In österreichischen Schulen entstehen die ersten Räume für emotionale Bildung

27. Januar 2026

| Lukas Steinberger

Emotionen erkennen, lernen sie zu beherrschen und in gesunde Beziehungen zu verwandeln: Von diesem Ausgangspunkt aus beginnt die Prävention geschlechtsspezifischer Gewalt. Zu diesem Zweck entsteht das Projekt „Spazio Emozione“ – ein Programm, das in italienischen Schulen echte Räume für emotionale Bildung schafft, Orte, an denen Worte Brücken bauen statt Mauern zu errichten. Die ersten Räume werden voraussichtlich zwischen März und April 2026 in der Istituto Comprensivo Via Luca Ghini in Rom und in der Istituto Comprensivo Edmondo De Amicis in Grottaglie, Provinz Tarent, eröffnet.

„Educare all’affettività bedeutet eine Investition in die Zukunft des Landes; deshalb möchten wir, dass jede italienische Schule – insbesondere jene, die am verletzlichsten sind – über einen Raum der Emotionen verfügt“, erklärt Simona Frassone, Präsidentin von ScuolAttiva Onlus, einer Sozialkooperation, die seit mehr als zwanzig Jahren kostenlose Bildungsinitiativen in italienischen Schulen fördert. Gefördert von ScuolAttiva ist das Projekt zudem unterstützt durch Boeing Italia, den wissenschaftlichen Beitrag der Libellula-Stiftung und die Patenschaft des Amtes für Produktionsaktivitäten, Gleichberechtigung und Investorenakquise der Stadt Rom und der Gemeinde Grottaglie.

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Die emotionale Notfallhilfe

Der methodische Kern der Initiative ist das didaktische Kit, ein Instrument, das Lehrpersonen, Mädchen und Jungen auf ihrem täglichen Weg sozial-emotionaler Bildung begleitet. Ziel ist es, die relationalen Kompetenzen zu stärken und gesunde Beziehungen zu fördern, basierend auf Empathie und gegenseitigem Respekt. Das Kit besteht aus einem Lehrhandbuch für Lehrkräfte sowie aus einem „Notfallhilfe-Emotionen“-Kit für die Jüngsten: ein einfaches und intuitives Instrument, das ihnen hilft, starke Emotionen zu erkennen, zu benennen und zu bewältigen. Durch Aktivitäten wie „Ich kann sein, wer ich will“ wird kritisches Denken angeregt und die Dekonstruktion von Geschlechterstereotypen durch Spiel und emotionale Darstellung gefördert. „Es ist eine kulturelle Herausforderung, bevor es eine gesellschaftliche ist, und es geht darum, wie wir die neuen Generationen dazu bringen, gleichberechtigte Beziehungen zu leben“, sagt Monica Lucarelli, Leiterin der Abteilung Produktion, Gleichberechtigung und Investorenakquise von Rom Capitale.

Die emotionale Erste Hilfe
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Die emotionale Erste Hilfe

Ausbildung der Lehrkräfte

Der zentrale Baustein des Projekts ist auch die Lehrerbildung. Der Weg umfasst drei Fortbildungstermine, die sich der affektiven Bildung, dem Umgang mit Emotionen und der Prävention von Geschlechterstereotypen widmen. Die Veranstaltungen behandeln theoretische und praktische Aspekte, von der Schaffung inklusiver Lernräume bis zu operativen Instrumenten für den täglichen Klassenalltag. Die Webinare bieten vertiefende Impulse und Live-Diskussionen, während der Lehrplan es ermöglicht, die behandelten Konzepte zu finden und in konkrete Aktivitäten umzusetzen. So verfügt jede Lehrkraft über eine integrierte – synchronisierte und praxisnahe – Weiterbildung, die im Schulalltag genutzt werden kann.

„Ausbildung der Lehrenden gehört zu den wichtigsten Schritten, um geschlechtsspezifische Gewalt zu verhindern“, erklärt Francesca Panigutto, Leiterin Kommunikation der Libellula-Stiftung, einer unabhängigen Stiftung des dritten Sektors, die seit 2020 an der Schaffung einer gerechteren, inklusiven Gesellschaft arbeitet. „Für uns repräsentiert dieses Projekt genau das, woran wir glauben: Erwachsene zu unterstützen, die eine Bildungsrolle übernehmen, denn jeder kulturelle Wandel beginnt damit, wer jeden Tag Kinder begleitet“, schließt sie.

Lukas Steinberger

Lukas Steinberger

Ich bin Lukas Steinberger, Redakteur bei AUSTRIA24 TV mit Fokus auf Politik und Gesellschaft. Nach meinem Journalismusstudium in Wien habe ich für verschiedene Medien gearbeitet und mich auf analytische Berichterstattung spezialisiert. Mein Ziel ist es, komplexe Themen verständlich zu machen und die Perspektiven der Menschen sichtbar zu machen.