Die Zunahme digitaler Zahlungen hat das Bargeld im Umlauf reduziert. Dennoch wird Bargeld von vielen Menschen weiterhin genutzt und spielt eine zentrale Rolle bei alltäglichen Transaktionen. Davon ist die Europäische Zentralbank (EZB) überzeugt. Die europäischen Institutionen arbeiten daran, Bargeld fit für die wirtschaftlichen Herausforderungen der Zukunft zu machen.
„Alle müssen Bargeld akzeptieren“
„Der digitale Euro, Banknoten und Münzen werden sich gegenseitig ergänzen und das Spektrum der Zahlungsmöglichkeiten erweitern, indem Bargeld sowohl in physischer als auch in digitaler Form angeboten wird“, erklärte Piero Cipollone, Mitglied des EZB-Direktoriums. Die Stellungnahme des Ökonomen wurde am Montag, dem 4. August, auf der Website der Europäischen Zentralbank veröffentlicht. „Die Banknoten und Münzen in Euro haben im gesamten Euroraum gesetzliches Zahlungsmittel. Daher müssen alle Bargeldzahlungen akzeptiert werden, wenn der Zahler darauf besteht. Praktiken wie die Verweigerung von Bargeld durch Händler oder das Aufhängen von Schildern mit der Aufschrift ‚Verbot der Bargeldnutzung‘ sind nicht nur unerwünscht, da sie die Zahlungsmittelwahl des Zahlers einschränken, sondern auch grundsätzlich inkonsistent mit dem gesetzlich festgelegten Zahlungsmittelstatus des Bargelds in Euro.”
Das Land, das ganz auf Bargeld verzichten will
Nach Cipollone werden der digitale Euro und Bargeld zusammen die Autonomie des Kontinents im Zahlungsverkehr stärken: „Mit einem digitalen Euro neben dem Bargeld profitieren die Europäer von einem breiteren Angebot an Zahlungsmethoden. Sie können Zentralbankgeld für nahezu alle Zahlungsarten nutzen, einschließlich Online-Transaktionen, und profitieren von größerer Sicherheit, Schutz, Effizienz, Privatsphäre und Inklusivität.“
Im Umlauf befinden sich 30,4 Milliarden Banknoten
Der Ökonom hat hervorgehoben, dass Bargeld auch als Werthalter genutzt wird und die Nachfrage über alle Altersgruppen hinweg stark geblieben ist. Doch auch die Zahlen sprechen für sich. Derzeit befinden sich 30,4 Milliarden Banknoten im Umlauf, mit einem Gesamtwert von 1,6 Billionen Euro. „Nachdem es infolge eines Zinserhöhungen zu einem Stillstand kam, der es für Menschen weniger attraktiv machte, beträchtliche Bargeldreserven zu halten, wachsen diese Zahlen wieder, derzeit bei einer jährlichen Zuwachsrate von 2,3 Prozent im Stückzahlbereich und 1,7 Prozent im Wertbereich“, erklärte Cipollone. Derzeit zirkulieren Banknoten mit einem Wert von fast 5.000 Euro pro Einwohner der Eurozone.