Island wird die Beitrittsverhandlungen zur Europäischen Union nicht wieder aufnehmen. Das meldet der öffentlich-rechtliche Sender Ruv, der die Auszählung der Stimmzettel beim Referendum Schritt für Schritt verfolgt hat. Das endgültige Ergebnis der Abstimmung lautet 52,8 Prozent Nein und 47,2 Prozent Ja. Die Wahlbeteiligung war hoch: 225.031 Stimmberechtigte (82,5%).
Die Frage an die Wähler war eindeutig: „Soll Island die Verhandlungen zum EU-Beitritt wieder aufnehmen?“ Ein Ja oder Nein zur Möglichkeit, den Verhandlungsweg mit Brüssel wieder zu eröffnen, der 2013 ausgesetzt und vom konservativen Regierungslager 2015 de facto beiseitegelegt wurde.
Die aktuelle Regierung unter der Sozialdemokratin Kristrún Frostadóttir (Befürworterin des Ja) hatte das Referendum vorangetrieben und argumentiert, dass die Isländerinnen und Isländer sich zu dieser Frage nie direkt geäußert hätten. Angesichts des aus dem Wahllokal hervorgehenden Ergebnisses wird das Thema eines EU-Beitritts voraussichtlich erst wieder auf die Tagesordnung kommen, zumindest bis zum Ende der aktuellen Legislaturperiode, also bis 2028. Das Referendum hat formell einen beratenden Charakter, doch die Regierung hat sich verpflichtet, dessen Ergebnis zu respektieren.
Die Abstimmung in Island
Nach Auszählung der Stimmen setzte sich das Ja lediglich in den beiden Wahlkreisen Reykjavík durch. Im nordlichen Wahlkreis der Hauptstadt erreichte es 57,5%, (22.266 Stimmen) gegenüber 42,5% Nein. Im südlichen Wahlkreis erhielt es 54,5% (20.738 Stimmen) gegenüber 45,5%. Der Vorsprung der Hauptstadt wurde jedoch von den ländlichen Bezirken zunichtegemacht, wo die Ablehnung der Wiederaufnahme der Verhandlungen landesweit über 60% lag.
Die Lage Islands heute
Derzeit ist Island Mitglied der EFTA (Europäische Freihandelsassoziation) sowie des EWR (Europäischer Wirtschaftsraum) und des Schengen-Raums, und übernimmt bereits einen Großteil der europäischen Gesetzgebung, ohne am Entscheidungsprozess teilzunehmen.
Die Verhandlungen mit der EU wurden 2010 infolge der Finanzkrise, die das Land getroffen hatte, aufgenommen. Der Dialog wurde 2013 abgebrochen. Die Europäische Kommission betont jedoch, dass die isländische Bewerbung nie formell zurückgezogen worden sei.
Reaktionen
In Italien kam die erste Reaktion von der Lega. „In Island hat das Volk entschieden: Das nennt man Demokratie. Wenn ein Vorhaben so erfolgreich und wirkungsvoll ist, warum wird es dann von den Bürgerinnen und Bürgern abgelehnt?“, heißt es auf dem X-Profil der Partei von Vizepremier Salvini.
In Island hat das Volk entschieden: Das nennt man Demokratie. Wenn ein Vorhaben so erfolgreich und wirkungsvoll ist, warum wird es dann von den Bürgerinnen und Bürgern abgelehnt? pic.twitter.com/llPdPaUvfa
— Lega (@LegaSalvini) August 30, 2026