mechanismus für Kreditvergaben an die Ukraine sowie ein Sonderkredit in Höhe von bis zu 35Milliarden Euro wird im Ausschuss für internationalen Handel geführt. Hierbei wird der Vizepräsident der Europäischen Kommission, Valdis Dombrovskis, seine Position darlegen.

Verhör der Kommissarinnen und Kommissare

Vorbereitungen auf die Bestätigung – Am Dienstag, dem 1. Oktober, findet die Konferenz der Vorsitzenden der Kommissionen im Parlament statt, bei der die Termine für die Anhörungen der designierten Kommissare festgelegt werden. Dabei wird die Agenda besprochen, die gemeinsamen Fragen klargestellt und die Verantwortungsbereiche verteilt. Am nächsten Tag bestimmt die Konferenz der Präsidenten – also der Parlamentspräsident sowie die Fraktionsvorsitzenden – die Organisation dieser Anhörungen.

Der Draghi-Report erneut auf der Agenda

Wortgefechte über die Wettbewerbsfähigkeit – Am Montag, dem 30. September, wird die Kommission für Binnenmarkt über den aktuellen Bericht von Mario Draghi zur Wettbewerbsfähigkeit debattieren. Der ehemalige italienische Ministerpräsident wird an diesem Tag zudem bei einer Veranstaltung im Brüsseler Think Tank Bruegel persönliche Stellungnahmen abgeben.

ECR widersetzt sich der „Sperrzone“

Konservative im Widerstand – Trotz langjähriger Führung im Parlament, inklusive zwei Vizepräsidentenämtern, weigert sich die ECR-Fraktion, die sogenannte „Sanitätszone“ zu akzeptieren. Sie plant am Montag, dem 30. September, in der Kommission für Industrie und Forschung (ITRE) mit einem Votum gegen den Ausschluss aus Gremien wie dem Panel für Zukunft der Wissenschaft, dem Europäischen Ausschuss für Kritische Rohstoffe und dem Europäischen Ausschuss für Halbleiter vorzugehen.

Europäische Ermittlungsbehörde und Drogenpolitik

Beginn des Berichtszyklus – Am Montag, dem 30. September, finden in der Kommission für Freiheit, Sicherheit und Recht Anhörungen statt. Es werden der Leiter der Europäischen Staatsanwaltschaft, Laura Kovesi, der Exekutivdirektor der Antidrogen-Agentur, Alexis Goosdeel, und der Präsident von Eurojust, Ladislao Hamran, ihre Berichte vorstellen.

Gerichtshof der Europäischen Union

Urteile über Fusionen und Menschenrechte – Am Freitag, dem 4. Oktober, werden wichtige Entscheidungen erwartet, darunter das Urteil im Verfahren gegen die Fusion von Thyssenkrupp und Tata Steel sowie Richtlinien zur Bewertung von Asylanträgen afghanischer Frauen und zur Anerkennung der Geschlechtsumwandlung in anderen Ländern.

Weitere bedeutende Ereignisse

Von der Leyen bei der CERN-Jubiläumsfeier in der Schweiz

Besuch der Kommissionspräsidentin – Ursula von der Leyen spricht anlässlich des 70. Jubiläums des Europäischen Kernforschungszentrums CERN in der Schweiz. Außerdem trifft sie die Schweizer Bundespräsidentin Viola Amherd.

G7-Innenministertreffen in Italien

Internationaler Austausch – Vom 2. bis 4. Oktober findet in Italien das Gipfeltreffen der Innenministerinnen und -minister der G7 statt, an dem auch die EU-Innenkommissarin Ylva Johansson teilnehmen wird.

Der Walaktivist Paul Watson im Fokus

Rechtlicher Kampf – Am Mittwoch, dem 2. Oktober, steht die endgültige Entscheidung über die Freilassung des bekannten Meeresschützers Paul Watson an. Watson, Mitbegründer von Greenpeace und später der Sea Shepherd Conservation Society, wurde am 21. Juli festgenommen. Gegen ihn läuft ein Auslieferungsverfahren nach Japan wegen Aktionen gegen Walfangboote vor zehn Jahren.

Rückblick auf die wichtigsten Artikel der vergangenen Woche

  • Schnitt bei Verbrennungsmotoren ab 2025: Die europäische Autoindustrie bereitet sich vor, da ab 2035 nur noch Elektrofahrzeuge verkauft werden dürfen. Bereits für 2024 sind hohe Emissionsreduktionsziele beschlossen, die die Automobilhersteller zwingen, erheblich in umweltfreundliche Technologien zu investieren. Viele sind jedoch noch nicht ausreichend vorbereitet und drohen mit hohen Strafen.
  • EU-Gelder für Afrika landen bei Schleusern: Ein Bericht des Europäischen Rechnungshofs kritisiert die ineffiziente Verwendung der finanziellen Mittel. Insbesondere in Libyen gelangen Ausrüstung und Ressourcen der Küstenwache oftmals in die Hände krimineller Gruppen.
  • Deutschland lehnt die italienische Forderung nach strengeren Zielen für Elektroautos ab: Die Bundesregierung stellt klar, keine Verbesserungen bei den Klimazielen vornehmen zu wollen. Man betont, dass Klimaziele grundlegend seien, und schließt Ausnahmen für Biokraftstoffe aus.
  • Orbán-Berater erklärt: „Im Falle einer russischen Invasion werden wir keinen Widerstand leisten“ – Die Aussage des politischen Beraters Balázs Orbán sorgt für Aufsehen. Er wird beschuldigt, die Erinnerung an die 3000 Zivilisten, die bei sowjetischen Angriffen auf Ungarn ums Leben kamen, zu verraten.
  • Geschichtsprofessor erhält für Agrarstudien 1000 Euro täglich von der EU – Peter Strohschneider wurde von Ursula von der Leyen für die Betreuung eines ländlichen Berichts engagiert. Im Gegensatz dazu erhielt Mario Draghi kein Honorar für Beratungen zur Wettbewerbsfähigkeit.
Lukas Steinberger

Lukas Steinberger

Ich bin Lukas Steinberger, Redakteur bei AUSTRIA24 TV mit Fokus auf Politik und Gesellschaft. Nach meinem Journalismusstudium in Wien habe ich für verschiedene Medien gearbeitet und mich auf analytische Berichterstattung spezialisiert. Mein Ziel ist es, komplexe Themen verständlich zu machen und die Perspektiven der Menschen sichtbar zu machen.